Isetta im Lufthansa-Retro-Look restauriert

Ein Kleinstwagen im Dienste der Luftfahrt

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Das Isetta-Modell im Kleinformat ziert schon seit vielen Jahren Dietmar Plaths Schreibtisch.

Otterstedt - Von Lisa Duncan. Im Ort kennt man das Bild schon: Wenn Dietmar Plath mit seiner Isetta durch Otterstedt fährt, fällt er auf. Nicht nur, weil der Fahrzeugtyp, den BMW in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf den Markt brachte, heute nicht mehr produziert wird. Auf dessen Motorhaube prangt auch das Original-Emblem der Lufthansa mit Kranich im Retro-Look.

Dabei basiert die neueste Errungenschaft des Luftfahrtfotografen nur auf einem Spleen: Der fixen Idee, ein Spielzeugauto, das seit vielen Jahren Plaths Schreibtisch ziert, in Lebensgröße nachzubilden. Ein Unterfangen, das ein knappes Jahr in Anspruch nahm.

Und das kam so: Plaths Cousin Detlef Twachtmann hat eine Autowerkstatt in Thedinghausen, in der er mit viel Liebe zum Detail Oldtimer restauriert. Eines Tages kam ihm diese Isetta, Baujahr 1954, unter – und der Fachmann erkannte die Schönheit unter all dem Rost. Gleichzeitig erinnerte er sich an das Schreibtisch-Maskottchen, das Dietmar Plath, Fotograf und Herausgeber eines Luftfahrt--Magazins, einst geschenkt bekommen hatte. „Als Luftfahrtmensch gefiel mir die Idee natürlich, das Auto im Original wiederherzustellen“, so Plath.

Dietmar Plath mit seiner Isetta im Lufthansa-Retro-Look. Manchmal fährt er damit durch den Ort spazieren.

Sein Beruf öffnete ihm für sein Vorhaben Türen und Plath erhielt eine Sondergenehmigung von der Lufthansa. So rief der Otterstedter kurzerhand in der Lufthansa Technik an. Auch an der anderen Seite der Leitung war man erfreut. Das sei mal was anderes als immer nur Flugzeuge, hieß es. Das Technik-Team half ihm, Farbmuster, Schrift, Platzierung und Kranich-Logo, das sich im Laufe der Jahre auch verändert hatte, genau zu rekonstruieren.

Fotos ersetzen Unterlagen

Es gab nur ein Problem: Die alten Unterlagen waren nicht mehr aufzufinden. So behalf man sich mit alten Fotos. Wer jedoch annimmt, dass eine Fülle solcher Dokumente in den Archiven schlummert, hat weit gefehlt. „Genau zwei sind aus dieser Zeit noch erhalten“, erklärt der Fotograf. Glücklicherweise Aufnahmen von hoher Qualität. Eines zeigt das putzige Gefährt, wie es als Dienstwagen auf dem Flughafen eingesetzt wurde, ein anderes mit der damaligen Miss Europa.

Als Shuttle-Fahrzeug brachte die kleine Isetta in den 50er Jahren die Piloten zu ihrem Flugzeug, hier eine historische Aufnahme vom Frankfurter Flughafen.

Auf dieser Basis machten sich die Technik-Experten von Lufthansa ans Werk und schickten Plath Farbmuster und Schablonen. Kfz-Meister Detlef Twachtmann stand derweil vor einer anderen Herausforderung, nämlich, an Original-Ersatzteile für den Mikro-Oldtimer heranzukommen. Bei einem Experten in München wurde er fündig. „Ein alter Mann, wie er mir sagte. Aber alles wies darauf hin, dass er derjenige ist, der uns helfen kann.“

Mit 70 über die Autobahn

Seit Mai nennt Plath dieses Juwel des Automobildesigns sein eigen und hat es auch schon im Hamburger Flughafen vorgeführt. „In einem Anhänger, sonst juckel ich mit 70 über die Autobahn. Die haben sich wie Bolle gefreut“, erzählt er. Als nächstes wird er die Isetta dem Bremer Flughafenchef zeigen – das ist schon vereinbart. Vielleicht wird das Gefährt auch noch auf Luftfahrtausstellungen und Messen zum Einsatz kommen. Ansonsten will Dietmar Plath seine Isetta nur privat fahren.

Aus gutem Grund: Wenn er mit dem für zwei Personen ausgerichteten Kleinstwagen durch den Ort fährt, stellt sich bei dem Fachjournalisten ein Gefühl der Entschleunigung ein, sagt er. Liegt es an den maximal 70 Stundenkilometern auf dem Tacho, der Tür, die sich wie ein Kühlschrank nur nach vorne öffnen lässt, oder der Tatsache, dass man vor und nach jeder Fahrt daran denken muss, den Benzinhahn auf- und zuzudrehen? Plath weiß es nicht. Zu den mit Megageschwindigkeit fliegenden Riesenmaschinen, mit denen er sich von Berufs wegen sonst beschäftigt, stellt die winzige Isetta jedenfalls einen Gegenentwurf da.

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