Märchenhafte Ausstellung mit königlichen Ansichten

Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude präsentiert die „Märchenerzählerin“

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Modersohns „Märchenerzählerin“, hier betrachtet von einer Ausstellungsbesucherin. 

Fischerhude - Von Ralf G. Poppe. Märchenhafter hätte die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Otto Modersohn – Die Märchenbilder“ nicht sein können. Einerseits, weil der Bilderwerb der „Märchenerzählerin“ durch die Gesellschaft Otto-Modersohn-Museum und deren Schenkung an die Otto-Modersohn-Stiftung ein wunderbarer Anlass ist. Andererseits, weil das sonnige Wetter sowie die herrliche Perspektive auf die umliegende Landschaft den Empfang im offenen Festzelt neben dem Modersohn-Museum zu einem tollen Ereignis werden ließen.

So fanden sich zahlreiche kunstinteressierte Menschen ein, um nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gesellschaft Otto-Modersohn-Museum, Professor Clemens Bonnen, den Worten von Rainer Noeres zu folgen. Noeres leitet das Otto-Modersohn-Museum zusammen mit seiner Frau Antje Modersohn, der Enkelin des Künstlers. Noeres führte entspannt und in ruhigem Tonfall in die Gedankenwelt Modersohns ein. Denn Bilder, die zur Stille führen, waren dem Maler scheinbar die liebsten. Was früher jedoch in den Arbeiten des Künstlers als verstörend wahrgenommen worden war, wirkt heute auf den Betrachter durchaus idyllisch. Otto Modersohns erste Kompositionszeichnungen ebenso wie Gemälde, die inhaltlich über die reine Landschaftsdarstellung hinausgehen, fanden sich bereits gegen Mitte der 1890er Jahre in seinem Schaffen.

Die in der Ausstellung gezeigten Bilder „Hänsel und Gretel“, „Waldhexe“ sowie die besagte „Märchenerzählerin“ weisen auf einen Themenzusammenhang hin, den der Maler um 1900 abermals aufgegriffen und vertieft hatte.

Rainer Noeres, Leiter des Modersohn-Museums, führte zur „Märchenbilder“-Vernissage in das Werk des Worpsweder Künstlers ein.

Am Bild der „Märchenerzählerin“ lässt sich zudem erkennen, welche maltechnischen Probleme Modersohn in dem für ihn so erfolgreichen Jahr 1895 bewegten: „Erst aufzeichnen und dünn, goldig braun (Luft nicht) untermalen (Tempera vielleicht), dann mit deckender Ölfarbe auf die Sachen losgehen, so fertig wie möglich. Alle Töne, besonders dunkle Sachen, heller malen, denn die Lasur soll die Sache erst vollenden. Dabei kratzen. So kann die Malerei wirklich delikat und köstlich werden. So werde ich in Zukunft malen. Große Wirkung aber mit reicher, delikater Technik. – Dann sagen mir nicht so kraftvolle Töne immer mehr zu, silbern, verschossen, blass; – nicht so brüllend. Ich werde kleine Bilder wohl im Sommer draußen malen. Meine Phantasien – wie Träumerei, Märchenerzählerin, Hänsel und Gretel – sagen mir sehr zu, überhaupt subjektive Kunst. Ich bin nie ein objektiver Naturalist. Ich kann es, aber es behagt mir nicht.“ (Tagebucheinträge Modersohns vom 11. und 22. April 1896).

Nach den einleitenden Worten streiften die Gäste durch die hellen Räume des Museums, um die wunderbar kuratierte Auswahl an Kunstwerken zu bewundern. Während sich um die „Märchenerzählerin“ sogleich eine riesige Menschentraube gebildet hatte, fachsimpelten weitere Gäste über die Maltechniken von anderen Bildern. Der „Elfenreigen“ ließ eine Besucherin respektvoll vor dem detailreichen Kunstwerk innehalten. Unweit davon gestikulierte ein Paar derart intensiv, dass ihre Finger eine Leinwand berührten ... Was bei näherer Betrachtung nicht empfehlenswert ist – schließlich handelt es sich bei den ausgestellten Arbeiten um einzigartige Kunstwerke, die nur zu leicht beschädigt werden könnten.

Rainer Noeres dankte den zahlreichen Sponsoren, besonders den vielen privaten Einzelspendern, und jenen der Mitglieder der Gesellschaft Otto-Modersohn-Museum, deren gemeinsamen Zuwendungen es zu verdanken ist, dass der Ankauf des Gemäldes von Modersohns „Märchenerzählerin“ realisiert werden konnte.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Juli.

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