BÜRGERMEISTERWAHL Weber bereitet sich auf Amtsantritt vor / SPD und Grüne zufrieden

Aus jeder Silbe klingt Vorfreude

„Die Wahlparty fehlt mir schon“: Der unter Corona-Bedingungen gewählte neue Ottersberger Bürgermeister Tim Willy Weber durfte sich am Sonntagabend nur von seiner Ehefrau Silvia Gauss herzen lassen. Foto: Woelki

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Phase I seines Plans hat Tim Willy Weber erfolgreich abgeschlossen: Am Sonntag gewann der 48-jährige Politikwissenschaftler und derzeitige Ratsfraktionsvorsitzende der Freien Grünen Bürgerliste Ottersberg (FGBO) die Direktwahl zum neuen hauptamtlichen Bürgermeister des Fleckens Ottersberg mit 51,56 Prozent der 6810 abgegebenen gültigen Stimmen. Am 1. Juli tritt er als Verwaltungschef im Rathaus die Nachfolge des in den Ruhestand gehenden CDU-Bürgermeisters Horst Hofmann an. Während der knapp unterlegene CDU-Kandidat Reiner Sterna seinen Lebenstraum abschreiben muss, läutet Wahlsieger Weber Phase II ein: die Vorbereitung auf den Amtsantritt.

Auch dafür hat Stratege Weber einen Plan. „Erstmal räume ich auf. Plakate abhängen und so“, sagt der Wahlgewinner, „und dann werte ich die Kampagne aus.“ Der Wahlkampf sei eine tolle Zeit gewesen, alles in allem gut gelaufen – aber berge wie jede intensive Zeit auch jede Menge Lernpotenzial. Gleichzeitig muss Weber, der nun beruflich ins Rathaus wechselt, seine bisherige Geschäftsführertätigkeit beim Verein „Mehr Demokratie“ in Bremen abwickeln.

Und danach richtet sich der Fokus „auf das eine oder andere vorbereitende Gespräch mit den künftigen Mitarbeitern und anderen Bürgermeistern in der Nachbarschaft“. Als Vielleser will sich Weber zwar auch in Fachliteratur zum Thema Verwaltungsführung vertiefen, aber vor allem „rede ich viel und gerne mit Menschen – dabei lerne ich am meisten“. Seine ersten großen Aufgaben als Bürgermeister werden anstehende Stellenbesetzungen im Rathaus sowie der Umgang mit den Folgen der Corona-Krise sein, glaubt Weber – und aus jeder Silbe klingt die Vorfreude auf das Amt.

Vorfreude auf den neuen Bürgermeister an ihrer Seite klingt auch in der Stellungnahme der Ratsvorsitzenden Erika Janzon (Bündnis 90 / Die Grünen) durch: „Wir Bündnisgrünen in Ottersberg gratulieren Tim Weber zur gewonnenen Bürgermeisterwahl und wünschen uns zukünftig eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der gerade auch die ökologischen, sozialen und klimarelevanten Aspekte Berücksichtigung finden.“ Wichtig sei den Grünen aber auch, „dass der neue Bürgermeister sich als Vermittler aller Ottersberger Gruppierungen versteht“. Generell, so betont Erika Janzon, „kann sich eine Gemeinde freuen, wenn es in den heutigen Zeiten mit den vielfältigen Problemen überhaupt Menschen gibt, die bereit sind, diese umfangreiche Aufgabe zu übernehmen. Daher sagen wir danke an beide Kandidaten“.

Wie die Grünen hatte auch die SPD die Kandidatur von Weber unterstützt. „Ich bin auf jeden Fall mit dem Ergebnis der Wahl zufrieden“, äußert sich Gabriele Könnecke, Partei- und Ratsfraktionsvorsitzende der SPD in Ottersberg. Webers Wahlkampf mit Videokonferenzen habe großen Anklang gefunden – damit habe er die richtige Art gezeigt, „auch in schweren Zeiten voranzugehen“. Vom neuen Bürgermeister erwartet Gabriele Könnecke, „dass er sozialpolitische Ziele mehr voranbringt“. Im Umgang mit der Politik erhofft sich die SPD-Chefin mehr Sensibilität und eine bessere Diskussionskultur: „Dass wir mehr einbezogen und mitgenommen werden.“ Und überhaupt: „Frischer Wind und mal ein Wechsel, das tut immer gut.“

Weniger glücklich über den Wechsel ist naturgemäß der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Rebentisch: „Es ist schmerzhaft, dass die CDU das Bürgermeisteramt nach so vielen Jahren abgeben muss.“ Aber natürlich habe er dem neuen Bürgermeister zu seiner Wahl gratuliert und den Willen der CDU bekräftigt, zum Wohle Ottersbergs konstruktiv zusammenzuarbeiten, so Rebentisch. Weber habe immer betont, dass er Politik für die Bürger machen wolle und nicht ideologisch, und an dieser Aussage „wird er gemessen werden“. Auf jeden Fall gebe es einen Neuanfang, „und wir erhoffen uns, dass die Kommunikation mit der Verwaltung noch besser wird“, erklärt der CDU-Mann.

Als „großen Erfolg“ wertet FGBO-Vorsitzender Harald Steege den Wahlsieg des eigenen Kandidaten gegen „einen vermeintlich stärkeren Mitbewerber“. Schlüssel zum Erfolg seien Webers großes Engagement im Werben um Wählerstimmen und ein großes Helferteam im Rücken gewesen. Für die FGBO bedeute das nun allerdings, sich ganz neu aufstellen zu müssen: „Wir verlieren unseren Fraktionsvorsitzenden, der als Bürgermeister künftig alle Parteien im Blick haben muss“, so Steege. Als der Wahlsieg am Sonntag perfekt gewesen sei, habe er deshalb im Scherz gesagt: „Jetzt haben wir den Salat ...“

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