Der schwerstbehinderte Jan Steege ist Mediengestalter bei Werbeagentur Maxsell

„Motivation für Arbeitgeber“

Jan Steege mit seiner Assistentin Svenja Olesch. - Foto: Stockinger

Ottersberg - „Eine gute Motivation für andere Arbeitgeber, sich dem Thema Inklusion zu stellen und für Menschen mit Handicap Arbeitsmöglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen“, sind für Bernd Braumüller, Geschäftsführer der Werbeagentur Maxsell in Rotenburg, seine eigenen Erfahrungen. Seit 1. November auf Probe und seit 1. Februar nun unbefristet beschäftigt Braumüllers Unternehmen den Mediengestalter Jan Steege (30) aus Ottersberg, der an Muskeldystrophie erkrankt und auf Grund dessen zu 100 Prozent als körperlich behindert eingestuft ist.

Vor kurzem sendete Radio Bremen in „Buten und Binnen“ einen Fernsehbeitrag über den schwerstbehinderten Maxsell-Mitarbeiter. Der Bericht soll nach Braumüllers Informationen heute oder morgen nochmal im ARD-Magazin „Brisant“ wiederholt werden. Anschauen lohnt sich, meint der Agenturchef.

Maxsell hatte Jan Steege voriges Jahr zum Bewerbungsgespräch eingeladen, nachdem der auf Facebook sein Stellengesuch als „Mediengestalter mit Niveau“ mit einem Bild von sich im Rollstuhl gepostet hatte. Seinen ersten Eindruck von einem neuen Mitarbeiter im Rollstuhl, der im Prinzip nur die rechte Hand bewegen kann, schilderte Braumüller damals im Gespräch mit unserer Zeitung so: „Eigentlich geht das gar nicht – aber uns hat Jans Mut beeindruckt, wir wollten ihm eine Chance geben.“ Zumal der 30-Jährige im Bewerbungsgespräch überzeugte: „Es hat intellektuell einfach gepasst. Die Behinderung ist in den Hintergrund gerückt.“ Die ersten Erfahrungen im Arbeitsalltag bestätigten das: „Wir müssen Jan nicht wie ein rohes Ei behandeln.“

Zwei Arbeitsassistenten unterstützen Jan Steege am Arbeitsplatz. Sie reichen ihm den Telefonhörer, halten ihm Broschüren zum Lesen hin, helfen ihm beim Essen und zur Toilette. „Wir ersetzen seine Hände“, fasst es Heilerziehungshelferin Svenja Olesch zusammen.

Von seinem Ziel, Mediengestalter zu werden, hat sich Jan Steege jedenfalls nie abhalten lassen. Sein Studium an der Universität Bremen hat er im vorigen Sommer abgeschlossen. In Bonn geboren, lebt er seit 1990 in Ottersberg. Nachdem er zunächst die Waldorfschule in Ottersberg besucht hatte, wechselte er 1993 zur Waldorfschule nach Bremen. Mobilität war damals noch kein Problem: „Ich konnte noch laufen.“ Die ersten Anzeichen seiner Muskelkrankheit – Muskeldystrophie Duchenne – zeigten sich aber bereits: Immer wieder fiel er unvermittelt hin. Die Krankheit, bei der sich die Muskeln auflösen, verläuft mal schleichend, mal in Schüben; aufzuhalten ist sie nicht. Die Atemmaske, die rund um die Uhr Sauerstoff in seine Lungen pumpt, trägt Steege seit mehr als zehn Jahren. Dass jeder Tag auch sein letzter sein könnte, darüber denkt er keine Sekunde nach: „Anderen Menschen passiert auch etwas, durch einen Autounfall zum Beispiel. Es klingt vielleicht blöd, aber ich lebe in den Tag hinein und mache mich nicht verrückt.“

Musik, das ist neben der Arbeit seine große Leidenschaft, der Besuch des Hurricanes jedes Jahr Pflicht. „Aber nur tagsüber. Zelten, das lasse ich lieber“, witzelt Steege. Ins Kino gehen, Konzertbesuche, Ausflüge an die Nordsee: „Ich bin ständig unterwegs.“ Und seine Freizeitassistenten? Die müssen dann natürlich mit.

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