Klassische Philharmonie Nordwest interpretiert romantische Komponisten

Mit Frohsinn und Melancholie

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Ein herrliches Konzerterlebnis bot die Klassische Philharmonie Nordwest in den Räumen der Waldorfschule Ottersberg. Leider waren die Zuschauerränge nicht allzu gut besetzt.

Ottersberg - Von Ilse Walther. Die im weiteren Umkreis sehr bekannte Klassische Philharmonie Nordwest unter der Leitung ihres Gründers Ulrich Semrau war erstmalig in der Waldorfschule Ottersberg zu Gast. Leider war dieses hochkarätige Konzert beschämend schlecht besucht. Aber Ulrich Semrau und seine Musiker wissen, dass man sich erst einmal seinen Namen erspielen muss. Die Zuhörer, die gekommen waren, erlebten auf jeden Fall einen herrlichen Konzertabend mit Kompositionen von Robert Schumann und Johannes Brahms.

Ausgewogen in der Bläser-und Streicherbesetzung und mit dem sehr präzise agierenden Paukisten hatte sich das Orchester sehr bewusst in die romantische Zeit versetzt und spürte dieser eingängigen und auch teilweise schwärmerischen wie melancholischen Musik nach, intuitiv von Ulrich Semrau geleitet. Das vorzügliche Bläserensemble und die homogenen Streicher musizierten klangschön, sauber phrasierend und im dichten Dialog miteinander.

Robert Schumanns Oper „Genoveva“ ist eine hochdramatische Liebesgeschichte, in der ein Ehemann seine Frau in den Wald verbannt, weil er glaubt, dass sie ihm untreu geworden sei. Die zu Beginn des Konzerts dargebotene Ouvertüre entwickelte sich aus dem feierlichen Anfangsakkord heraus warm und dicht, steigerte sich dann über klare Unisoni der Geigen und feine Bläserpassagen zu den unheimlichen Szenen im Wald, die durch das Jagdmotiv der Hörner angekündigt wurden. Die markanten Paukenschläge unterstrichen das kommende Unheil. Durch spannende Tremoli der Streicher und akzentuiertes Spiel verdüsterte sich die Stimmung, und das Stück raste bald dem Ende mit seinem großen Forte und dem Schlussakkord zu.

Die berühmten Variationen über ein Thema von Joseph Haydn von Johannes Brahms sind ein mitreißendes, sowohl besinnliches wie auch kraftvoll leidenschaftliches Werk, welches immer wieder begeistert. Wunderschön ausgewogen boten die Bläser, unterstützt vom Pizzicato der Streicher, Haydns warm und feierlich in Töne gesetzten Antoniuschoral. Die Variationen ließen das Thema in den verschiedensten Klangformen immer wieder aufblitzen, sei es, indem es durch die einzelnen Instrumentengruppen lief, behutsam untermalt, animiert farbig in höfischer Eleganz laufend mit klangschönen Bläsersoli, als entzückendes Menuett oder auch geheimnisvoll klingend. Das große Finale mit seinem ernsten, tiefen, schreitenden Beginn ging dann in das festlich dichte Wechselspiel über, bis zum opulent gesteigerten, tempogeladenen Ende. Eine ausgereifte, mitreißende Wiedergabe.

Mit der so froh gestimmten dritten Sinfonie in Es-Dur, der „Rheinischen“ op. 97 von Robert Schumann beschloss die Klassische Philharmonie Nordwest das Konzert. Dabei steigerten sich die Musiker von Satz zu Satz. Überaus frisch und froh boten sie den ersten Satz „Lebhaft“ mit seinen klangschönen Passagen und markanten Paukenschlägen. Besonders einfühlend geriet das Scherzo mit den satten Streicherpassagen und den blühenden Bläserparts. Eine hochromantische, aber nie sentimentale Gemütlichkeit ist in dieser Musik. Das Orchester breitete dichte und schöne Klangteppiche aus, hielt im Trugschluss inne und steigerte sich im Tempo bis zum überraschenden kleinen Schluss im Pizzicato. Beim Finale „Lebhaft“ spannte das Orchester dann einen dichten Bogen – von den akzentuierten Passagen mit den großen Hornsignalen und dem ganzen Bläserensemble über kleine Streicherfiguren und gegentaktige Passagen bis zum prächtigen Schluss.

Das Publikum gab sehr langen, auch skandierenden Beifall. Wenn dieses Orchester einmal wieder nach Ottersberg kommt, wünscht man ihm einen vollen Saal.

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