Christophorus-Gemeinde lädt zu Doppeljubiläum ein

Die nette kleine Fachwerkkirche wird 350

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Die Christophorus-Kirche feiert 350. Geburtstag und die evangelische Gemeinde 60 Jahre Eigenständigkeit. Sieben Frauen bereiten das Fest zum Doppeljubiläum vor: (v.li.) Lektorin Sigrid Elbrecht, Nicole Würdemann vom Leitungsteam des evangelischen Kindergartens, Kirchenvorstandsvorsitzende Frauke Vakilzadeh, Kirchenvorstandsmitglied Edelgard Abersbach, Kirchenfördervereinsvorsitzende Edeltraud Nowotnik, Kirchenvorstandsmitglied Beate Steinau und Pastorin Wiebke Ridderskamp.

Ottersberg - Nicht lange, nachdem Feldherr Tilly und sein Heer 1626 mit dem Dorf auch das Holzkirchlein auf dem Kapellenkamp zerstört hatten, begannen die Ottersberger von einer neuen und größeren Kapelle an der Stelle zu träumen und legten sich dafür zusammen ins Zeug.

Kurz nach Weihnachten 1669 weihten sie historischen Aufzeichnungen zufolge ihr bis heute standfestes Gotteshaus ein – die heutige Christophorus-Kirche mitten im Ort an der Grünen Straße. „Jetzt wird unsere nette kleine Fachwerkkirche 350 Jahre alt“, so Kirchenvorstandsvorsitzende Frauke Vakilzadeh – und das wird am 22. September groß gefeiert. Sogar als Doppeljubiläum: Beim Kirchengeburtstag blickt die evangelische Kirchengemeinde gleichzeitig auf 60 Jahre Eigenständigkeit zurück.

Das Fest planen sieben in der Kirchengemeinde engagierte Frauen. Zum Feiern eingeladen sind am Sonntag, 22. September, alle, „die sich unserer Kirche verbunden fühlen“, sagt Pastorin Wiebke Ridderskamp. Das dürften so einige sein. Wer hier in den vergangenen Jahrzehnten getauft, konfirmiert oder getraut wurde, Zuflucht, Hoffnung oder Trost fand, behält nach Erfahrung der Pastorin eine Verbindung zu dem Gotteshaus. Los geht's um 15 Uhr mit einem Stehcafé zur Begrüßung vor der Fachwerkkirche. Für Kinder werden Spiele vorbereitet und ein Fahrzeugparcours aufgebaut. Um 16 Uhr beginnt in der Kirche der musikalische Festgottesdienst.

Die Predigt hält zur Feier des Tages Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy. Die Christophorus-Bläser spielen, der Kirchenchor singt. Pastorin Ridderskamp macht Musik mit Konfirmanden und weiteren Jugendlichen, die außerdem als szenische Lesung die Legende von Christophorus nachspielen. Der Schutzheilige der Fährleute und Reisenden gab der Kirche am Fluss und der früheren Furt ihren Namen. Einen geschichtlichen Rückblick hält der frühere Kirchenvorsteher Horst Cordes.

Im Anschluss an den Gottesdienst, den Pastorin Ridderskamp im Sinne einer lebendigen, auf Zukunft ausgerichteten Kirche ausdrücklich generationenübergreifend gestaltet wissen will, zieht die Festgesellschaft weiter ins Gemeindehaus am Postweg. Hier erwartet die Gäste neben Chormusik von den OpenEars, Zwiebelkuchen, Federweißen und Grußworten auch eine kleine Fotoausstellung, die Fritz Bartels von der Geschichtswerkstatt im Rektorhaus mit historischen Aufnahmen vom kirchlichen Leben in Ottersberg zusammengestellt hat.

Sechs Pastoren hatte die Christophorus-Gemeinde seit 1959 und bevor Wiebke Ridderskamp vor gut vier Jahren die Pfarrstelle übernahm. Die Amtsvorgänger sind als Ehrengäste zum Jubiläumsfest eingeladen. Den kürzesten Weg hat Eginhard Strelow, der als Ruheständler weiterhin unter dem Dach des Pfarrhauses wohnt. Ob der allererste Pastor Hans-Dietrich Ventzky, der auf die 90 zugeht, es an dem Tag schafft, ist nicht ganz sicher. „Ich hoffe sehr!“, sagt Ridderskamp. Gespannt auf ihre Erzählungen, will die Pastorin die alten Kollegen beim geselligen Beisammensein im Gemeindehaus zum Interview bitten und ihnen allerhand Erinnerungen entlocken.

Bis vor 60 Jahren war die Kapellengemeinde Ottersberg Teil des Kirchspiels Otterstedt. Durch den Flüchtlingszuzug wuchs die Bevölkerungszahl dermaßen, dass der Otterstedter Pastor allein die Ottersberger nicht mehr kirchlich mitversorgen konnte. 1959 waren die Bestrebungen nach Eigenständigkeit von Erfolg gekrönt und wurde die Gründung der evangelischen Christophorus-Kirchengemeinde Ottersberg urkundlich besiegelt.

Jahrhunderte älter als die Gemeinde ist ihre Fachwerkkirche. Die wird auch Schwedenkapelle genannt, weil bei ihrer Einweihung Ottersberg unter schwedischer Herrschaft stand – wovon heute noch das Schwedenwappen in der Kirche zeugt. Der Altar weist die Jahreszahl 1668 auf und wurde damals aus der abgebrannten Rotenburger Schlosskapelle geholt. Kriegsbeschädigungen, Umnutzung als Lager für Kriegsgefangene, Renovierungen, Umgestaltungen, Turmneubau 1842 und die große Sanierung vor 25 Jahren – die Christophorus-Kirche hat viel erlebt. 1962 wurden die neuen Glocken, 1972 die Orgel angeschafft. Die mechanische Turmuhr stammt von 1896 und wird bis heute jede Woche per Hand aufgezogen.

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