Mundschutz made in Fischerhude 

Kristine Harjes stellt ihr Atelier auf die Fertigung von Stoffmasken um

Jeans reparieren war gestern – in Zeiten von Corona hat Kristine Harjes den Betrieb in ihrem Atelier umgestellt auf die Produktion von Schutzmasken. Archivfoto: Holthusen
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Jeans reparieren war gestern – in Zeiten von Corona hat Kristine Harjes den Betrieb in ihrem Atelier umgestellt auf die Produktion von Schutzmasken.

Fischerhude - Die Krise macht erfinderisch. „Was kann ich jetzt tun?“ – diese Frage hat Kristine Harjes für sich gelöst: Fischerhudes „flinke Nadel“, die im Ortskern eine Nähschule und Änderungsschneiderei betreibt, stellt die Arbeit in ihrem Atelier um auf die Produktion von selbst genähtem Mund- und Nasenschutz.

„Der Bedarf ist da“, weiß die Bekleidungsingenieurin um die Engpässe beim Mund- und Nasenschutz, der die Verbreitung von Coronaviren über die Atemluft eindämmen hilft. „Zahnärzte nähen an den Wochenenden Mund- und Nasenschutz, weil sie der Meinung sind, dass ein selbst genähter mehrlagiger Mundschutz, der alle paar Stunden gewechselt und bei 95 Grad gewaschen werden kann, besser ist als gar keiner – auch, wenn er kein Medizinprodukt nach Maßstäben des Robert-Koch-Instituts ist.“ Erfahrungsberichte dieser Art inspirierten Kristine Harjes, ihre Nähkünste und technische Kreativität ab sofort in die Herstellung dringend benötigter Masken  für den Mundschutz zu stecken.

Die Sorge einer Nachbarin, die im Pflegebereich arbeitet und über knapp gewordene Schutzausrüstung klagte, und die Anfrage einer örtlichen Physiotherapiepraxis nach selbst genähten Masken beflügelten die Textilfachfrau zusätzlich in ihrem Vorhaben. Außerdem könne es auch im privaten Bereich – beim nicht vermeidbaren Besuch in öffentlichen Einrichtungen oder beim Einkaufen – sinnvoll sein, einen Mundschutz zu tragen, „um die Verteilung von Tröpfchen zu verhindern“, sagt Kristine Harjes.

Wahlweise mit Gummibandbefestigung ...

Ihr genähterMund- und Nasenschutz aus Stoff „ist doppellagig, aus 100 Prozent Baumwolle oder Leinen und bei 95 Grad waschbar, also nachhaltig und wiederverwendbar“, beschreibt die Fischerhuderin. Außerdem haben die Masken „an der Oberkante einen eingearbeiteten Draht, sodass sie an die Nase angepasst werden können“. Was die Befestigung angeht, so hat die Näherin zwei Varianten ausgetüftelt: „Manche möchten den Schutz hinten am Kopf festbinden, andere ziehen ihn lieber mit Gummibändern über die Ohren.“

... oder mit Schleifenbändern gibt's den selbst genähten Mund- und Nasenschutz. Der besteht aus Stoff, ist bei 95 Grad waschbar und damit wiederverwendbar.

Bei der Herstellung des Mund- und Nasenschutzes hat sich Kristine Harjes nach ihren Worten von Menschen aus dem Pflege- und Hygienebereich beraten lassen. „Um die Kosten möglichst gering zu halten, verwende ich momentan Stoffe und Zubehör aus meinem Bestand“, sagt sie. Zum Einsatz kommen deshalb auch farbige und gemusterte Stoffe: „Aber bunt finden einige Menschen gerade in diesen Tagen vielleicht ja auch klasse.“

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Die genähten Masken aus Stoff – zurzeit fertigt Kristine Harjes den Schutz zum Einzelpreis von fünf Euro – sind natürlich teurer als Einmalprodukte. Aber dafür sind sie waschbar und wiederverwendbar. „Zurzeit führe ich Waschtests zur Prüfung der Haltbarkeit durch“, berichtet die Näherin. Sie empfiehlt das fünf- bis zehnminütige Auskochen im Topf und geht davon aus, dass die Stoffmasken das deutlich mehr als zehnmal aushalten.

Corona-Masken soll Existenz des Betriebs sichern

Mit der Produktion von Mundschutz will Kristine Harjes nicht nur einen sinnvollen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise leisten, sondern auch die Existenz ihres Eine-Frau-Betriebs sichern. Denn ansonsten ist in ihrem Atelier in diesen Tagen nicht viel zu tun: Die Nähkurse fallen alle aus, und die Änderungsschneiderei liegt brach – „die Menschen haben verständlicherweise jetzt ganz andere Dinge im Sinn“.

Wer aber vielleicht gerade altes Leinen aus Omas Wäscheschrank loswerden möchte – Stoffe dieser Art werden für die Maskenherstellung im Atelier „Die flinke Nadel“ gerne genommen.

Für Nachfragen und Bestellungen erreichen Interessierte Kristine Harjes unter Telefon 04293 / 787707 sowie per E-Mail an kristine.harjes@gmx.de.

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