15 Jungs leben in Otterstedter Werkstatt den Traum vom eigenen Moped

Schrauben und Gas geben

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Frank Steinke und seine Jungs von der Schrauberwerkstatt.

Otterstedt - Von Bernd Hägermann. „Ohne die Schrauberwerkstatt“, sagt Niklas, „hätte ich einige Freunde weniger.“ Der 15-Jährige gehört zu der Gruppe um Frank Steinke, bei der sich mittwochs und freitags auf dem Gelände des Jugendheims „Apropart“ in Otterstedt alles um das motorisierte Zweirad dreht. Steinke ist vom Fach. Der Ergo- und Sozialtherapeut, angestellt beim Verein ambulanter Erziehungshilfen für die Jugendarbeit im Flecken Ottersberg, ist seit mehr als 30 Jahren auch Kfz-Mechaniker.

Die Schrauberwerkstatt für Kinder und Jugendliche, ausgestattet mit professionellen Werkzeugen und Gerätschaften aus Steinkes Privatbesitz oder aus Spenden, rief er vor vier Jahren ins Leben. Der Anfang war zäh. Jetzt kommen regelmäßig bis zu 15 Jungs, um mittwochs auf abgesperrtem Motocrossgelände und immer mit Schutzkleidung die instand gesetzten Maschinen zu bewegen. Freitags wird repariert und getüftelt an Mofas, Mopeds und Dinocars. Frank Steinke ist dankbar für die Unterstützung durch das Jugendheim „Apropart“, das den Raum für die 40-Quadratmeter-Werkstatt und den Strom für Heizung und Geräte kostenlos zur Verfügung stellt.

Für Niklas sind beide Nachmittage fester Bestandteil der wöchentlichen Freizeitplanung und darüber hinaus eine willkommene Gelegenheit, seine Leidenschaft für die Geschwindigkeit und das Schrauben an Motorrädern auszuleben. Nach seiner Erinnerung hatte er als Kleinkind das erste Mal einen Schraubenschlüssel in der Hand („Mein Papa ist Kfz-Mechatroniker“) und als Sechsjähriger erstmals eine Motocross-Maschine unter dem Hintern. Heute fährt er eine eigene Kawasaki mit einem 125-ccm-Motor: „Die schafft 120“ – und bei Niklas’ Mutter Unruhe: „Sie hat Angst.“

Die ist nicht ganz unbegründet. Ihr Filius ist mit seiner „Kawa“ schon heftiger gestürzt und hat sich dabei schmerzhafte Verletzungen zugezogen. Niklas nimmt derlei Missgeschick sportlich: „Das ist nur Anreiz, es beim nächsten Mal besser zu machen.“ Ein gewisser Hang zur Untertreibung gehört in der Gruppe der Schrauber und Motorradfreaks ebenso dazu wie handwerkliches Geschick. Mit zwei linken Händen kommt man in diesem Metier nicht weit: „Es geht viel zu Bruch, der Verschleiß ist hoch“, sagt Niklas. Beides kostet Zeit und Geld. Und das Problem der Otterstedter Jugend-Schrauberwerkstatt ist nicht die Zeit. Das monatliche Budget für diesen Teil der Jugendarbeit im Flecken ist lächerlich gering: „50 Euro“, sagt Frank Steinke. Wenn allen Beteiligten („Der Zusammenhalt in der Gruppe ist groß“) die Sache nicht so viel Spaß machen würde und nicht hin und wieder Sachspenden eingingen, wäre die Schrauberwerkstatt schon Geschichte.

Das weiß auch Veronika Arnholz. Ihre beiden Söhne André und René sind Teil der Schrauber-Truppe: „Einige Eltern haben sich zusammengetan, um für den Erhalt der Werkstatt zu kämpfen“, sagt Arnholz. Das scheint ein lohnendes Ziel. Frank Steinke, als Sozialtherapeut auf anderen Arbeitsfeldern regelmäßig konfrontiert mit Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft, schwärmt: „Dies ist eine ganz wichtige Arbeit. Es gibt innerhalb der Gruppe keine Probleme, nur Begeisterung.“

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