Männer und Frauen passen nicht zusammen

„Trüch na’t Happy End“ feiert Premiere in Fischerhude

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Während Manfred sich als der perfekte Mann begreift, sieht Tina ihn als liebenswerten Trottel, bis Schwiegermutter Marianne eingreift und das sinkende Schiff wieder auf Kurs bringt.

Fischerhude - Man hat es immer geahnt, aber seit am vergangenen Samstag das Theater „SpielArt“ im Fischerhuder Heimathaus Irmintraut mit seinem plattdeutschen Stück „Truck na‘ Happy End“ Premiere feierte, ist es Gewissheit: Männer und Frauen passen nicht zusammen.

Waren die Zuschauer seit 25 Jahren eher schwere Kost aus der Feder von Shakespeare oder Moliere vom Theater auf dem Flett gewohnt, konnte man sich bei dem Stück von Frank Pinkus nach Herzenslust amüsieren. Tina (Gabriele Brandt) und Manfred (Rainer Oetjen), ein etwas ungleiches Paar ist auf dem Weg zum Standesamt, um sich das Ja-Wort zu geben. Sie sind zu früh dran und es ergibt sich eine Wartezeit, die beide für einen romantischen Rückblick auf ihre Beziehung nutzen.

Man erinnert sich an den Moment der ersten Begegnung, als Tina durch den Wald joggt und Manfred sich am Wegesrand auf einer Bank ausruht. Tina stolpert über seine ausgestreckten Beine, kommt zu Fall und verstaucht sich den Fuß. Es tut weh und Tina ist sauer, kann nicht mal alleine aufstehen und zum Auto gehen schon gar nicht. Er könnte sie hintragen, aber stattdessen bietet er ihr lediglich seine Schulter an, auf die sie sich stützen soll. Tina ist etwas irritiert, tut es aber notgedrungen, worauf Manfred sich wegen ihres Gewichts beschwert.

Tina findet Manfred ein wenig töffelig, Manfred jedoch sieht sich als Retter in der Not und sieht sich als wahren Gentleman. Sie kommen sich trotzdem näher, aber solche Situationen reihen sich wie Perlen auf eine Schnur. Wo Manfred sein Verhalten als tadellos empfindet, nimmt Tina ihn ganz anders wahr und sie sagt das auch.

In der Zeit des Wartens auf den Standesbeamten arbeiten sie ihre Beziehung auf und entfernen sich erst unmerklich, dann aber mehr und mehr voneinander. Ihre Liebe, die sie gerade noch freudestrahlend per Unterschrift besiegeln wollten, klafft plötzlich wie eine Schere auseinander und dass sie ihr ganzes Leben miteinander verbringen sollen, erscheint beiden unmöglich.

Situationskomik und große Spielfreude

Noch ist es Zeit, ein Unglück zu verhindern, aber dann kommt Marianne (Inske Albers-Willberger), Manfreds Mutter und Tinas künftige Schwiegermutter ins Spiel. Sie kennt ihren etwas wunderlichen und angejahrten Sohn, der noch bei ihr wohnt, genau und auch ihr baldiges Schwiegerkind schätzt sie richtig ein. Sie erkennt, dass das vormals glückliche Paar kurz vor der Trennung steht und bringt sie resolut und mit viel Lebensklugheit wieder auf den richtigen Pfad, so dass der Standesbeamte doch noch tätig werden kann.

Situationskomik, der richtige plattdeutsche Zungenschlag und große Spielfreude entlockte dem Publikum anhaltenden Applaus. Thomas G. Willberger Regisseur und Dramaturg, der hinter der Bühne die Fäden zieht, gelang mit diesem Sprung vom ernsten ins humoristische Fach ein gelungener Spagat.

War das Theater auf dem Flett mit seinem wechselnden Ensemble vor seinem Aus im vergangenen Jahr unter dem Dach des Stader Landschaftsverbandes angesiedelt, so agiert SpielArt unter Willbergers Leitung als neuer Theaterverein völlig eigenständig, aber mit der gleichen Zielsetzung, die plattdeutsche Sprache zu pflegen und als Kulturgut zu erhalten. Nach der Premiere in Fischerhude stehen weitere Aufführungen in Kutenholz, Lunestedt und Sottrum auf dem Spielplan. kr

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