Angst geht im Möbelhaus um 

Nach Übernahme von Dodenhof: XXXLutz beginnt mit Personalabbau

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Das Dodenhof-Gelände in Posthausen.

Der Personalabbau bei XXXLutz hat begonnen. Wie verunsichert die Mitarbeiter sind, zeigte sich bei einer Infoversammlung der Gewerkschaft Verdi. 

Posthausen - Von Petra Holthusen. Nur wenige Wochen nach der rechtswirksamen Übernahme des Dodenhof-Möbelhauses hat Branchenriese XXXLutz mit dem Abbau von Personal am Standort Posthausen begonnen. Wie wütend und verunsichert die Belegschaft ist, war am Freitagabend spürbar, als die Gewerkschaft Verdi eine Infoversammlung im Sottrumer Gasthaus Röhrs einberufen hatte. „Da ist keiner mehr, der morgens noch mit einem guten Gefühl zur Arbeit startet. Alle fragen sich: Wer ist heute dran?“, schilderte eine Beschäftigte die Unruhe und Sorgen, die das Arbeitsklima vergiften und Existenzängste schüren.

Im Oktober hatten das Posthausener Familienunternehmen und der europaweit agierende Möbelgigant ihre Kooperation verkündet – die Überführung der bisherigen Dodenhof-Wohnwelt in eine neue, eigenständige Gesellschaft, die unter „XXXLutz dodenhof“ firmieren soll und an der XXXLutz zu 75 Prozent beteiligt ist, Dodenhof zu 25. Dodenhof gehört noch die Immobilie – das operative Geschäft ist alleinige Sache von XXXLutz. Erklärt wurde die Transaktion im Herbst als unternehmensstrategische Entscheidung zur Sicherung des Standorts und der Wettbewerbsfähigkeit. Nach kartellrechtlicher Prüfung wurde der Betriebsübergang jetzt im Januar vollzogen, und rund 470 Möbelhaus-Beschäftigte am Standort Posthausen wurden in die neue Gesellschaft überführt.

Ständige Ungewissheit hängt in der Luft

Die nach ihren Aussagen getätigte Zusage, sie bräuchten sich keine Sorgen zu machen, ein Jahr lang werde sich für sie erstmal nichts ändern, empfinden die Mitarbeiter als Hohn: Der Verkauf werde bereits ausgedünnt und der Einkauf, so befürchten sie, werde aufgelöst, sobald dieser – wie für alle deutschen Filialen der XXXL-Kette – auch für Posthausen zentral von Würzburg aus laufe. Aber: „Es gibt ja keine Informationen von oben – wir hängen jeden Tag in der Luft, wie es weitergeht.“

Eine Auswertung der Filiale habe ergeben, dass, gemessen an den Personalkennziffern von XXXLutz, ein Personalüberhang bestehe, bestätigte Unternehmenssprecher Volker Michels auf Nachfrage. Für den Fortbestand des Hauses und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen sei „das notwendige wirtschaftliche Gleichgewicht zwischen Personalkosten und Umsatz herzustellen“. Bislang seien „fünf betriebsbedingte Kündigungen“ geschrieben worden. Wie viele Beschäftigte insgesamt gehen sollen, verriet Michels nicht.

Aufhebungsverträge wurden einigen bereits vorgelegt

Auch Betriebsrat und Mitarbeiter haben dazu keine Informationen erhalten. Im Arbeitsalltag erleben die früheren „Dodenhofler“ unter ihrem neuen Arbeitgeber aber, dass Kollegen einzeln ins Leitungsbüro zitiert und ihnen Aufhebungsverträge vorgelegt würden – 24 solcher Fälle sind den Kollegen bis heute bekannt. Der Druck sei immens, sagen sie: Wenn die Betroffenen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ihre Unterschrift verweigerten, werde mit Kündigung gedroht. Dass so mit Menschen umgegangen werde, die 40 Jahre im Betrieb seien oder fünf Kinder zu versorgen hätten, hätte sich hier niemand vorstellen können.

„XXXLutz ist nicht Dodenhof. Familie ist nicht mehr – ihr seid jetzt nur noch Nummern.“ Für Gewerkschaftssekretärin Sandra Schmidt, bei Verdi zuständig für den Einzelhandel in Niedersachsen und Bremen, sind die Folgen der Übernahme durch den Möbelgiganten keine Überraschung. Die Gewerkschaft beschreibt XXXLutz als einen der „härtesten Arbeitgeber Deutschlands“. Der Konzern mit dem großen roten Stuhl vor jeder Filiale, einer der größten Möbelhändler weltweit, verfolge in der hart umkämpften Branche die Strategie des Aufkaufs alteingesessener Möbelhäuser und deren Umstrukturierung zu Lasten der Beschäftigten, rüde Umgangsformen inklusive.

Es käme auf gute Beratung an

Arbeitsrechtsanwältin Dr. Pelin Ögüt erläuterte den zu der Versammlung gekommenen Mitarbeitern, dass Aufhebungsverträge gerne angeboten würden, wenn eine Kündigung keine Aussicht auf Erfolg hätte. In solch einem Fall gelte es, hellhörig zu werden und sich gut beraten zu lassen, um den Kündigungsschutz nicht zu riskieren. „Egal, was man euch vorlegt, unterschreibt nichts sofort, sondern prüft es“, ergänzte Sandra Schmidt. „Kann ich gekündigt werden, wenn ich meine Verkaufszahlen nicht schaffe?“ – solche Fragen aus der Runde unterstrichen die um sich greifende Angst.

Michael Simon, Vorsitzender des Dodenhof-Betriebsrats, der in dem neuen Konstrukt bis zur dortigen Betriebsratswahl ein Übergangsmandat wahrnimmt, spricht von einer „großen Unsicherheit“, wollte das Thema aber klein halten: „Von einer Massenentlassung sind wir weit entfernt“, und für einvernehmlich beendete Arbeitsverhältnisse seien Abfindungen ausgehandelt worden, die manche Kollegen individuell auch als passende Lösung empfänden, so Betriebsrat Simon sinngemäß.

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