Kunstverein widmet Herbstausstellung einer einzigartigen Landschaft

Endlos die Wattenfläche...

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Die „Wattenpost“ von 1905 zog viele Besucherblicke auf sich.

Fischerhude - „Wer sich umsah, glaubte nicht in derselben Welt zu sein. Endlos die Wattenfläche, ganz in der Ferne das Rosa und Grün von Neuwerk, über dem aus einem Chaos unbestimmter Formen eine riesenhafte rosige Wolkenburg gegen den blassen Himmel stieg“, fabulierte der Hamburger Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark 1908 nach einer Wattwagenfahrt und schwärmte von der Farbigkeit der Wattenfläche, dem Unerhörten und Niegesehenen. Der Zauber des Wattenmeers, die Wunder und Geheimnisse, die Ebbe und Flut schaffen, haben von ihrem Reiz nichts verloren und schon vor 150 Jahren Maler und Dichter zu Kunstwerken inspiriert. Der Fischerhuder Kunstverein in Buthmanns Hof widmet jetzt seine Herbstausstellung dem Wattenmeer.

Bis zum 1. November ist eine Vielzahl von Bildern, zumeist in Öl auf Leinwand und von Malern um 1900 gefertigt, beim Kunstverein zu sehen, dazu Grafiken und Fotografien zeitgenössischer Künstler (dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr). Die Werke klassischer Duhner und Wurster Maler, nord- und ostfriesischer Maler sowie norddeutscher Gegewartskünstler führen Besuchern des Kunstvereins Fischerhude die Schönheit des Wattenmeers vor Augen. Gegenwartskünstler thematisieren auch seine Beeinträchtigungen und Bedrohungen – zum Beispiel durch Offshore-Windparks. Anlass zu dieser Ausstellung war für den Kunstverein das bevorstehende Jubiläum des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Seit 1986 ist das Wattenmeer als Naturdenkmal geschützt.

Fischkutter im Hafen von Cuxhaven und das Duhner Watt, beides um 1900 gemalt, zeigen den herben Reiz der Landschaft, die sich mit dem Wasser vereinigt. Hans Schroedter setzte um 1900 einen Leichenzug durch das Watt in Szene. Der Leichenwagen und die Wattwagen mit der Trauergemeinde kämpfen sich, von Pferden gezogen, durch den weichen Boden, der gerade mal sechs Stunden befahrbar ist, um den Verstorbenen mit ablaufend Wasser zur Beerdigung aufs Festland zu bringen.

Eine Leihgabe des Frankfurter Postmuseums für die Fischerhuder Wattenmeer-Ausstellung ist Richard Eschkes „Wattenpost“ von 1905. Auf dem Gemälde treibt der Kutscher des hochrädrigen Holzfuhrwerks nach Neuwerk die Pferde mit der Peitsche zur Eile in dem auflaufenden Wasser an. Der Reiz und die Gefahren des Wattenmeers werden in vielen Bildern deutlich, ebenso das Naturverständnis und die Naturverehrung der Künstler.

Um diese Eindrücke zu unterstreichen, gab es zur Ausstellungseröffnung am Sonntag anstelle einer Laudatio Gedichte zu hören: Petra Hempel vom Kunstverein las thematisch passende Werke von Rilke, Storm und Heine vor und Schriftstellerin Elke Loewe, die an der Küste lebt und arbeitet, eigene Verse. Der Fischerhuder Musiker Bernd Schlott untermalte die Beiträge mit „Watt“-Kompositionen aus eigener Feder.

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