Hausarztpraxis Hofinga & Menke verimpft diese Woche 144 Biontech-Dosen

Freude im Fünf-Minuten-Takt

Dr. Bernd Menke impft Rudi Gohl (72) gegen Covid-19.
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Dr. Bernd Menke impft Rudi Gohl (72) gegen Covid-19.

Ottersberg – Lieber rechter oder linker Arm? „Das ist mir ganz egal, Herr Doktor“, sagt Rudi Gohl, „Hauptsache, ich werde geimpft.“ Dr. Bernd Menke entscheidet sich für links, ein kurzer Piks, und Sekunden später hat der 72-jährige Patient seine erste Dosis Biontech intus. Spürbar erleichtert: „Ich habe schon so lange danach gefragt“, erzählt der ältere Herr, „ich möchte doch meine Enkel in Sachsen-Anhalt mal wieder sehen...“ Mit der Schutzimpfung gegen Covid-19 sind die Aussichten gut.

Rudi Gohl ist am Freitag der erste in einer Reihe von 72 Patienten, die an diesem Nachmittag in der Hausarztpraxis Hofinga & Menke im Gesundheitszentrum in Ottersberg gegen die Coronavirus-Erkrankung geimpft werden. Im Fünf-Minuten-Takt kommen die, die einen Termin ergattern konnten, in die Praxis. „Die Leute sind einfach froh, dass es vorangeht“, sagt Menke. Dass die Hausärzte seit dieser Woche in die Corona-Impfstrategie eingebunden sind, um das Impftempo im Land zu beschleunigen, findet er gut.

Dafür verzichten er und sein Team bis auf Weiteres auf ihre freien Mittwoch- und Freitagnachmittage und satteln in Summe einen Wochenarbeitstag obendrauf. Aber innerhalb der regulären Sprechzeiten auch noch zu impfen, „das würde ganz chaotisch“, meint Menke. „Wir sind terminkalendertechnisch schon zu normalen Zeiten am Limit.“ Die üblichen Sprechstunden zu verkürzen, kam deshalb auch nicht in Frage: „Da würden uns die anderen Patienten schön aufs Dach steigen.“ Also entschieden sich Menke und Kollege Andreas Hofinga, die Impftermine in eigentlich freie Zeiten zu legen: mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr. Beide impfen parallel je zwölf Patienten pro Stunde, zusammen 72 an einem Nachmittag.

Der Zeitplan ist auf die Impfstoff-Dosen ausgerichtet, die der Hausarztpraxis mit ihren insgesamt drei Ärzten wöchentlich zur Verfügung stehen: „Im Schnitt 50 pro Nase.“ Je nach Verfügbarkeit: Diese Woche sind es 144, nächste Woche werden nur 108 geliefert, weiß Menke schon. Verimpft wird das Vakzin von Biontech/Pfizer.

Der Ablaufplan ist minutiös, um die Impfkandidaten bestmöglich durch den Nachmittag zu schleusen und dabei große Ansammlungen zu vermeiden. Jeder Geimpfte muss noch 15 Minuten in der Praxis bleiben – für den Fall einer allergischen Reaktion. Solche oder andere Probleme gab es zum Auftakt am Mittwochnachmittag, als die ersten 72 Dosen ihre dankbaren Abnehmer fanden, nicht: „Das hat alles super funktioniert“, sagt Menke zufrieden.

Die Praxis vergibt Impftermine nicht von sich aus: Stattdessen können ihre Patienten der derzeit aufgerufenen Gruppe 2, also Menschen über 70 Jahre oder mit hoher Priorität, weil chronisch krank, ab Dienstagmorgen anrufen, um für den Mittwoch oder Freitag der jeweiligen Woche berücksichtigt zu werden. Vorigen Dienstag glühten die Drähte: „Die Mitarbeiterinnen in der Anmeldung hatten heiße Ohren.“

Die 144 Termine für diese Woche waren mittags vergeben. Wer nicht oder zu spät durchkam, muss sich nächsten Dienstag wieder melden. 60 bis 80 Anrufer, schätzt Menke, gingen diese Woche fürs Erste leer aus.

Wer nicht zur Gruppe 2 gehört, kann sich den Anruf ohnehin sparen. Dass manche es trotzdem versuchen, kann Menke verstehen: „Die Leute haben einfach die Nase voll – sie wollen geimpft werden.“ Von Dränglern würde er deshalb nicht sprechen. Allerdings müssten sich seine Mitarbeiterinnen schon die eine oder andere wüste Beschimpfung von verständnislosen Patienten anhören. In solchen Fällen sei er in seinem Sprechzimmer froh, dass „wir hier schalldichte Wände haben“, so Menke scherzhaft.

Im Übrigen sind in Ottersberg auch noch über 80-Jährige ohne Impfung: „Es gibt einige, die gesagt haben, nach Verden zum Impfzentrum fahre ich nicht hin.“ Die seien dankbar, dass sie jetzt zu ihrem Hausarzt gehen könnten. Besonders Schutzbedürftige hat die Praxis auch im Blick, wenn mal eine Impfdosis übrig bleibt: „Dann gucken wir, wen wir anrufen können: Wer ist relevant, wer kann schnell kommen?“ So wie am Freitag, als ein Ehepaar seinen Termin absagte und Menke die beiden Impfdosen abends noch zwei Bewohnern in einem Altenheim verabreichte.

Von Petra Holthusen

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