Inklusiver Französischkurs am Parzival-Hof / Frankreich-Reise als Krönung

Mit Monsieur Lapin & Co. den Horizont erweitern

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Der Französischkurs am Parzival-Hof sprüht vor Begeisterung. Nicht nur beim Bildergucken von der ersten gemeinsamen Frankreich-Reise, sondern auch wenn die Sprache auf Lehrerin Barbara Buddemeier (hinten auf der Leiter) kommt.

Quelkhorn - Von Petra Holthusen. „Monsieur Lapin“ hat ein bisschen Sehnsucht nach Frankreich: „Oh, da will ich gern wieder hin“, sagt Arne Krüger-Brörken schwärmerisch. Er war der Monsieur Lapin („Herr Hase“) in dem kleinen französischen Theaterstück, das seine Gruppe im August als Gastgeschenk mit in die Bretagne nahm. Dass die Reisenden aus Quelkhorn ihren „Monsieur Lapin“ als Zeitvertreib beim Warten auf den Schnellzug schon mal spontan auf einem Pariser Bahnsteig spielten, entzückte nicht nur andere Fahrgäste, sondern lässt Arne und die anderen noch heute ausgelassen lachen. Wie auch viele andere Erinnerungen und Begegnungen, mal ganz zu schweigen von den himmlischen Crêpes...

Der Französischkurs am Parzival-Hof sprüht vor Begeisterung. Nicht nur, wenn die acht Teilnehmer von ihrer ersten gemeinsamen Frankreich-Reise als Krönung nach fünf Jahren Unterricht erzählen, sondern genauso, wenn die Sprache auf ihre Lehrerin kommt: „Barbara ist eine perfekte Frau. Sie macht das so gut – ich will immer bei ihr bleiben“, sagt Arne herzlich. Die Runde klatscht Beifall.

Anfang 2010 folgte Barbara Buddemeier, pensionierte Hochschullehrerin und am Quelkhorner Mühlenberg Nachbarin des Parzival-Hofs, des Lebens- und Arbeitsortes für Menschen mit Behinderung, einem Impuls von Hof-Gründer Helmut Pohlmann: Sie bot einen Französischkurs an für Menschen mit und ohne Behinderung; einen inklusiven Sprachkurs, als das Wort Inklusion noch nicht in aller Munde war. Grundgedanke dabei: Die Begegnung mit einer neuen Sprache und anderen Menschen erweitert den Horizont und stärkt das Selbstvertrauen.

Janina Moesicke, betreute Mitarbeiterin in der Weberei des Parzival-Hofs, und Hans-Wilhelm Kufferath, Musiker im Ruhestand aus Bremen, sind von Anfang an dabei. Arne Krüger-Brörken, Felix Goldenberg, Ferenc Meyer, Timo Wolf und Nicolas Ihmels, betreute Mitarbeiter in der Gärtnerei oder in der Landwirtschaft des Parzival-Hofs, sowie Elisabeth Espersen, Erzieherin aus Fischerhude, kamen nach und nach dazu. Jeden Dienstag um punkt 19 Uhr heißt es erwartungsfroh „Bonsoir“ bei Barbara Buddemeier unterm Dach.

Die Lehrerin war es gewohnt, Studierende auf den Beruf als Französischlehrer vorzubereiten, hatte aber auch Französisch-AGs an einer Bremer Grundschule geleitet. „Mich reizte es, eine ganz neue Lerngruppe für Frankreich und insbesondere dessen Sprache und Kultur zu begeistern“, schildert Barbara Buddemeier. Ihr geht es nicht um strammen Fortschritt, ums Büffeln für fremdbestimmte Lernziele, sondern um die Freude am Neuen und am Lernen: „Nur so ist es wirklich bereichernd!“ Und zwar für beide Seiten: „Die Kursteilnehmer geben mir soviel zurück, dass ich weiß: Der Einsatz lohnt sich“, sagt Barbara Buddemeier, die den Französischkurs komplett ehrenamtlich leitet.

Bei den kreativen Lehrmethoden greift sie auf ihre Erfahrungen mit Grundschulkindern zurück: Mit Bewegungsspielen, Liedern, Gedichten und kleinen Theaterstücken erschließen sich die „Französischlehrlinge“ die fremde Sprache spielerisch und aktiv handelnd. Ob beim virtuellen Kofferpacken für die Reise, beim Feiern jahreszeitlicher Feste oder bei „Monsieur Lapin“: Man bewegt sich wie selbstverständlich voller Begeisterung im Französischen. Leistungsdruck gibt es nicht, und bei diesem Lernen ohne merkliche Anstrengung oder gar Angst lösen sich Blockaden in nichts auf. Das weiß auch Elisabeth Espersen zu schätzen: „In der Schule habe ich da ganz andere – schlechte – Erfahrungen gemacht.“

Auch für die Betreuten vom Parzival-Hof sind die Stunden mit Barbara Buddemeier Freizeitvergnügen pur. Aber „wir kommen damit auch unserem Bildungsauftrag nach“, betont Heimleiter Stefan Bachmann.

Aufwändig war die monatelange Planung der Bildungsreise nach Frankreich – nicht nur im Kurs bei der intensiven Vorbereitung der Teilnehmer, sondern auch bei der Suche nach einem Austauschpartner und einem Finanzierungskonzept.

Dank großzügiger Förderungen durch das Deutsch-Französische Jugendwerk, das mit dem Schwerpunkt „Disparität und Partizipation“ den Inklusionsgedanken unterstützt, sowie der „Elternstiftung Lebensgemeinschaften“ ging’s für den Quelkhorner Kurs im August unter Leitung von Barbara Buddemeier, Helmut Pohlmann und Angela Riddermann für acht aufregende Tage in die Bretagne zur ersten Begegnung mit den neuen französischen Partnern: einem Verband zur Förderung ländlicher Kulturarbeit in Redon und einem Heim für Menschen mit Förderbedarf in Allaire. Ob bei den gemeinsamen bretonischen Spielen, dem legendären Fünf-Gänge-Menu oder beim Sightseeing in Rennes: „Ich habe gestaunt, wie sie in Frankreich mit der Sprache klar gekommen sind“, macht Barbara Buddemeier ihren Schützlingen ein Kompliment.

Der Abschied von den neuen Freunden in der Bretagne fiel schwer. Umso eifriger wird im Kurs jetzt auf den Gegenbesuch der französischen Gruppe in Quelkhorn hingearbeitet, organisatorisch wie sprachlich. Spätestens 2017 soll es soweit sein. Bis dahin werden einzelne Kontakte bestmöglich am Laufen gehalten – Facebook sei Dank...

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