Kunstsommer-Ergebnisse des HfK

In der Maske des Flamingos

Die selbst ernannten Raumfahrttechniker Luca und Liam führen die Funktionsweise ihres Raketenmotors vor.

Ottersberg - Von Lisa Duncan. Amina Ismail ist sich unschlüssig: Welche Farbe soll sie ihrer Vogelmaske geben? „Einfach machen“, empfehlen die anderen Anwesenden. Ihr Mann Haitham Antar pinselt schon. „Ich bin ein Adler“, stellt er fest und lacht. Wie sich herausstellt, meint er aber nicht die selbst gestaltete Maske, sondern die deutsche Übersetzung seines Vornamens. Das syrische Ehepaar beteiligt sich derzeit am Workshop „Schräge Vögel“ von Hans Joachim Reich. Maskenbau und Maskenspiel ist nur einer von fünf Kursen, die die Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) im „Kunstsommer“ angeboten hat.

Dabei bauen und bemalen die Teilnehmer nicht nur ihre eigenen Masken, sie schlüpfen gleichsam in eine Rolle und treten damit beim Straßenzirkusfestival „La Strada“ in Rotenburg am 17. und 18. August auf. Bereits im fünften Jahr ist die HKS dabei, jetzt erstmals in Kooperation mit Flüchtlingen.

„Wenn ihr mehrere Farbschichten auftragt, erhaltet ihr das beste Ergebnis“, erklärt Dozent Hans Joachim Reich. Pia Schraas Vogelkopf in knallgelb und ähnelt einem römischen Kriegshelm. „Ich wollte mich eigentlich von einem Wiedehopf inspirieren lassen, aber dann ist es wohl doch was anderes geworden“, sagt sie. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin im Asylkreis der evangelischen Kirchengemeinde Sottrum kümmert sich um sechs unbegleitete Jugendliche aus Afghanistan: „Dieser Kurs hilft vielleicht, die Kriegserfahrung und Angst um die Daheimgebliebenen zu verarbeiten.“ Anders als in der Schule herrsche kein Leistungsdruck. Ibrahim Arabzada ist 15 und seit anderthalb Jahren in Deutschland. Das Malen mache ihm Spaß, sagt er. „Und du tanzt gerne“, sagt Pia Schraa, aber Ibrahim lacht nur verschämt.

Amina Ismail und ihr Mann Haitham Antar beim Masken bemalen.

Eine Art Sneak-Preview zur Show gibt Hans Joachim Reich, indem er als Flamingo im Tütü durch den Raum wirbelt. Kinder und Erwachsene lachen und lassen sich zum Tanz auffordern.

„Die Spieler sollen bei der Aufführung ihren eigenen Handlungsstil entwickeln“, erklärt Reich anschließend. Das brauche Hilfe von außen. Als Regisseur müsse er die Figuren spiegeln und stärken. „Man sieht sich ja selber nicht, wenn man in der Maske steckt.“ Zudem könnten besonders aufwendige Kostüme Tonnen wiegen und beim Träger Platzangst auslösen. Diese seien nur erfahrenen Spielern zu empfehlen.

Reich baut beispielsweise gerade an einem 4,50 Meter hohen Maskenkostüm für fünf Personen mit gigantischem Kopf, Flügeln und Vogelfüßen. Auch ein Klapperstorch mit beweglichem Schnabel ist in Arbeit. Reich, der sich mit Maskenkulturen auf der ganzen Welt beschäftigt, will den Maskenbau als uralte Kunst würdigen.

An den Workshops zum Maskenbau, zur Malerei, zur Holzbildhauerei und am Kinderkurs „Auf dem Weg zu neuen Planeten“ haben insgesamt rund 40 Kunstinteressierte teilgenommen. „Ich bin sehr zufrieden, wir hatten alle Kurse voll“, sagt Ariane Weidemann, Dozentin an der HKS und Organisatorin des Kunstsommers. „Das freut uns besonders im Jahr unseren 50. Jubiläums.“

Vorhang auf für den Flamingo, eine Maskenfigur, die Hans Joachim Reich, Kursleiter des Maskenbauworkshops „Schräge Vögel“ hier verkörpert. Bei „La Strada“ in Rotenburg gibt es noch viele andere Figuren zu sehen, unter anderem einen Riesenvogel, der von fünf Personen gespielt werden soll.

Weidemann leitete den Offenen Workshop, bei dem die Teilnehmer alle Stilrichtungen der Malerei austesten konnten. „Unter anderem haben wir uns mit Malschichten, also dem Zusammenspiel von Komposition, Linie und Fläche beschäftigt“, erklärt Weidemann. Aber auch „blind“ zeichnen, um die Angst vor dem Weißen Papier zu verlieren, war Teil des Kurses. Gleichzeitig konnten die fortgeschrittenen Künstler es als Mappenkurs für die Bewerbung an der HKS nutzen. Am Ende des Kurses hätten viele ihr Interesse für ein Studium oder Gaststudium geäußert.

Wieder früh ausgebucht war der Kinderkurs unter Leitung von Christina Lück, Kai Schlawin und Leon Bohlsen (wir berichteten). Dabei entstanden eine selbstgebaute Rakete, Treibstoffrucksäcke, Helme und Moon Boots. Liam war der Techniker der Raumfahrtmannschaft: „Meine Aufgabe war, mich um Computer und so zu kümmern“, sagt er. Mit seinem Freund Luca baute er den Raketenmotor samt Schläuchen, Kabeln und anderen technischen Schikanen. „Der Motor ist manchmal auseinandergefallen, den mussten wir dann wieder ankleben“, sagt Luca. Schließlich hielt er. Aber falls nicht, wäre das auch nicht so schlimm gewesen. Für den Fall einer Panne hatten die Techniker ein Ass im Ärmel: ein Notaggregat.

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