Nach 20 Jahren schließt Fotograf Eberhard Wildung sein Ottersberger Atelier

Lichtmaler mit Faible für analoge Technik

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Der Künstler bleibt: Eberhard Wildung mit seiner unverwüstlichen Hasselblad in seinem Ottersberger Atelier.

Ottersberg - Von Bernd Hägermann. Die Hasselblad, ein Meisterwerk schwedischer Feinmechanik, wiegt schwer und wirkt in Zeiten digitaler Knipskisten anachronistisch. Aber Kameras wie diese nehmen kaum etwas übel und funktionieren mindestens ein Leben lang. Häufig länger und mit unvergleichlicher Haptik. Man muss sie nur zu bedienen wissen.

Das berufliche Leben von Eberhard Wildung, Ottersberger Fotograf mit künstlerischem Anspruch, prägte seine Hasselblad als verlässliches Werkzeug. Wildung ist nie auf digitale Schnellzüge aufgesprungen, sondern hat immer versucht, alle Möglichkeiten der analogen Fotografie auszuloten – als Porträtist und Lichtmaler, der Menschen in Szene setzt und dabei ihre Charakteristik herausarbeitet.

Dafür braucht es keine Geschwindigkeitsrekorde, noch nicht mal drei Bilder pro Sekunde: „Ich habe immer sehr bewusst fotografiert“, sagt Wildung, der bekannt ist für seine Aktfotografien. Bei einem 12er-Mittelformat-Film will jede Aufnahme wohl überlegt sein. Diese gemächliche Arbeitsweise steht im Gegensatz zu Wildungs schnellem Auge. Das erfasst beinahe verzögerungsfrei Nuancen und ihre Bedeutung für gesamtkompositorische Zusammenhänge.

Nach beinahe vier Jahrzehnten Ottersberg und hier zwanzig Jahre im Atelier an der Langen Straße 94 scheint für Eberhard Wildung alles belichtet. Zu Beginn des Jahres hatte er sich als gewerblicher Fotograf in den Ruhestand verabschiedet. Der Künstler Wildung wird privat weiter zur Kamera greifen. Und dabei nicht von seinem Qualitätsstreben lassen.

Als Verfechter eines analogen Aufnahmeprinzips, der sich zudem 1991 auf die exklusive Schwarzweißfotografie spezialisiert hat, darf einen die Enge und die beschränkte Wahlfreiheit in dieser künstlerischen Nische nicht stören. Wildung bezog seine Filme aus Bayern und hatte sein Fachlabor in Rostock. Die damit verbundene Mühe nahm er gerne in Kauf: „Film“, behauptet der gebürtige Bremer, „hat immer noch einen größeren Tonwertumfang als ein vergleichbarer digitaler Sensor.“

Eberhard Wildung ist als Fotograf ein Konservativer im besten Sinn, für den die Lichtsetzung vor der Aufnahme wichtig ist, nicht deren Nachbearbeitung. „Photoshop ist nicht mein Ding“, sagt Wildung und erzählt die Geschichte von einem Fachlaboranten, der bei einer seiner Aktaufnahmen eigenmächtig einen kleinen Leberfleck entfernt hatte. „Ich habe ihm gesagt, dass ich mir etwas dabei gedacht hätte, den Leberfleck nicht zu überpudern oder abzudecken.“ Der Mann muss Wildung ungläubig angestarrt haben. Wenn für Bilderstrecken in Hochglanzmagazinen jeder noch so kleine menschliche Makel getilgt wird und Natürlichkeit nicht mehr zu erkennen ist, dann müssen Fotografen wie Wildung, die auf Authentizität bestehen, wie Spielverderber erscheinen.

Andere ließen sich gerade deswegen nur von ihm fotografieren. Seine Kundenkartei führte Namen im Umkreis von einhundert Kilometer. Darunter auch bekannte Sportler, die sich von ihren Ehefrauen überzeugen ließen, für ein Familien-Shooting nach Ottersberg zu fahren. Miro Klose, Tim Borowski und Torsten Frings samt ihrer Lieben jedenfalls blicken entspannt und gut gelaunt in Wildungs‘ Hasselblad. Deren lauter Spiegelschlag wird jetzt ein wenig ruhen. Nicht so Eberhard Wildung: „Ute, meine Ehefrau, hat im April eine Ausstellung. Ich werde dafür die Bilder rahmen und gemeinsam mit ihr die Hängung planen.“

häg

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