Abgespecktes Kursprogramm an der Ottersberger Hochschule / Neubau im November fertig

Kunstsommer light

Dozentin Ariane Weidemann (links) bespricht mit Hilde Kohake ihre Werkserie. „Das sind völlig andere Farben als ich sonst verwende“, erzählt Kohake.
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Dozentin Ariane Weidemann (links) bespricht mit Hilde Kohake ihre Werkserie. „Das sind völlig andere Farben als ich sonst verwende“, erzählt Kohake.

Ottersberg – Holz, Wellpappe und sogar den Baustoff Bitumen hat Hilde Kohake auf der Leinwand „verbaut“. „Der Baumarkt ist für Künstler eine wichtige Adresse“, sagt die Bremerin. „Das ist aber ein anderes Bitumen als das, was die Dachdecker verwenden.“ Denn Letzteres eigne sich augrund langer Trocknungszeiten nicht für die Kunst. Kohake entwickelt im Kurs von Ariane Weidemann „Experimentelle Malerei“ ihren eigenen Stil. Das Seminar ist Teil des Kunstsommers der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS). Der läuft in dieser Pandemie-geprägten Zeit auf dem Campus an der Großen Straße – und in abgespeckter Form.

„Wir haben erst einmal abgewartet und gehofft, wenn die Leute nicht in Urlaub fahren, dass sie dann hier ihre Sommererholung suchen“, sagt Hochschulleiter Ralf Rummel-Surcke. Mit dem Ergebnis, dass sich dann für die sechs angebotenen Kurse etwa 60 Teilnehmer eingeschrieben haben. Darunter viele Hobbykünstler aus umliegenden Gemeinden, wie Bremen, Stuhr und Thedinghausen, aber auch einzelne Interessenten für ein Gasthörer-Studium. Für den Kinderkurs „Zirkus Monsterus“ gab es die meisten Anmeldungen, aber nur zehn Plätze: „Den hätten wir vierfach besetzen können“, so Rummel-Suhrcke. Ebenfalls im Kursprogramm: Fotografie (Wenke Wollschläger) und Freie Holzbildhauerei (Nicola Dormagen).

Der Trend zum Digitalen macht sich auch an der HKS, die schon ein Online-Semester hinter sich hat, bemerkbar. Im Kunstsommer unterrichtet Sarah Schwienbacher Performance online. „Das zusätzliche Online-Kursangebot hat viele gefreut“, so die Dozentin und frühere Leiterin des Kunstsommers Ariane Weidemann. 2019 übernahm Ariane Holz die Organisation, die beim Pressetermin nicht dabei sein konnte. Wegfallen mussten diesmal der Tango- und der Maskenbau-Kurs von Hans-Joachim Reich. „Das ist einfach zu nah“, sagt Rummel-Suhrcke. Auch ein neues Angebot für Jugendliche, „Sprechen und Stimmbildung“, war aus Gründen des Infektionsschutzes nicht durchführbar.

„Wir mussten auch räumlich etwas entzerren“, erläutert der Hochschulchef. Um genügend Abstand zu ermöglichen, sind im Atelierbereich maximal acht Personen erlaubt. Kommen sich Teilnehmer und Dozent bei Besprechungen näher, herrscht Maskenpflicht. Darum gibt Weidemann ihren Kurs auf drei Räume verteilt im sogenannten Zwischenraum-Trakt. Kunstlehrer Nils Rüdiger ist mit seinen Teilnehmern in die Mensa gezogen.

Laut Ralf Rummel-Surcke soll der neue Hochschultrakt übrigens am 13. November eingeweiht werden. „Wir sind sechs Wochen in Verzug wegen Corona.“ Der Dachdecker, der sein Material in Frankreich bestellt hatte, kämpfte mit Lieferschwierigkeiten. Der Trockenbau mitsamt der Fenster ist bereits fertig. „Nächste Woche wird die Heizung eingebaut“, so Rummel-Suhrcke.

Nils Rüdiger hat Freie Kunst an der HKS studiert und ist als freischaffender Künstler und Dozent in Bremen und Umland tätig. „In dem Kurs geht es um abstrakte Malerei und das Selbstentwickeln von Ideen. Ich bin da, um die individuellen Ansätze zu erkennen und außerdem technische Fertigkeiten zu vermitteln“, sagt Rüdiger. „Wir sind sehr schön ins Arbeiten gekommen“, zeigt er sich mit dem bisherigen Ergebnissen zufrieden.

Die Kreativität ihrer Teilnehmer zu wecken, steht auch für Ariane Weidemann im Mittelpunkt. Dazu dienen Aufgaben wie das Entwickeln von Werkserien, Blindzeichnen und Malen mit zwei Farben. „Spannend, wie du neue Formen entwickelst, als Serie finde ich das grafisch und farblich super gelungen“, bemerkt sie an Hilde Kohake gerichtet. Als Kunstsommer-Neuling fand diese vor allem das Blindzeichnen herausfordernd: „Man kommt in einen ganz anderen Prozess, wenn man die Kontrolle durch die Augen weglässt.“ Eine Werk-serie entstand aus einem Atelier-Unfall mit verschüttetem Wasser. Statt sich darüber zu ärgern, ließ Kohake es über die ganze Leinwand laufen. Das erzeugte einen besonderen Bildeffekt.

Rosemarie Guhl, ehemalige Verdener Gleichstellungsbeauftragte, zählt vergleichsweise zu den Alteingesessenen. Seit drei Jahren besucht sie den Kunstsommer in Ottersberg und schätzt daran die sozialen Kontakte sowie die künstlerischen Anregungen. Manchmal entdeckt sie dabei auch, was sie nicht mag: „Ich habe es mit Spachteln und Pigmentieren probiert, aber das ist nicht so meins.“ Zu aufwändig, Kunst müsse alltagstauglich sein. Atelier-Nachbarin Anne Korte ist anderer Ansicht: „Rumschmieren mache ich total gerne“, erzählt die Lehrerin aus Korbach bei Kassel. Sie sieht den Kunstsommer als Auszeit vom stressigen Beruf. „Hier habe ich gelernt, meinen Kopf auszuschalten.“

Von Lisa Duncan

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