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Im Fischerhuder Ortsrat geht’s meist lebhaft zu

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Von: Tobias Woelki

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Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf mit einem Lieblingsstück, einem Bild des Quelkhorner Malers Erhart Mitzlaff.
Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf mit einem Lieblingsstück, einem Bild des Quelkhorner Malers Erhart Mitzlaff. © Woelki

Fischerhude – Dass Ortsratssitzungen in Fischerhude zuweilen unterhaltsam sind, hat sich herumgesprochen. Fischerhudes Kommunalpolitiker diskutieren gerne, oftmals emotional und leidenschaftlich, und die Einwohner diskutieren in den öffentlichen Fragestunden gerne mit. Themen gibt’s genug.

Ob der geplante Ruheforst in der Surheide, das Ausweisen von Bauland, die bauliche Gestaltung der historischen Fischerhuder Ortsmitte oder die Umnutzung großer landwirtschaftlicher Gehöfte – Fragen wie diese beschäftigen den Ortsrat seit Jahren.

Seit fast elf Jahren leitet Wilfried Mittendorf (Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg, kurz FGBO) als Ortsbürgermeister die Sitzungen. Viele heftige Diskussionen hat er bereits erlebt. „Im Ortsrat herrschte ein raues Klima. Das hat sich aber in den vergangenen Jahren gebessert. Das klappt manchmal gut, manchmal weniger gut. Ich würde mir in den Redebeiträgen generell mehr Sachlichkeit wünschen“, sagt Wilfried Mittendorf, der 1991 erstmals in den Ortsrat Fischerhude gewählt wurde und seit 2011 Ortsbürgermeister ist.

„Der Ortsrat diskutiert Themen ausgiebig, weil neben den sieben gewählten Mitgliedern auch 13 Gemeinderatsmitglieder aus der Ortschaft in beratender Funktion dazugehören“, erklärt Mittendorf. Besonders bei Bauvorhaben prallen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Zumal der Naturraum der Wümmeniederung Baulandausweisungen einschränkt. „Viel Baubewegung ist nicht mehr möglich, weil sich Fischerhude wegen der Wümmeniederung im Außenbereich nicht mehr ausdehnen kann. Wir achten darauf, dass sich kleinere Baugebiete innerorts in die bestehende Landschaft und die vorhandene Bebauung integrieren“, sagt Mittendorf.

„Als Ortsrat stehen wir vor der Frage, wie wir mit großen Hofstellen und einer Nachnutzung umgehen. Das Thema wird uns in Zukunft beschäftigen“, ergänzt Mittendorf. Anders sehe es in Quelkhorn aus, wo der Ortsrat kleinere Baugebiete ausweisen ließ und auch künftig Entwicklungschancen sieht in Bereichen beidseits der Quelkhorner Landstraße, in denen weitere Flächen in Bauland umgewandelt werden könnten.

Auf der Kirchstraße klappern die Steine. „Hier muss was getan werden“, sagt der Ortsbürgermeister.
Auf der Kirchstraße klappern die Steine. „Hier muss was getan werden“, sagt Ortsbürgermeister Mittendorf. © Woelki

Um den Charakter von Fischerhude zu bewahren, beschloss die Politik nach vielen Jahren heftigster Diskussionen eine Gestaltungssatzung für den Ortskern, die nun erstmalig bei Bauanträgen Anwendung findet. „Die Gestaltungssatzung regelt die Bauweise von Objekten in der Ortsmitte Fischerhudes, damit sie sich in die vorhandene Bebauung einfügen“, sagt der Ortsbürgermeister als Verfechter der Satzung. Das nächste Großprojekt im Dorfkern liegt bereits auf dem Tisch. Mittendorf: „Investoren haben die Grünfläche zwischen der Kirche und dem Puppencafé erworben. Sie möchten dort Wohnungen bauen.“ Alles streng nach den politisch vorgegebenen Kriterien. Kritisch sieht der Ortsbürgermeister dagegen manche Wünsche von Anliegern der Molkereistraße, die Wohnbebauung in Richtung Wümmewiesen auszudehnen. „Das will man nicht“, betont Mittendorf den politischen Konsens.

Gesucht: ein Gedenkort für die Fischerhuder Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek.
Gesucht: ein Gedenkort für die Fischerhuder Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek. © Woelki

Ein anderes Problem sei die Planung des ruhenden Verkehrs. Viele im Dorf glaubten, dass die Zahl der Parkflächen vor allem für Touristen nicht ausreiche. Der Ortsbürgermeister hat dazu eine andere Meinung: „Wenn wir das Parkverhalten der Gäste innerhalb der Woche sehen, dann verfügen wir über genügend Parkflächen. Ich kann mir vorstellen, den Parkplatz neben dem Feuerwehrhaus zu erweitern. Dort existieren vier Parkbuchten. Wir hätten die Möglichkeit, eine fünfte einzurichten.“

In Quelkhorn ist ein neues Baugebiet gewachsen. Das Flächenmanagement ist ein sensibles Thema.
In Quelkhorn ist ein neues Baugebiet gewachsen. Das Flächenmanagement ist ein sensibles Thema. © Woelki

Noch etwas fällt Mittendorf auf: „Die Fahrrad- und Fußwege, wie etwa an der Quelkhorner Landstraße, sind in einem schlechten Zustand. Da muss etwas getan werden. Auch die Kirchstraße in Fischerhude ist ein Problem, weil die Pflastersteine hochkommen und schwere Traktoren Spuren in die Straße hineingefahren haben.“

Dass die Gemeinde die Grundschule Fischerhude um eine Mensa erweitert hat, freut Mittendorf: „Die Schulkinder müssen optimal versorgt werden.“ Er denkt noch an eine andere Nutzung: „Mit dem Mensabau bekommt der Ort einen Veranstaltungsraum, den man sicherlich auch für Abendveranstaltungen nutzen kann.“ Mittendorf fügt hinzu: „Das Kulturleben im Wümmeort mit den Kunstmuseen und Konzertveranstaltungen ist sehr vielfältig.“ Im Tourismus sehe er die Chance, „dass die Gäste zu uns kommen, den Ort und die Landschaft kennenlernen. Davon lebt auch unsere Gastronomie.“

Wichtig sei dem Ortsrat zudem der Erhalt der Grundversorgung, betont der Ortsbürgermeister.

Auch setzt sich Mittendorf für Erinnerungskultur ein. So plant er mit weiteren Mitstreitern des Cato-Arbeitskreises, einen Erinnerungsort für die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek in Fischerhude einzurichten.

Von Tobias Woelki

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