Mein Thema des Jahres

In der gefühlten Erinnerung sind es drei ganz große Themen, die sich von Anfang bis Ende durchs Jahr gezogen haben: Luther, Luther und Luther. 

In jedem Dorf wurden Luther-Linden und Luther-Eichen gepflanzt, Luther-Rosen an Kirchenmauern geschraubt, Luther-Gedenktafeln auf Luther-Gedenksteine genagelt, Luther-Kaffee sozialtheoretisch beleuchtet und lecker verkostet, Luther-Kammerspiele aufgeführt, Luther-Touren in die Luther-Stadt organisiert. Nicht dass er es nicht verdient hätte, der Luther. Eine Kirche zu reformieren, schafft ja nicht jeder. Aber bisweilen wurde es einem 500 Jahre später doch ein wenig viel mit Luther.

Schwieriger Schülertransport

Vor allem, wenn man ganz andere Sorgen hatte. Und die hatte fast jeder in Oyten und Ottersberg, der ein schulpflichtiges Kind hat, das mit dem Schulbus fährt. Nach den Sommerferien brach das Chaos aus: Kinder blieben morgens wie mittags an Bushaltestellen stehen, und wenn tatsächlich ein Bus kam, war nicht gesagt, dass er das Kind in die richtige Richtung fuhr. Hochgestresste Kinder, verärgerte Schulleitungen, verzweifelte Eltern, hilfslose Verwaltungschefs und Politiker. Und alles nur, weil der Landkreis nach Neuausschreibung des „Linienbündels Nord“ den Schülertransport im Nordkreis an die Bahn-Tochter Weser-Ems-Bus GmbH als günstigsten Bieter vergeben hatte. Die hatte zwar den Auftrag gewonnen – aber gar nicht genug Fahrer dafür und ortskundige auch nicht so viele, so dass sich auf den Schulbuslinien monatelang klägliche Odysseen abspielten. Moderne Marktwirtschaft auf dem Rücken der Kinder. Da hätte man sich mal einen neuen Luther gewünscht, der ein paar Thesen an die Kreishaustür zu Verden nagelt. Hätten ja nicht 95 sein müssen, drei Gebote hätten gelangt: 1.  Du sollst als öffentliche Hand nicht den gnadenlosen europaweiten Ausschreibungswahnsinn unterstützen; 2. Du sollst als Politik und Verwaltung nicht Großkonzerne mit Monopolen ausstatten und kleine Familienunternehmen ruinieren helfen; 3. Du sollst als soziales Gemeinwesen deine mittelständischen Betriebe vor Ort, die 40 Jahre für dich gefahren sind oder andere Dienstleistungen erbracht haben, wertschätzen und nicht kalt ausbooten. Ach ja, Amen.

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