Pandemie stellt „Hilfe und Tat“ vor große Herausforderungen – und Müllberge

Humanitäre Arbeit in Zeiten von Corona

Günter Grajetzky
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Günter Grajetzky, Vorsitzender des humanitären Vereins „Hilfe und Tat“.

Ottersberg/Fischerhude – Coronabedingt mit einigen Monaten Verspätung und in nur kleinem Kreis traf sich der humanitäre Ottersberger Verein „Hilfe und Tat“ jetzt zur Jahreshauptversammlung im Fischerhuder Gasthof Bellmann.

Die Pandemie und ihre Auswirkungen prägten auch den Jahresrückblick des Vorsitzenden Günter Grajetzky. „Corona hat nicht nur unseren Tourenplan durcheinander gebracht – wir standen vor völlig neuen Aufgaben“, schilderte er. Trotz vieler Schwierigkeiten und massiver nervlicher Belastung sei es dem harten Kern aber gelungen, fast alle geplanten Hilfsgütertransporte ins Ermland-Masuren abzuwickeln.

Die bereits organisierte erste Tour im März musste allerdings ausfallen, denn wegen der hohen Inzidenzwerte in Polen hatte man kurzerhand die Grenzübergänge geschlossen. Das hieß, die Fahrzeuge mit Pflegebetten an Bord mussten mit erheblichem Zeit-und Kraftaufwand vorerst wieder abgeladen und eingelagert werden, berichtete der Vorsitzende. Der erste Transport nach Braniewo und Biskupiec konnte im Mai starten, allerdings nur mit Unterstützung der Repräsentantin der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, die die erforderlichen Einfuhrunterlagen besorgte. Grajetzky dankte noch einmal dem kleinen Kreis seiner verlässlichen Fahrer, die mit ihm das gesundheitliche Risiko bei dieser Tour eingegangen waren.

In allen Empfangsstationen war die Freude groß, denn die Hilfsgüter wurden dringend erwartet. Die Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Braniewo begrüßte die Crew mit feuchten Augen und den Worten: „Dass ihr noch in dieser Situation an uns denkt.“ Auch der Bürgermeister von Gorowo Ilaweckie honorierte die humanitäre Arbeit in Corona-Zeiten mit einem gemeinsamen Essen im Rathaus.

Weniger emotional thematisierte Grajetzky den enormen Anstieg von Spenden, die sich als Müll entpuppen. Viele Spender hätten die Pandemie zum Aufräumen genutzt und den Abfall unter die gute Bekleidung gemogelt, berichtete er sichtlich verärgert: Das ehrenamtliche Packteam sei nicht dazu da, zerrissene Lumpen, total verschmutzte Kleidung, vollgekotete Unterhosen, Einzelschuhe oder ausgetretene Latschen ohne Sohle, brettharte, ausgefranste Handtücher und zerschnittene Tischdecken zu entsorgen. An Dreistigkeit kaum zu überbieten gewesen sei die Abgabe von Nudelpaketen und Ketchupflaschen mit Verfallsdatum 2003 sowie eines funktionsfähigen Elektroschockers. „Das ist keine humanitäre Unterstützung sondern eine absolute Frechheit. Die Menschen im Ermland-Masuren sind zwar bedürftig, aber keine Müllschlucker“, machte sich der Vorsitzende Luft.

Stellvertretend für die erkrankte Schatzmeisterin Heide Sanders präsentierte der zweite Vorsitzende Heinz Kuhr den Mitgliedern einen soliden Kontostand. Dank des großzügigen finanziellen Zuschusses vom Landkreis und beträchtlicher Privatspenden schreibt der Verein zwar schwarze Zahlen, dennoch ist Sparsamkeit angesagt, denn es fehlen die Einnahmen vom Ottersberger Markt und Fischerhuder Weihnachtsmarkt. Einen Großteil der jährlichen Kosten verschlingt der in die Jahre gekommene Fuhrpark. Besonders große Reparaturen reißen ein nicht kalkulierbares Loch in die Vereinskasse, so hieß es. Ein besonderer Dank ging an den Posthausener Ortsbürgermeister Reiner Sterna, der dem Verein eine Summe von 1000 Euro beschert hatte.

Spendenannahme

An jedem ersten Samstag im Monat, das nächste Mal am 7. August, nimmt „Hilfe und Tat“ auf dem Gelände der Firma Ralf Schulz Kälte-Klimatechnik an der Max-Planck-Straße 11 im Gewerbegebiet Achim-Ost von 9 bis 12 Uhr Sachspenden entgegen. Infos unter www.hilfe-und-tat.eu.

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