Wolfsbeauftragter geht von Durchzügler aus

Kalbsriss in Fischerhude geht auf Konto eines Wolfs

Fischerhude - Von Petra Holthusen. Nach Auswertung der DNA-Proben ist es amtlich: Ein Wolf hat das Kuhkalb gerissen, dessen Überreste Ende September im Bereich Fischerhude von der Tierhalterin aufgefunden und zur Klärung von Nicola Gölzner, ehrenamtliche Wolfsberaterin im Landkreis Verden, dokumentiert wurden.

Das Ergebnis der Spurenuntersuchung bestätigte auf Anfrage Bettina Dörr vom Wolfsbüro beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hannover. Auch in der Nutztierriss-Tabelle der zuständigen Landesbehörde wird der Wolf inzwischen als nachgewiesener Verursacher des Kalbsrisses in Fischerhude geführt.

Raoul Reding, der als Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft das Wolfsmonitoring in Niedersachsen leitet, geht bei dem Wolf von einem „Durchzügler“ aus: Auf territorial ansässige Wölfe gebe es in der betroffenen Region keine Hinweise, erklärte Reding auf Nachfrage.

Nach einem Lamm vor anderthalb Jahren in Kirchlinteln ist das Kalb in Fischerhude der zweite genetisch nachgewiesene Nutztierriss durch einen Wolf im Landkreis Verden. Ansonsten gibt es im Kreis hier und da bestätigte Sichtungen einzelner Wölfe.

Ob der „Durchzügler“ in Fischerhude anhand der ausgewerteten DNA-Spuren als ein bereits bekannter Wolf identifiziert wurde oder aus welchem Raum er stammt, wurde nicht bekannt.

14 Rudel in Niedersachsen

Seit zehn Jahren ist die natürliche Rückkehr des Wolfs auch in Niedersachsen nachgewiesen. Die Ausbreitung des streng geschützten Wildtiers wird wissenschaftlich dokumentiert: Dieses Wolfsmonitoring für das Land Niedersachsen macht die Landesjägerschaft im Auftrag des Umweltministeriums und in Zusammenarbeit mit dem NLWKN und den ehrenamtlichen Wolfsberatern. In Niedersachsen leben laut Wolfsmonitoring aktuell 14 Rudel, zwei Paare und zwei residente Einzeltiere. Wegen der immensen Wanderstrecken – ein Wolf könne am Tag 70 Kilometer zurücklegen – sei schwer zu sagen, wo genau sich einzelne Tiere aufhielten, erklärte Bettina Dörr vom NLWKN-Wolfsbüro. Zudem gelte für Wölfe als unter Artenschutz stehende Tiere eine Art Datenschutz. Öffentlich einsehbar ist unter www.wolfsmonitoring.com die seit 2008 von der Landesfachbehörde geführte Nutztierrissstatistik. Mit der Ausbreitung des Wolfs häufen sich Meldungen über Nutztierrisse, bei denen der Wolf als Verursacher vermutet wird. Laut Landesjägerschaft wurden bei den von 2008 bis August 2017 in Niedersachsen dokumentierten 500 Meldungen tatsächlich 236 Risse, also knapp die Hälfte, einem Wolf zugeordnet. In diesen Fällen gibt es für die Tierhalter Ausgleichszahlungen.

Wie der Kalbsriss in Fischerhude zeigt, machen wandernde Wölfe vor Kreisgrenzen nicht Halt. Für Wolfsmonitoring-Leiter Raoul Reding kein Grund zur Panik, eher ein Signal an Nutztierhalter, sich im Wolfsbüro beraten zu lassen über Herdenschutzmaßnahmen. Für den überaus seltenen Fall einer menschlichen Begegnung mit einem Wolf gelte: Respektvoll Abstand wahren, ruhig verhalten und dem scheuen Tier die Chance zum Rückzug geben.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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