Modersohn-Museum zeigt Werk von Clara Rilke-Westhoff / Riesiger Andrang

Geniale Büsten und Bilder

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Ausstellungseröffnung mit prominenten Gästen: Georg Friedrich Prinz von Preußen (37), Chef des Hauses Hohenzollern, und seine Frau Sophie (36) bei der Vernissage im Modersohn-Museum. Das Paar lebt mit seinen einjährigen Zwillingssöhnen im Elternhaus des kaiserlichen Ururenkels in Fischerhude. ·

Fischerhude - Am 9. März jährte sich der Todestag der Bildhauerin und Malerin Clara Rilke-Westhoff zum 60. Mal. Leben und Werk der Künstlerin (1878-1954) würdigt das Fischerhuder Otto-Modersohn-Museum mit einer Retrospektive. Welchen Stellenwert Clara Rilke-Westhoff – unsere Frau Rilke oder einfach nur Clara, wie sie im Dorf genannt wurde – einnahm und bis heute einnimmt, zeigte der riesige Publikumsandrang zur Ausstellungseröffnung.

In einer detaillierten Betrachtung beleuchtete Rainer Noeres, Geschäftsführer der Otto-Modersohn-Stiftung, den Werdegang von Clara Rilke-Westhoff, die sich ganz der Kunst verschrieben hatte. Beinahe atemlos lauschend tauchten die Gäste der Vernissage in das Leben der Künstlerin ein und vollzogen vor dem geistigen Auge den schwierigen Weg nach, den die junge Clara an der Schwelle zum 20. Jahrhundert gehen musste, um überhaupt in der Kunst Fuß fassen zu dürfen. Ihr erging es so wie den meisten begabten Frauen dieser Zeit: Man nahm sie und ihr Werk in Abhängigkeit zu den Männern ihrer Umgebung wahr.

Als behütete und finanziell gut ausgestattete Bremer Kaufmannstochter war sie zunächst Schülerin von Fritz Mackensen und Max Klinger, wenig später Ehefrau von Dichter Rainer Maria Rilke, wobei man ihr immer unterstellte, ihr Schaffen stünde im Schatten ihres Mannes. Immerhin wurde Rilke schnell berühmt als bester deutschsprachiger Lyriker seiner Zeit.

Claras Zeit bei Auguste Rodin in Paris war prägend; der Titan der Bildhauerei gestattete ihr um 1900, in seiner unmittelbaren Nähe zu arbeiten und von ihm zu lernen. Aber nicht Männer allein beeinflussten das Werk von Clara. Auch eine Frau muss genannt werden, deren Name sich fast untrennbar mit dem ihren verbunden hat: Paula Modersohn-Becker, ihre früh verstorbene Freundin, Ehefrau von Otto Modersohn, die posthum als Ahnfrau des deutschen Expressionismus gefeiert wurde und ein eindrückliches Portrait ihrer besten Freundin gemalt hat. Es ist heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle zu bewundern.

Die Namen großer Kunstschaffender, die Clara auf ihrem Weg begleiteten und von denen sie meisterhafte bildnerische Zeugnisse schuf, spiegeln ihr geistiges und gesellschaftliches Umfeld: Gerhard Hauptmann, Gustav Pauli, Ricarda Huch und andere. Rainer Noeres beschrieb das unstete Leben, das die Künstlerin mit Rainer Maria Rilke nach ihrer Heirat 1901 in Worpswede und nach der Geburt ihrer Tochter führte. Aufenthalte in Paris, viele räumliche Trennungen, begleitet von finanzieller Not, führten zur Entfremdung. Aber Rilke unterstützte seine Frau, so gut er konnte.

1919 baute sie sich in der Fischerhuder Bredenau ein bescheidenes Haus, in dem sie arbeiten konnte und das bis heute im originalen Zustand erhalten ist und jetzt das „Café im Rilke-Haus“ beherbergt. Das Haus ziert der Spruch „Da vieles fiel, fing Zuversicht mich an / Die Zukunft gebe, dass ich darf, ich kann“. Finanzielle Sorgen belasteten Clara Rilke-Westhoff ein Leben lang. Sie arbeitete bis ins Alter als Bildhauerin und war von Auftragsarbeiten abhängig. Ab 1925 wandte sie sich zunehmend der Malerei zu, schuf Ölgemälde, Portraits, Landschaftsbilder.

Die Ergebnisse sind in der bis zum 11. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehenden Ausstellung in einer beeindruckenden Konzeption zu bestaunen, aufgelockert durch charaktervolle Büsten und Skulpturen, die Clara als genial ausweisen. Die bisher umfangreichste Präsentation ihres Lebenswerks im Haus Modersohn wird durch zahlreiche Leihgaben ermöglicht. · kr

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