Landvolkvertreter fordern mehr Kooperationsbereitschaft anstatt einseitige Auflagen

Insektenschutz als Gemeinschaftsaufgabe

Landwirt Andre Mahnken erläuterte Gero Hocker, Andreas Mattfeldt, Stephan Warnken und Jörn Ehlers (von links) die Situation auf einer seiner Bewirtschaftungsflächen: Drei direkt aneinandergrenzende Flurstücke würden jeweils unterschiedlichen Maßgaben unterliegen.
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Landwirt Andre Mahnken erläuterte Gero Hocker, Andreas Mattfeldt, Stephan Warnken und Jörn Ehlers (von links) die Situation auf einer seiner Bewirtschaftungsflächen: Drei direkt aneinandergrenzende Flurstücke würden jeweils unterschiedlichen Maßgaben unterliegen.

Otterstedt/Landkreis – Mit Sorge blicken viele kreisverdener Landwirte auf einen neuartigen Gesetzesentwurf aus dem Bundesumweltministerium, der zum Insektenschutz beitragen soll und Einschnitte in die konventionell betriebene Landwirtschaft bedeuten würde. Dabei geht es insbesondere darum, Lichtverschmutzung zu reduzieren, Schutzzonen auszuweiten und den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, etwa rund um Gewässer und in Schutzgebieten.

Um ihren Bedenken Nachdruck zu verleihen, haben Vertreter der Landvolkverbände Rotenburg-Verden und Osterholz die Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt (CDU) und Gero Hocker (FDP) am Freitag zu einem Ortstermin nach Otterstedt eingeladen.

Der Schutz von Insekten und die Förderung der Biodiversität werde bereits von der Landwirtschaft unterstützt, betonen die Landvolkvertreter Jörn Ehlers (Holtum-Geest) und Stephan Warnken (Grasberg). Der niedersächsische Weg führe in die richtige Richtung und der sogenannte Ottersberger Weg zur Randstreifenproblematik zeige, dass einvernehmliche Lösungen zum Vorteil aller Beteiligten gemeinschaftlich umgesetzt werden könnten. Außerdem wurden im Landkreis Verden bereits 350 Hektar Blühflächen ausgewiesen, das seien mehr als 25 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Hingegen setze das Aktionsprogramm Insektenschutz (API) der Bundesregierung allein auf Auflagen und stelle das Kooperationsprinzip zwischen Landwirtschaft und Naturschutz in Frage. Solche Kooperationen aber müssten vor dem Ordnungsrecht Vorrang haben, so die Landvolkvertreter, denn nur so könne Insektenschutz wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll betrieben werden.

„Wir sehen uns immer strengeren gesetzlichen Auflagen ausgesetzt, obwohl wir bereits auf freiwilliger Basis Naturschutzmaßnahmen betreiben“, beklagt Andre Mahnken, „viele Berufskollegen haben keine Lust mehr.“ Sie seien zum Teil Anfeindungen ausgesetzt und wären verzweifelt. Letztlich stehe die betriebliche Nachfolge auf dem Spiel.

Jörn Ehlers befürchtet einen Wertverlust der Flächen durch eine weitere Ausweisung von Gebieten, die der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) unterliegen. Zudem hätten Zwangsökologisierung und Biozid-Verbote auch negative Auswirkungen auf die Ökobilanz, wenn nämlich Flächen dadurch häufiger befahren werden müssten. „Wenn Maßnahmen bisher nicht zum Erfolg geführt haben, wurden offensichtlich falsche Ansätze gewählt“, erklärt der Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden. „Landwirte sind bereit Kompromisse einzugehen“, ergänzt Stephan Warnken, Vorsitzender vom Landvolkverband Osterholz, „sie erkennen notwendige Schutzmaßnahmen und handeln danach. Das Ministerium erkannt das aber nicht an.“

Bei dem aktuellen Papier aus dem Bundesumweltministerium handele es sich um ein nicht ressortabgestimmtes Insektenschutzprogramm, das überhaupt keine Gesprächsgrundlage biete, erklärt Andreas Mattfeldt. Im Koalitionsvertrag sei Insektenschutz zwar verankert, aber zum Beispiel auf niedersächsischer Ebene sehe er das Programm hervorragend umgesetzt. Erste Erfolge früherer Bemühungen seien darüber hinaus bereits erkennbar. „Die Situation in der Landwirtschaft ist heute nicht vergleichbar mit den 1980er-Jahren“, unterstreicht der Bundestagsabgeordnete aus Völkersen.

Statt ständig neuer Auflagen bräuchten Landwirte vor allem Verlässlichkeit, um Investitionen tätigen zu können und um entwicklungsfähig zu bleiben. Gero Hocker fügte an, dass die Ministerin gar nicht konkretisiert habe, welche Insekten sie schützen wolle. Außerdem sei bisher der Grad der Biodiversität überhaupt nicht dokumentiert oder mit Daten erfasst worden.  sch

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