Knackpunkt Lärm kreativ aushebeln

Ortsrat will Wagenplatz per Vertrag ermöglichen

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Den inzwischen dritten Gestaltungsentwurf für den Schulvorplatz diskutierte der Ottersberger Ortsrat.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Hoffnung für „SchönWedder“: Quer durch alle Parteien ist sich der Ottersberger Ortsrat einig, der alternativen Wohnprojekt-Initiative ihren Wagenplatz auf der Wiese zwischen Bahnhof und Wümmedeich ermöglichen zu wollen – und dafür die rechtlich schwierige Bahnlärmproblematik kreativ auszuhebeln.

Um dem Willen einen Weg zu bahnen, fährt die Ortspolitik zweigleisig: Auf Wunsch der CDU soll bei der anstehenden Neufassung des gemeindlichen Flächennutzungsplans die gewünschte Entwicklungsmöglichkeit für besagte Wiese geschaffen werden, und auf Antrag der SPD soll die Verwaltung einen öffentlich-rechtlichen Vertrag entwerfen, mit dem „SchönWedder“ als Modellprojekt für experimentelles Wohnen realisiert werden könnte. Die beiden parallelen Ansätze fasste der Ortsrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend im Rathaussaal zu einem einstimmig gefassten Beschluss zusammen.

Seit fünf Jahren kämpft die Initiative „SchönWedder“ in Ottersberg um einen Platz für ihren alternativen Lebensentwurf: das gemeinschaftliche flächen-, ressourcen- und kostensparende Wohnen in Wagen und im Einklang mit der Natur. Mit der Wiese nahe des Bahnhofs wurde eine geeignete Fläche gefunden, für deren Bewohnbarkeit die Gemeinde allerdings den Flächennutzungsplan ändern müsste. Ein Verfahren, das spätestens bei der übergeordneten Behörde scheitern würde, weil ein Gutachter die Wiese wegen des Bahnlärms von der direkt angrenzenden Trasse für unbewohnbar erklärt hat. Den „SchönWedder“-Leuten wäre der Bahnlärm erklärtermaßen egal, der deutschen Baugesetzgebung aber nicht. Von einer – rechtlich kaum durchsetzbaren – Änderung des Flächennutzungsplans riet Bauamtsleiter Ralf Schack dem Ortsrat deshalb dringend ab.

„Die Frage ist ja, ob es nicht trotzdem auf dieser Fläche geht“, eröffnete FGBO-Fraktionschef Tim Weber die „Lösungssuche jenseits der Flächennutzungsplanung“ und brachte einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen Gemeinde und „SchönWedder“ ins Gespräch. Genau diese Möglichkeit zu prüfen, beantragte die SPD-Fraktion. Vorsitzende Gabriele Könnecke: „Das ist ja kein wilder Haufen da, der nur feiern will, sondern eine unterstützenswerte Wohn-Initiative, der wir über Pacht und Duldung eine Chance geben wollen.“ Als Beispiel könne die städtische Nutzungsvereinbarung zu einem vergleichbaren Projekt am Güterbahnhof Bremen dienen.

CDU-Fraktionschef Klaus Rebentisch hofft noch auf planerische Möglichkeiten, schloss sich aber ebenso der SPD-Idee an. Einstimmig beauftragte die Politik die Verwaltung, an einer vertraglichen Lösung zu feilen.

Apropos Lösung: Die zeichnet sich nach vier Jahren „Herumdoktern“ für die Umgestaltung des Schulvorplatzes Am Brink ab. Muss sie auch, denn wenn die Maßnahme nicht spätestens 2020 erledigt ist, verfallen die Fördergelder. 40 Prozent Kostenbeteiligung sind zugesagt vom Land Niedersachsen. Die Kostenschätzung von 238 000 Euro, 2015 erstellt von Bauamtsleiter Schack, ist allerdings obsolet – vor allem, weil die Umgestaltung viel kleiner ausfällt als mal gedacht. Der Busbahnhof wird, weil nicht förderfähig, ebenso wenig angefasst wie der zu kleine Parkplatz längs der Langen Straße, und auch der Aula-Vorplatz mit den Wassertischen bleibt, wie er ist. Planungsgebiet ist die Grünfläche dazwischen, geprägt von Bäumen und Trampelpfaden.

Den inzwischen dritten Gestaltungsentwurf dazu präsentierte dem Ortsrat der beauftragte Landschaftsarchitekt Hans-Dieter Windler, der für dieses Projekt eine Planungsgemeinschaft mit Anwohner und Künstler Karlheinz Flau bildet. Grob zusammengefasst: Durch Mauern sollen Wege vorgegeben und Schülerwanderungen kanalisiert werden; das Vorziehen der Fahrradständer von der Grundstücksgrenze Flau Richtung Klinkerfläche Aula soll die dortige Grünfläche entlasten; ein neu zwischen den Bäumen Richtung Parkplatz geschaffener Platz mit Sitzmöglichkeiten soll das städtebauliche Erscheinungsbild der Anlage verbessern. Noch zu planen wäre eine „Aufwertung durch Beleuchtung“, so Windler.

Rebentisch (CDU) und Weber (FGBO) bezweifelten, dass dem geplanten Wegeverlauf in der Praxis von den Schülern gefolgt werde. Außerdem schränke das drastische Vorziehen der Fahrradständer den Platz vor der Aula derart ein, dass er zu schmal werde für die Schülerströme und viel zu klein für Feste wie den Frühlingszauber. Der Ortsrat verlangte Nachbesserungen, bevor Baumaßnahmen beauftragt würden.

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