Naturschützer bereiten Stellung gegen geplante Erweiterung des Parks im Außenbereich vor

Nabu gegen weitere Windkraft in Quelkhorn

Die Firma „NWind“ will in Quelkhorn zwei weitere Windkraftanlagen bauen.
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Die Firma „NWind“ will in Quelkhorn zwei weitere Windkraftanlagen bauen.

Ottersberg – Der Naturschutzbund (Nabu) Ottersberg geht gegen den geplanten Bau von zwei weiteren Windkraftanlagen im Außenbereich von Quelkhorn aus Gründen des Artenschutzes vor. Das geht aus einer von Susanne Baumgartner verschickten Mitteilung des Nabu hervor.

Die beiden Windenergieanlagen (WEA) sind in direkter Nachbarschaft zum Quelkhorner Moor sowie den beiden Landschaftsschutzgebieten „Wümmeniederung mit Dünen und Seitentälern“, „Buchholzer und Wilstedter Moor“ und dem FFH-Gebiet „Wümmeniederung“ geplant.

Der Mitteilung zufolge wären von der Erweiterung etliche Tierarten betroffen. Das vom Antragsteller selbst, der Firma NWind mit Sitz in Hannover, beauftragte vogelkundliche Gutachten bestätige im direkten Umkreis der geplanten Anlagen Reviere einiger streng geschützter Vogelarten zum Beispiel Baumfalke, Turmfalke, Waldohreule und Kiebitz. Aber auch Rebhuhn, Wiesenpieper und Feldlerche seien zum Teil zahlreich vertreten.

Beobachtet worden seien im näheren Umkreis der geplanten Anlagen neben vielen weiteren der Große Brachvogel, Goldregenpfeifer, Kranich, Kornweihe, Rohrweihe, Rotmilan und Waldschnepfe.

Darüber hinaus liege der geplante Standort der WEA in nur einem Kilometer Entfernung zu einem landesweit bedeutenden Brut- und Nahrungshabitat für den streng geschützten Schwarzstorch.

Während der Untersuchung der Fledermausfauna seien im 500-Meter-Umkreis der geplanten WEA die kollisionsgefährdeten Fledermausarten Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus, Großer Abendsegler und Breitflügelfledermaus festgestellt worden.

„Aus den genannten Gründen machen sich Naturschützer des Nabu gegen eine Errichtung der geplanten Windanlagen in Quelkhorn stark“, heißt es in dem Schreiben weiter. Konkret bedeutet das formal, dass der Nabu eine Stellungnahme als sogenannter außenstehender Anwalt der Natur (gleichgestellt den Trägern öffentlicher Belange) für das weitere Verfahren vorbringt. Generell gelte es zudem, die Öffentlichkeit auf das Thema hinzuweisen. Denn in den politischen Gremien in Ottersberg komme das Projekt nicht zur Sprache, sagt Jürgen Baumgartner vom Nabu auf Nachfrage des Kreisblatts.

Hintergrund: Dem Landkreis Verden liegt ein Antrag von „NWind“ vor, eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb von zwei Windkraftanlagen zu erteilen. Bislang umfasst der Park eine Anlage auf Kreisverdener und drei auf Kreisrotenburger Gebiet.

„NWind“ plant, baut und betreibt Windenergieanlagen in ganz Deutschland. Eigenen Angaben zufolge achtet das Unternehmen „schon bei der Standortwahl sorgfältig auf besonders bedeutende oder empfindliche Bereiche für Mensch, Natur und Landschaft“.

Das Vorhaben umfasst zwei Windkraftanlagen des Typs Enercon E-126 EP3 mit je vier Megawatt Nennleistung, 135 Metern Nabenhöhe, 127 Metern Rotordurchmesser und 198,5 Metern Gesamthöhe.

Laut Bekanntmachung des Landkreises sieht das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Verden für das Plangebiet keine Vorbehaltsgebiete vor. Die bestehende Windenergieanlage (WEA) befinde sich innerhalb des Vorranggebietes für Windenergienutzung. Die geplanten zwei Anlagen seien als Erweiterung des Windparks Quelkhorn vorgesehen, allerdings außerhalb des Vorranggebietes. Die Firma beantragt darum Aufstellmöglichkeiten für die zwei WEA, die über das Vorranggebiet im RROP 2016 hinausgehen.

Der Landkreis sieht die Anlagen als zulassungsfähig an, weil im Norden der Abstand zur Kreisgrenze eingehalten werde und im Westen das Vorranggebiet für Natur und Landschaft (Hohes Moor) nicht berührt werde. Im Süden werde das harte Abstandskriterium von 400 Metern zum Siedlungsgebiet eingehalten. Und im Osten werde das harte Ausschlusskriterium „Natura 2000“ nicht berührt.

Somit ergäben sich keine bedeutsamen Auswirkungen „auf das Schutzgut Mensch einschließlich der menschlichen Gesundheit“, heißt es in der Landkreisstellungnahme weiter. Und für das Schutzgut Pflanzen und Biotope ergebe sich ein Ausgleich. Es seien nämlich die Neupflanzung von 16 Bäumen und die Anlage von 290 Quadratmetern Strauch-Baumhecke vorgesehen. Auswirkungen auf weitere Schutzgüter wie Klima und Wasser seien auch nicht gegeben. Durch den Bau zweier weiterer WEA werde das Landschaftsbild geringfügig stärker beeinträchtigt.

Die Firma „NWind“ hat freiwillig eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben. Demnach gibt es – wie vom Nabu hervorgehoben – für einige Fledermausarten ein erhöhtes Tötungsrisiko durch Kollision mit den Rotorblättern. Als konfliktvermeidende Maßnahmen seien daher entsprechende Abschaltzeiten der Windenergieanlagen vorzusehen, sodass artenschutzrechtliche Verbotstatbestände umgangen werden können. Eine signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos durch mögliche Kollisionen mit den Anlagen für Vögel sei indes nicht zu erwarten.

Für die Beeinträchtigung des Schutzgutes Landschaftsbild ist eine Ersatzzahlung in Höhe von rund 210 000 Euro zu leisten, die an die drei betroffenen Landkreise Verden, Rotenburg sowie Osterholz anteilig zu zahlen sind.

Alle Unterlagen zu dem Antragsverfahren für die Windkraftanlagen, über das am Montag, 1. März, um 10 Uhr im Kreishaus Verden entschieden wird, finden sich im Internet auf den Seiten UVP Niedersachsen unter dem Stichwort „Quelkhorn“.

Von Philipp Köster

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