Studierende überlagern Schmierereien am Ottersberger Bahnhof mit Graffiti

Kunst ist die Antwort

Ottersberger Kunststudierende mit Gästen am Bahnhof
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Ottersberger Kunststudierende um Armin Lühder (li.) stellten das Ergebnis ihres Graffiti-Projekts am Bahnhof Vertretern von Gemeinde und Deutscher Bahn vor.

Ottersberg – „Es macht einen Unterschied, ob man tagtäglich von Hakenkreuzen begrüßt wird – oder von so etwas hier.“ So etwas – das sind freundliche fantasievolle Gebilde in sanften Farben, die acht Studierende der Hochschule für Künste im Sozialen am Ottersberger Bahnhof auf die Wände des Fußgängertunnels und der Aufgänge zu den Gleisen gesprüht und gemalt haben.

Zuvor waren die Wände beschmiert gewesen mit rechtsradikalen Parolen und wütenden Antworten freiheitlich Denkender. Dieser „Dialog“ wurde durch ästhetische Graffiti ersetzt, die gute Laune machen: „Wir wollten dem Hass und der Wut nicht länger mit Gleichgültigkeit begegnen, sondern all dem mit Kunst antworten“, so Projektleiter Armin Lühder zum Kerngedanken.

Auch Bahnreisende nehmen die Neugestaltung von Tunnel und Aufgängen als den beabsichtigten „Akt der Befreiung“ wahr – das zeigten Lühder zufolge Reaktionen von Passanten während der drei Wochen, in denen die Studierenden am Werk waren: „Die waren total happy und haben sich bedankt. Wir haben noch nie so viel positive Resonanz auf ein Projekt bekommen.“

Am Donnerstag stellten die Studierenden Armin Lühder, Melina Dreher, Janina Klenke, Selina Kühnle, Tim Lichte, Arisha Lukaszczyk, Carlotta Pöschel und Ole Winhoff ihre „Bunt statt Schwarz-Weiß“ betitelte Graffiti-Landschaft offiziell vor. Vertreter der Gemeinde und des Bahnhofsmanagements der Deutschen Bahn zeigten sich beeindruckt vom beschwingenden Effekt der neuen Wandgestaltung. Gemeinde und Bahn haben das 17 500 Euro teure Projekt im Wesentlichen finanziert. Auch die Hochschule selbst und einige Spender beteiligten sich. Die Studierenden arbeiteten gegen eine geringe Aufwandsentschädigung. Ortsbürgermeister André Herzog nahm die Zusammenkunft zum Anlass, ein großes „Danke!“ für die ganze Arbeit zu sagen.

Hochschulleiter Prof. Dr. Ralf Rummel-Suhrke ist stolz auf seine Studierenden: „Sie haben sich intensiv mit dem Entree des Ortes beschäftigt, in langer Vorarbeit ein Konzept erstellt, hier drei Wochen stramm gearbeitet und einen neuen Ort geschaffen.“ Das Ergebnis sei ein schönes Umfeld mit „großer Symbolkraft für die Menschen, die hier ankommen“.

Die abstrakten Motive in einem abgestuften Farbkonzept tragen die Handschrift der jeweiligen Künstlerin oder des Künstlers. Sie fließen ineinander, driften auseinander, ergänzen sich und mäandern über mehr als 1000 Quadratmeter Wandfläche wie ein Stimmungsaufheller. „Wie eine Metamorphose“, so Lühder, sollen die Graffiti als sinnliche Wahrnehmung „alle ankommenden und vorbeigehenden Personen begrüßen, entlangführen und hinausleiten“.

Eine spezielle Versiegelung soll es übrigens ermöglichen, unerwünschte Übermalungen der Kunst leicht wieder entfernen zu können.

Von Petra Holthusen

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