Geschichtsheft No. 6:

Ein Einkaufsbummel durch das Ottersberg vergangener Tage

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Ute Fetkenhauer und Friedrich Bartels stellten im Rektorhaus das Ottersberger Geschichtsheft No. 6 vor, das zu einem Einkaufsbummel durch alte Ottersberger Geschäfte einlädt.

Ottersberg - Miederwaren und einen neuen Pullover gab's bei Textilien Holtgrewe, den Familienfernseher von Dornquast, die ersten Ohr- und später die Trauringe bei Juwelier Schwarz. Blumensträuße holte man bei Kreuzgrabe, frischen Fisch im Geschäft Fahrenholz. Schuhgeschäfte gab's mit Kück und Cordes mehrere und kleine Lebensmittelläden für den täglichen Bedarf quasi an jeder Ecke.

Möbel orderte man bei von Bargen, Gardinen und Betten bei Krantz. Und als die erste Drogerie im Ort aufmachte, standen dort Dinge im Schaufenster, „von denen hatte man in Ottersberg noch nie gehört“, kann sich Ute Fetkenhauer gut erinnern. Die 74-Jährige ist Autorin des Ottersberger Geschichtshefts No. 6 – und das erzählt von kleinen und großen Geschäften im Ortskern, die ihre Kundschaft bis in die 80er Jahre mit wirklich allem versorgten. „Hier war richtig was los – jeder konnte am Ort alles kaufen, was er brauchte.“

Das muntere Geschäftsleben der 50er, 60er und 70er Jahre nachvollziehen können die Leser des sechsten Ottersberger Geschichtshefts, das die Geschichtswerkstatt des Ottersberger Kulturvereins im Rektorhaus im Dezember herausbringt. Sortiert nach Straßen im Ortskern und im Ortsteil Bahnhof, lädt das Heft zu einem virtuellen Einkaufsbummel durch die alteingesessenen Geschäfte ein, von denen die allermeisten vor Jahrzehnten aufgegeben haben – in Kapitulation vor den wachsenden Ansprüchen der Konsumgesellschaft und ihren aus dem Boden sprießenden Einkaufstempeln.

Die 1878 am Alten Weg eröffnete Schlachterei Wendholz hat alles überdauert, wird heute in vierter Generation von der Familie geführt und ist eines der traditionsreichsten Geschäfte in Ottersberg. Diese alte Aufnahme vom Haus Wendholz ziert das Titelblatt des Ottersberger Geschichtshefts No. 6, das ab Dezember zu haben ist.

Auch im Ottersberger Geschichtsheft No. 6 stellt Friedrich Bartels am Ende kurz eine bedeutende Ottersberger Persönlichkeit vor – diesmal August Siegesmund (1882-1950), überzeugter Sozialdemokrat und im Ort verhöhnter Nazi-Widerständler.

Das in 220er Auflage gedruckte Geschichtsheft No. 6 ist ab Dezember zum Preis von 2 Euro beim Kulturverein erhältlich. An den Adventssamstagen 2. und 9. Dezember ist die Geschichtswerkstatt mit ihren Publikationen an einem Verkaufsstand im Ottersberger Rewe-Markt vertreten – am 2. Dezember von 9 bis 11 Uhr und am 9. Dezember von 10 bis 12 Uhr. Neben der Reihe der Geschichtshefte sind dann auch der beliebte Bildkalender „Historische Ansichten aus Ottersberg“ für 2018 sowie die 2013 erschienene Chronik „Ottersberg in den letzten 200 Jahren“ erhältlich.

Die Geschichte der vielen kleinen Geschäfte im Kontext der damaligen Zeit zu recherchieren, zu dokumentieren und die Erinnerung für die Nachwelt lebendig zu halten, war der Geschichtswerkstatt nach Worten von Friedrich Bartels ein „Herzensanliegen“ – „bevor sie ganz in der Versenkung verschwinden“, wie Autorin Ute Fetkenhauer ergänzt. Obwohl die betreffenden Jahrzehnte noch gar nicht so weit zurückliegen, „war es jetzt schon schwierig, Zeitzeugen zu finden“.

Die Geschichten von fast 30 Geschäften

Der lebendige Einkaufsbummel durch das Ottersberg vergangener Tage, zu dem auch Marie Renken und Günther Jaeckert Interviews beisteuerten, ist angereichert mit zahlreichen Schwarz-weiß-Fotos aus den Archiven von Günther Wiggers und der Gemeinde Ottersberg sowie aus Privatbesitz. Das Heft erzählt kurze Geschichten von fast 30 Geschäften und ihren Inhaberfamilien, die eine oder andere Anekdote inklusive.

Selbst Ottersbergerin von frühester Kindheit an, hat die 74-jährige Autorin an viele Läden, Kaufleute und Einkaufserlebnisse auch ganz persönliche Erinnerungen. Zum Beispiel an Käthe Helmke und ihr Handarbeitsgeschäft: Kam ein Schulmädchen mit der von der Handarbeitslehrerin geforderten Arbeit so gar nicht zurecht, legte Frau Helmke im Laden auch mal helfend Hand an. „Das war einfach so nett“, lächelt Ute Fetkenhauer.

Hübsch ist auch die Geschichte des 1936 gegründeten Milchgeschäfts Heinrich Böschen: „Er bot seiner Kundschaft alle Milchprodukte an, die in der Molkerei hergestellt wurden. Heinrich Böschen war sehr entgegenkommend und behielt stets die Ruhe. Auch dann, wenn ein Kunde geschlagene Sahne wünschte und die Warteschlange vor dem Tresen immer länger wurde. In den ersten Jahren erledigte er diese zeitraubende und auch anstrengende Tätigkeit lediglich mit einem einfachen Schneebesen. Später kamen die Handmixer auf den Markt und erleichterten ihm diesen Dienst am Kunden...“

Wer in dem Geschichtsheft einige bekannte Firmennamen vermisst: Geschäfte wie die Buchhandlung Dzubiella, die Müllersche Apotheke, die Kohlenhandlung von Spreckelsen, die Buchbinderei Gustav Müller/später Froben oder das Kaufhaus Kortlang, das erst Karstadt nacheiferte und dann pleite ging, wurden bereits in der 2013 erschienenen Chronik vorgestellt. J pee

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