In der MS-Gesprächsgruppe versteht jeder die anderen ohne lange Erklärungen

Raus aus dem Schneckenhaus

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Günther Cordes, Birgit Langeworth, Marion van der Veen, Sieglinde Baden-Jäger, Meike Willenbrock (stehend) und Beate Rumpke (v.li.) gehören zur MS-Gesprächsgruppe in Otterstedt. Gegenseitiges Verstehen und Mutmachen sind hier Programm, aber auch heitere Plaudereien über Gott und die Welt und gemeinsame Besuche von Kursen.

Otterstedt - Von Petra Holthusen. „Hier kommt man rein, guckt sich in die Augen und sagt: Ich seh’ schon, dir geht’s bescheiden.“ Das gegenseitige Verstehen, ohne groß was erklären zu müssen, ist eine Sache, die Günther Cordes sehr schätzt an der MS-Gesprächsgruppe, die sich alle vier Wochen in Otterstedt trifft. „Wir wollen ja nicht in Watte gepackt werden“, sagt Meike Willenbrock. Aber es ist eben ungeheuer mühselig, „im normalen Bekanntenkreis“ die „ewige bleierne Müdigkeit“ und die vielen anderen Gesichter der Multiplen Sklerose (MS) wie Spastiken in den Beinen oder Vergesslichkeiten immer wieder erklären zu müssen. In der Gesprächsgruppe der MS-Erkrankten reicht ein Blick, und „die anderen wissen sofort Bescheid“.

An jedem 3. Mittwoch im Monat – das nächste Mal am 16. Dezember – kommen im Lüttjen Huus am Kirchplatz in Otterstedt von 17 bis 19 Uhr Kaffeetassen, Kekse und jede Menge Gesprächsstoff auf den Tisch. Zurzeit gehören sieben MS-Erkrankte der Gesprächsgruppe an. Meike Willenbrock, vor vier Jahren Initiatorin der Gruppe, lebt in Otterstedt. Die anderen kommen aus Cluvenhagen, Everinghausen, Fischerhude, Quelkhorn und Achim angefahren. Sie schätzen den Austausch in der kleinen Gruppe in fast privatem Rahmen. Außer der Reihe haben sie zusammen schon mal einen Fitness- und Entspannungskurs gemacht, Vorträge besucht und in einem Kochkurs etwas über gesunde Ernährung bei MS gelernt.

Im Mittelpunkt aber steht das monatliche zwanglose Zusammenkommen und Reden. Darüber, wie’s so gegangen ist die letzten Wochen und was gerade ansteht, über Ärzte, Medikamente, Therapien. „Aber wir reden nicht nur über die Krankheit“, betont Günther Cordes. Entspannt wird geplaudert und gelacht über Familie, Beruf, Alltagserlebnisse und über Gott und die Welt. Vertrautheit, Offenheit und Verständnis, Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Mutmachen prägen den kleinen Kreis, dem sich weitere MS-Betroffene jederzeit anschließen können. Die Hemmschwelle aber ist hoch, weiß Cordes aus eigener Erfahrung. Der 60-Jährige leidet seit 35 Jahren an einer schleichenden Form von MS, „und sich einzugestehen, dass es immer weniger wird, ist nicht einfach“.

„Immer weniger“ wird es nicht nur mit Kraft, Ausdauer und Gedächtnis, wie alle in der Runde bestätigen, sondern auch mit den sozialen Kontakten: Wer meistens absagen muss, weil er einfach schnell erschöpft ist, wird irgendwann nicht mehr eingeladen. Oder muss Allerweltsratschläge wie „Schlaf’ dich doch mal ordentlich aus, dann wird’s schon“ über sich ergehen lassen. MS-Kranke wissen: „Schieb’ einmal mit dem Staubsauger durchs Wohnzimmer und der Tag ist gelaufen – aber wer versteht das schon?“ Dennoch: „Es ist schon schlimm genug, dass der Körper einen ausbremst – aber sich in ein Schneckenhaus zurückzuziehen, ist das Schlimmste“, sagt Cordes. In diesem Sinne bietet die Gruppe gegenseitige Unterstützung – gerade auch für jüngere Menschen, die den Schock der Diagnose MS erstmal verdauen müssen.

Meike Willenbrock (Telefon 04205-2945, E-Mail: meikewillenbrock@web.de), Günther Cordes (Telefon 0152-56359587, E-Mail: cordes-guenther@web.de) und Marion van der Veen (Telefon 0176-62126205, E-Mail: marionvanderveen@ewetel.net) stehen anderen MS-Betroffenen jederzeit gerne als Ansprechpartner aus der Gruppe zur Verfügung.

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