Krippe im Bürgermeisterhaus eingerichtet

„Man sah Herrn Baumgardt im Dorf mit Türen unterm Arm...“

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Treffpunkt Wasserpumpe: Die ersten Krippenkinder des Ev. Kindergartens Otterstedt mit (v.li.) Erzieherin Gesche Dodenhoff, Kita-Leiterin Gabi Kaleita, Erzieherin Karin Kruse und Kirchenvorstand Winfried Baumgardt. Für das erste Jahr hat die „Spatzengruppe“ in Haus und Garten von Bürgermeister Horst Hofmann ihr Nest gebaut. Die Wasserpumpe ist Marke Eigenbau des Bürgermeisters.

Otterstedt - Von Petra Holthusen. In diesem Sommerurlaub hat Ottersbergs Bürgermeister Horst Hofmann mal was ganz anderes gemacht: Wickeltisch konstruiert, Wasserpumpe zum Spielen im Garten gebaut, Fensterbänke abgepolstert, Flurgarderobe gezimmert, Spielwiese eingezäunt...

Kurz gesagt: Alles einzugsfertig gemacht für seine neuen Untermieter – für die elf Kleinkinder in der neu eingerichteten Krippengruppe des Evangelischen Kindergartens Otterstedt.

Das erste Nest für die „Spatzengruppe“ musste in Windeseile gebaut werden: Betreuungsplätze für unter Dreijährige wurden plötzlich dringend gebraucht, Raum dafür im Ev. Kindergarten mit seinen zwei voll belegten Kita-Gruppen gab’s aber nicht. Inzwischen ist der Ausbau der Otterstedter Kita für eine Krippe im Dachgeschoss auf dem Weg, fertig wird er aber erst zum neuen Kindergartenjahr im Sommer 2018.

Damit Krippenkinder wie Emily bis an den Wasserhahn reichen, baute Bürgermeister Horst Hofmann als „Herbergsvater“ des „Spatzennests“ ein ausziehbares Podest unters Waschbecken.

Wie nun die Zeit bis dahin überbrücken? Händeringend Betreuungsplätze suchende Mütter im Regen stehen zu lassen, kam für Kita-Leiterin Gabi Kaleita und den Kirchenvorstand nicht in Frage. Eine räumliche Übergangslösung war gefragt. Winfried Baumgardt, Kirchenvorständler und Vorsitzender des Kuratoriums für den kirchlichen Kindergarten im Ort, fragte mal bei Bürgermeister Hofmann an – aber eigentlich nur wegen dessen Kontakten zu potenziellen Vermietern im Dorf. 

Doch unversehens war Hofmann selbst als „Herbergsvater“ im Gespräch: Seit dem Tod seiner Schwiegermutter ist die Wohnung im Erdgeschoss seines großen Hauses an der Mühlenstraße in Otterstedt unbewohnt.

„Haben uns manchmal selbst überholt“

Ziemlich spontan entschieden sich Horst und Inge Hofmann, in die Bresche zu springen und die neue Krippengruppe vorübergehend in ihr Haus und ihren Garten aufzunehmen. „Das haben wir binnen zwei Tagen fixgemacht“, erzählt Baumgardt.

Überhaupt „haben wir uns manchmal selbst überholt“, sagt Gabi Kaleita lachend. Denn der Zeitplan war sportlich: Im Januar beschloss der Kirchenvorstand die Erweiterung des Ev. Kindergartens um eine Krippengruppe, startete zusammen mit der kommunalen Gemeinde die Ausbauplanung und gleichzeitig die Suche nach einem Übergangsdomizil. 

Der Mietvertrag mit Hofmanns wurde besiegelt, die Herrichtung der Räume in Angriff genommen, das neue Personal mit den Erzieherinnen Karin Kruse und Gesche Dodenhoff gefunden. Anfang August hielten die ersten Krippenkinder Einzug, inzwischen befinden sich sieben „Spatzen“ im Alter von eineinhalb bis zweieinhalb Jahren in der Eingewöhnungsphase. Vier weitere kommen nächste Woche. Betreuungszeit ist bis 14 Uhr, das Mittagessen kommt aus der Wümmeschulmensa.

Gruppe wird beim Umzug aufgestockt

Beim Umzug in den Neubau nächstes Jahr wird die Gruppe auf 15 Kinder und drei Erzieherinnen aufgestockt – und im Grunde ist sie schon ausgebucht. Vor drei Jahren noch fürchtete Kaleita um die Existenz des 41 Jahre alte Kindergartens, „aber jetzt werden wieder mehr Kinder geboren – und wir haben Zuzug in Otterstedt“. 50 Kinder in den zwei Regelgruppen und eine Warteliste für die Krippengruppe sprechen für sich.

Dass Otterstedt junge Familien anzieht, liegt nach Baumgardts Ansicht auch an dem guten Angebot vor Ort: Kindergarten, Hort und Grundschule arbeiten am Kirchplatz Wand an Wand und Hand in Hand. „Die Krippe ist jetzt der letzte Baustein“, so Baumgardt stolz. „Das ist schon besonders hier“, bekräftigt Kaleita, „das ist halt Otterstedt...“

Neu angeschafft wurden für die Krippe erstmal nur einige Bettchen und extrakleine Stühle. Alles andere folgt später im Neubau. Spielzeug wurde aus dem Kindergarten rübergeschafft. Ebenso dort aussortierte Zimmertüren, die der Kirchenvorstand eigenhändig einbaute. „Man sah Herrn Baumgardt mit Türen unterm Arm im Dorf...“, witzelt Gabi Kaleita liebevoll. Die vorhandenen Türen mit Bleiglas mussten aus Sicherheitsgründen ausgebaut werden in der Hofmannschen Wohnung, die mit Gruppen-, Ess-, Schlaf- und Badezimmer sowie voll ausgestatteter Küche alles bietet, was die „Spatzen“ brauchen.

Inge Hofmanns Hühner als Trostspender

Holzfußboden und Tapeten waren noch gut, und Omas Gardinen und Deckenlampe machen das Ganze heimelig – als ob die Kinder morgens zu Besuch bei ihren Großeltern kommen würden. Dass „Herbergsvater“ Hofmann eigenhändig einen von den Kindern begehbaren Wickeltisch in Schwiegermutters frühere Dusche einbaute und unter dem hohen Waschbecken ein ausziehbares Podest für die Kleinkinder, rührte Kaleita ebenso wie die Idee mit der Wasserpumpe im abgezäunten Garten: „Hofmanns sind sehr, sehr entgegenkommend – sie haben selbst Spaß daran.“ 

Manchmal bringt Inge Hofmann frisches Obst aus ihrem Garten, und ihre Hühner, die die Kinder auch mal füttern dürfen, sind der Renner – mit geradezu therapeutischem Effekt: „Wenn ein Kind mal weint, gehen wir zu den Hühnern – das hilft fast immer“, sagt Erzieherin Karin Kruse.

Wie es scheint, haben sich die „Spatzen“ in einem kleinen Paradies eingenistet. Eigentlich schade, dass es nur als Notbehelf auf Zeit gedacht ist. Jedenfalls hat Gabi Kaleita schon mehr als einmal die Frage gehört: „Warum können wir eigentlich nicht ganz hierbleiben...?“

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