Klezmerfest im voll besetzten „Bergwerk“ / Drei Gruppen auf der Bühne

Facettenreich und eindringlich

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Die Gruppe „Cladatje“ entführte die Besucher in einer eindrucksvollen Darbietung in die Welt der Klezmer-Musik.

Quelkhorn - „Cladatje“ lädt gerne sich Gäste ein. Dann wird es meistens sehr musikalisch – gemeinsam oder solistisch, aber niemals einsam.

Wieder einmal am Samstagabend im Quelkhorner „Bergwerk“. Dorthin zog es viele Freunde des Klezmer, denn es galt, das 7. Ottersberger Klezmerfest zu feiern. Neben der Gruppe „Cladatje“, der lokalen Größe einer musikalischen Stilrichtung, die Empfindungen wie Lebensfreude und Trauer vertont, aber ebenso leidenschaftlich menschliche Erkenntnisse, die im Alter zu Weisheiten werden und nachfolgenden Generation Orientierung geben, spielten und sangen „Di Chuzpenics“ und „Tralalka“. Erstere sind in Kiel beheimatet, während das zweite Ensemble aus der Hauptstadt angereist war.

Die Klezmermusik ist wesentlich beeinflusst von der osteuropäischen jüdischen Kultur. Im vorletzten Jahrhundert wurde sie zum bestimmenden Element diverser Veranstaltungen und mehrtägiger Hochzeiten. Von Osteuropa verbreitete sich die Klezmermusik über die ganze Welt. Gut aufgehoben ist sie nach wie vor im Quelkhorner „Bergwerk“.

Den Anfang des konzertanten Abends blieb den Gastgebern vorbehalten. „Cladatje“ (Till Eversmeier, Edna Eversmeier, Kurt Kratzenberg, David Hodgkinson, Clive Ford) ist eine Formation, der es nicht nur auf regionaler Ebene gelingt, mit Geige, Akkordeon, Gitarre, Mandoline, Kontrabass sowie mit eindringlichen Gesängen der Intention des Klezmer Klangfülle zu geben. Das Spiel von „Cladatje“ ist facettenreich und Quell für sprühende Geschichten, die, so hat es den Anschein, zu jeder Gelegenheit erzählt und dabei immer variiert werden müssen. Dieses heimische Ensemble - traditionell in der musikalischen Ausrichtung - jedenfalls hat es darin zu wahrer Meisterschaft gebracht. Außerdem haben die einzelnen Mitglieder von „Cladatje“ jene Art von feinem Humor, der die Zuhörer animiert - zum Lachen, Summen, Klatschen und, wenn es sein muss, zur Simulation eines kurzen Nickerchens.

In Christine von Bülow hat die Gruppe „Di Chuzpenics“ eine wunderbare Erzählerin. Am Vorabend noch mit einem Auftritt in Bremerhaven, hatten die Kieler Sprotten in Quelkhorn ein maritimes Programm aufgelegt, in der es natürlich um die Liebe ging, aber auch von Fanggründen, in denen partout nichts zu holen ist. Dann bleiben die Schleppnetze leer und die Fischer grimmig. „Aber“, sagte von Bülow, „das jiddische Lied ist ja nicht doof.“ Deswegen hält es immer Wendungen parat. Mal zum Guten, manchmal zum noch Schlechteren. Dann ist zum Beispiel viel Herzleid in einem herzigem Lied, dass, so die Kieler, besser als jedes andere zu einem Lieder-Wettbewerb auf europäischer Ebene passen würde. Und außerdem: Klezmer, so befand Christine von Bülow in ihrem kleinen Schelmen-Werk für alle Unverständigen, ist so deutsch wie Goethe und Schiller.

Mit „Tralalka“ aus Berlin, einer siebenköpfigen Band, neigte sich ein Konzert dem Ende, das tatsächlich mit dem Auftritt und dem Spiel aller Musikerinnen und Musiker beschlossen wurde. Für das Publikum im mehr als voll besetzten Bergwerk bot diese Session noch einmal Gelegenheit, begeistert zu applaudieren.

häg

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