Mutter (73) und Sohn (56) getötet

Mordkommission ermittelt in Fischerhude: Tatverdächtiger in U-Haft

Spurensicherung
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Tatort Fischerhude: Noch in der Nacht nahm die Spurensicherung ihre Arbeit in dem Wohnhaus auf, in dem zwei Menschen Opfer eines Gewaltverbrechens wurden.

Fischerhude – Am Morgen danach hätte Sabine Sammann gern in aller Stille eine Kerze am Haus ihrer getöteten Nachbarin entzündet. Mit Blick auf die lauernden Kamerateams mehrerer Fernsehsender ließ sie es bleiben: „Die Kerze für Elisabeth und ihren Sohn brennt weiter in meiner Küche.“

Das tat sie schon die ganze Nacht, nachdem Spezialeinsatzkräfte der Polizei am späten Dienstagabend in Sammanns Nachbarhaus nahe der alten Wümmeschleuse in Fischerhude eingedrungen waren und die beiden Opfer eines Gewaltverbrechens, eine Frau (73) und einen Mann (56), tot aufgefunden hatten (wir berichteten). Der 64-jährige Tatverdächtige stellte sich nach Polizeiangaben am Mittwochvormittag selbst. Ein Richter des Amtsgerichts Verden erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft im Laufe des Tages Haftbefehl gegen den 64-Jährigen, der laut Polizei am Nachmittag in Untersuchungshaft genommen wurde.

„Die Ermittlungen der Mordkommission zum Ablauf des Geschehens und den Hintergründen der Tat dauern an“, erklärte Imke Burhop, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten in der Nacht nach dem Tötungsdelikt intensiv nach dem flüchtigen mutmaßlichen Täter gefahndet, der den Ermittlern bereits kurz nach dem Auffinden der Leichen namentlich bekannt war. Dabei kamen auch Diensthunde und eine Drohne zum Einsatz. Da in dem Wohnhaus Berichten zufolge Schüsse gefallen waren und der Flüchtige im Besitz einer Schusswaffe hätte sein können, wurden die Menschen in dem großräumig abgeriegelten Ort aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen und die Türen verschlossen zu halten. Autofahrer wurden vor dem Mitnehmen von Anhaltern gewarnt.

Durch ein zerstörtes Fenster war ein Spezialeinsatzkommando der Polizei am Dienstagabend in das Wohnhaus eingedrungen, in dem die Beamten zwei Menschen tot auffanden.

Der Tatverdächtige stellte sich selbst in einer Polizeidienststelle. Wo genau, wollte die Polizei auf Nachfrage nicht preisgeben. Ob er die fragliche Schusswaffe bei sich trug, was er bisher ausgesagt hat und in welcher Beziehung er zu den Opfern steht, teilten die Beamten ebenfalls nicht mit – „aus ermittlungstaktischen Gründen“. Wie die beiden Opfer des Tötungsdelikts genau ums Leben gekommen sind, auch dazu sagte die Polizei noch nichts.

Ein drittes Opfer des Geschehens befindet sich in einer Klinik. Die 53-jährige Frau, die offenbar zu Besuch war, hatte am späten Nachmittag schwer verletzt aus dem Haus flüchten können. Blutüberströmt rettete sie sich hilfesuchend zu den Nachbarn. Sabine Sammann leistete Erste Hilfe, ihr Mann Joachim wählte den Notruf.

Eine Streifenwagenbesatzung bewacht das leer stehende Haus.

Eine gefühlte Ewigkeit, so kam es Sabine Sammann vor, habe es bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes gedauert. Der Schock, als sie begriff, dass die Frau vor ihr einen Gesichtsdurchschuss erlitten hatte, steht der Ersthelferin auch am Tag danach noch ins Gesicht geschrieben. Als kurz danach das Spezialeinsatzkommando der Polizei durch ihr Haus läuft, um das Nachbargebäude zu umstellen, in dem zu dem Zeitpunkt der bewaffnete Täter vermutet wird, fühlt sich Sabine Sammann „wie in einem Film, in einem Krimi“. Und „ich hasse Krimis“, sagt sie. Zu ihrer Nachbarin hatte sie eine herzliche Beziehung. Dass die 73-Jährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, muss Sabine Sammann erstmal verarbeiten: „Wenn Menschen sterben, weil sie alt sind... – aber auf diese Weise...“

Ansonsten scheint in Fischerhude am Tag danach alles wie immer. Menschen blasen Laub vom Gehweg, entsorgen ihr Altglas, kaufen für Silvester ein. Beim Bäcker wird gemunkelt. „So tragisch... Und wenn man die Leute auch noch selber kennt...“, murmelt eine Kundin der Verkäuferin zu. Am Mittwochsstammtisch einiger älterer Herren herrscht der Realismus vor. „Fischerhude ist ein Dorf wie jedes andere. So was kann auch bei uns passieren“, sagt ein Gast. An Spekulationen, warum das passiert sei, wolle man sich nicht beteiligen: „Da sollte man ganz vorsichtig sein.“

Am Vorabend hatte der polizeiliche Großeinsatz das Dorf über Stunden in Atem gehalten. Nach dem Auffinden der Leichen hatte die Spurensicherung ihre Arbeit am Tatort aufgenommen. Die Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle für die Polizei aus. Erst in der Nacht wurden die Straßensperren aufgelöst. Jetzt ermittelt die Mordkommission zu Hergang und Hintergründen des Tötungsdelikts. Das schwer verletzte 53-jährige Opfer und Zeugen wurden polizeilich vernommen. Wer darüber hinaus sachdienliche Hinweise zum Geschehen geben kann, erreicht die Polizei in Verden unter Telefon 04231/8060.

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