Loslassen müssen

Martin Leßmann spielt „Du bist meine Mutter“ im Gemeindesaal

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„Du bist meine Mutter“ mit Schauspieler Martin Leßmann (links) und Gero John am Violoncello. Das Bild entstand nach der Aufführung - während des intensiven Theaterstücks durfte nicht fotografiert werden.

Ottersberg - Von Inka Sommerfeld. Es war gehaltvolle Kost, die der Förderverein der evangelischen Kirchengemeinde Ottersberg am Sonntag servierte. Auf dem Programm im Gemeindehaus stand das Theaterstück „Du bist meine Mutter“ von Joop Admiraal; eine Inszenierung, die Schauspieler Martin Leßmann einiges abverlangte.

Das anderthalbstündige Stück handelt vom Loslassenmüssen eines geliebten, durch Demenz veränderten Menschen. „Es ist ein besonderes Theaterstück, und es geht um das Vergessen, Erinnern, Abschied nehmen. Wir alle können schnell mal in solch eine Lage geraten“, leitete Fördervereinsvorsitzende Edeltraud Nowotnik ins Thema ein und ergänzte: „In Ottersberg haben wir eine Demenzgruppe für Betroffene und Angehörige, und dort gibt es Rat und Hilfe.“

Mit einem Strauß Blumen machte sich Paul wie jeden Sonntag auf den Weg ins Pflegeheim zu seiner betagten demenzkranken Mutter. Er holte sie für einige Momente zurück in die für ihn normale Welt, half ihr beim Anziehen, geleitete sie in den Garten und versuchte über das gemeinsame Erinnern, Lebensimpulse zu geben. Erst Sohn Paul mimend, schlüpfte Schauspieler Leßmann anschließend in die Rolle der Mutter, wurde wieder Paul, dann wieder die Mutter auf einer Reise durch die Stationen seiner Kindheit, Verstrickungen und Versuche, die Mutter-Kind-Beziehung zu verstehen und zu verwandeln - der Bremer spielte beide Figuren im Dialog miteinander. Begleitet wurde er von Gero John, der aus seinem Violoncello Melodien und Geräusche hervorlockte, die das umfangreiche Gefühlsleben von Mutter und Sohn unterstrichen.

Das Publikum - der Saal des Gemeindehauses war voll besetzt - verfolgte konzentriert und völlig still das Geschehen auf der Bühne. Kurze humorvolle Szenen ließen einige Besucher schmunzeln, andere laut lachen. Dann war es wieder mucksmäuschenstill. Bis zum Schluss. Mit minutenlangem herzlichen und kräftigen Applaus dankte das Publikum dem Schauspieler und seinem musikalischen Begleiter. „Das müssen wir erstmal sacken lassen“, meinte Edeltraud Nowotnik, die Martin Leßmann, Gero John und Techniker Tim Mantke als Dankeschön kleine Präsente überreichte.

Anschließend bestand Gelegenheit, mit dem Ensemble ins Gespräch zu kommen - eine Möglichkeit, die nur wenige Besucher nutzten, und das auch nur einige Minuten lang. „Dieser Auftritt war auch für uns ein besonderer, denn wir führten das Stück zum 80. Mal auf“, sagte Leßmann. 1981 schon hatte Autor Admiraal das mehrfach preisgekrönte Stück geschrieben, und 2010 nahm es Leßmann in sein Repertoire auf.

„Das Thema hat erst in den vergangenen zehn Jahren Relevanz bekommen - vorher war es eine Mutter-Sohn-Geschichte mit allen Facetten“, schilderte der Schauspieler. Und: „Es ist für mich immer wieder ein Geschenk, das Stück zu spielen. Es lässt für mich als Schauspieler zwar wenig Interpretation zu - Paul hat in all den Jahren nichts dazugelernt, denn so, wie Paul Anfang der 80er-Jahre auftrat, könnte er heute immer noch sein. Dennoch: Die Veränderungen in der Gesellschaft färben auf das Stück ab.“

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