Das Mittelalter als Hobby: Kleiner Otterstedter Markt lockt viele Neugierige

Gürtler und Bogenmacher

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Mittelalterliche Musikinstrumente ließen auf dem Markt an der Otterstedter Kirche eigentümliche Melodien hören und mittelalterliche Handwerker entführten in die alte Welt.

Otterstedt - Ein Schaffell um die Schultern, die Füße in Ledergamaschen und die Haare mit einem Stirnband gebändigt, so präsentierten sich viele Mitmacher auf dem Otterstedter Mittelaltermarkt am Wochenende rund um die St.-Martins-Kirche. Schon von weitem waren Schellen, Maultrommeln und Flöten zu hören, die mit eigentümlicher Melodie einluden, den kleinen, aber feinen Markt zu besuchen. Buden und Zelte bevölkerten den Markt, der an beiden Veranstaltungstagen rund 250 Besucher anlockte, obwohl das Wetter recht ungemütlich war.

Erster Anziehungspunkt waren die Romanov-Schafe von Katja Barz aus Hambergen. Die in Deutschland seltene russische Rasse beeindruckte durch ihre Zutraulichkeit. „Diese Schafrasse, die im Mittelalter in ganz Nordeuropa wegen ihrer Felle sehr begehrt war, ist heute fast ausgestorben. Fühlen Sie das Fell, es ist leicht, hält warm und ist sehr gebrauchsfähig“, warb die Schafzüchterin und bot ihre Erzeugnisse an ihrem Stand feil. Gleich neben seiner Frau hatte Ingo Barz, Riemenschneider und Gürtler, seinen Stand aufgebaut.

Er hat sich der Bearbeitung von Leder verschrieben und nähte an einer manuell zu bedienenden Maschine auf dem Markt an seinen Produkten: Geldbeutel, Taschen, Stirnbänder, Schließen für Gewänder und Schuhe, wie man sie im Mittelalter trug. „Mittelalter und alles, was damit zusammenhängt, ist mein Hobby. Ich bin als ehemaliger Bahnbediensteter nach meiner Rente da so reingerutscht. Man lernt interessante Leute kenne. Das Faible fürs Mittelalter teilen viele – mehr als man glaubt“, meinte Ingo Barz.

In einem Camp von Familien von Freibauern, die das Leben im Jahre 1267 nachstellten, durften Kinder mit Pfeil und Bogen schießen und wurden vom Clan der Eulen, wie sich die Freibauern betitelten, ins mittelalterliche Lagerleben eingeführt. Am Lagerfeuer brodelte in einem Kessel eine Suppe mit Wildkräutern, auf Wildschweinfellen waren Sitzmöglichkeiten eingerichtet und Gebrauchsutensilien verdeutlichten den Alltag mit den einfachsten Mitteln, die in der Regel selbst hergestellt wurden.

Eine Bogenmacherei zeigte, was man benötigt, um einen funktionsfähigen Bogen für die Jagd herzustellen. Neben zahlreichen anderen Ständen hatte die Wildnisschule „Bärentatze“ von Peter Nydegger einen Stand aufgebaut und warb für Naturerlebnisse in unmittelbarer Umgebung von Ottersberg. Feuer mit Stein und Stahl entfachen bei jedem Wetter, Leder bearbeiten, gerben, ein Tier zerlegen, um sein Fleisch zu essen, kochen am offenen Feuer – das und vieles mehr können Interessierte in der Wildnisschule lernen. Einen Vorgeschmack vermittelte der Mittelaltermarkt.

kr

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