Elianna Renner holt Plastikpferd aus Müll und gewinnt Ottersberger Kunstpreis

Das ist Kunst – und war schon weg

Das Pferdchen von Elianna Renner gewinnt den Kunstpreis Ottersberg 2019. Foto: kr

Ottersberg – „Mnemotaxis“ pinkfarben, eine Art Zirkuspferd mit Stulpen an den Hufen, einem gestickten Sattel und einem Kopfputz, wie ihn Karussellpferde tragen, hat den Ottersberger Kunstpreis 2019 gewonnen. Das ein mal einen Meter große Minipferd schaffte es, die Jury von seinem künstlerischen Wert zu überzeigen und setzte sich gegen 16 andere Exponate durch.

Die Schöpferin dieses Kunstwerkes, Elianna Renner, 1977 in Zürich geboren, konnte bei der Preisverleihung der Gemeinde Ottersberg am vergangenen Wochenende im Buthmanns Hof nicht anwesend sein. Sie weilte in Israel und wusste noch nichts von ihrem Glück, als Bürgermeister Horst Hofmann, Kurator der sich anschließenden Ausstellung, und Peter Friese, künstlerischer Leiter des Kunstvereins Ruhr als Laudator, die freudige Nachricht vor zahlreichen Gästen im Buthmanns Hof verkündeten.

Das Pferdchen war Mittelpunkt im neuen Galerieraum und zog mit seiner geschmückten Pracht die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Ein wenig erinnerte es an die Spielzeuge für Mädchen, für Pferde-affine junge Damen, die Plastikpferden die Mähnen kämmen, ihnen Schleifen in künstliche Mähnen flechten und mit ihnen reiterliche Träume träumen.

Dabei war das Schicksal dieses Plastikpferdes eigentlich schon besiegelt, bevor Elianna es aus dem Müll rettete: Es sollte geschreddert werden und erlebt nun den Höhepunkt seines Daseins – als preisgekröntes Kunstwerk.

Peter Friese beleuchtete ausführlich die Intention der Künstlerin, die ihr Diplom bei Professor Jean François Guiton an der Bremer Hochschule für Künste absolviert und sich als seine Meisterschülerin qualifiziert hat. Mit einer regen Ausstellungstätigkeit hatte sie nicht nur in Deutschland und ihrem Heimatland, der Schweiz, von sich reden gemacht, sondern auch ihre Werke in Australien und Neuseeland gezeigt.

In seinem engagierten Vortrag ging der künstlerische Leiter auf die übrigen Bewerber um den Kunstpreis ein, deren Werke in den beiden großen Galerieräumen und auch im Giebel ausgestellt sind.

Lydia Radzuweit, die erst kürzlich den Förderpreis der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen mit ihrer Arbeit „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ gewonnen hat, war vertreten.

Ebenso wie Wenke Wollschläger mit ihren ungewöhnlichen Fotoarbeiten und Noriko Yamamoto mit Zeichnungen und Objekten zum Thema Weltformel.

Eine interessante Präsentation bot Evita Emersleben mit einer Performance eines Fleischerladens, für die sie sich mit Haarhaube und Fleischerkittel mit Namensschildchen hinter einen aufgebauten Tresen stellte. „Geschnitten, oder am Stück“ nannte sie ihr Werk und zog damit alle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich.

Pia Pollmanns war mit Fotografien alter Schlösser aus Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Der morbide Charme der alten Bauten, halb verfallen, nicht mehr bewohnt und ohne Chance auf Restauration rührte an.  kr

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