„Ottersberger Geschichtsheft No. 5“ erzählt von Auswanderern nach Amerika

Hoffen auf ein besseres Leben

Friedrich Bartels und Autorin Ute Fetkenhauer von der Geschichtswerkstatt des Kulturvereins im Rektorhaus stellten das druckfrische „Ottersberger Geschichtsheft No. 5“ vor, das Ottersberger Auswanderern nach Übersee, ihren Beweggründen und ihrem Werdegang nachspürt. - Foto: Holthusen

Ottersberg - ottersberg - Sie verkauften alles Hab und Gut, ließen Heimat und Zuhause hinter sich und wagten sich mit nur wenig mehr als nichts in der Tasche in eine neue Welt, von der sie kaum etwas wussten, deren Sprache sie nicht konnten – aber in der sie sich eine lebenswerte Existenz für sich und ihre Kinder aufzubauen hofften. Nicht Abenteuerlust, sondern Armut oder Verfolgung bewog (und bewegt) Menschen auszuwandern. „Auswanderung – Von Ottersbergern, die sich in Amerika ein besseres Leben erhofften, und eingewanderten Ausländern“ erzählt das druckfrische „Ottersberger Geschichtsheft No. 5“.

Das in 250er Auflage gedruckte Büchlein stellte die Geschichtswerkstatt des Ottersberger Kulturvereins im Rektorhaus jetzt vor. Als Autorin zeichnet – wie schon beim Geschichtsheft No. 4 über den Ortsteil Bahnhof, das aufgrund der Nachfrage bereits nachgedruckt werden musste – Ute Fetkenhauer verantwortlich. Sie arbeitete sich seit Frühjahr zunächst durch überregionale Fachliteratur – „um ein Gefühl für das Thema im Großen zu bekommen“ – und forschte dann in Ottersberger Chroniken und Archiven, insbesondere mit Unterstützung der Ortschronisten Günther Wiggers und Karl-Heinz Dörl, nach Lebenswegen von Ottersberger Auswanderern.

Allein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machten sich etwa 50 Söhne und Töchter alteingesessener Familien auf in die unbekannte Fremde in der Hoffnung auf Arbeit und Auskommen. Über sie war mehr in Erfahrung zu bringen als über die Unzähligen in den Jahrzehnten zuvor. Einige schrieben Tagebuch oder Briefe nach Hause, so dass ihre Erlebnisse und ihr Werdegang näher beschrieben werden konnten.

Neuanfang war schwierig

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wanderte der Ottersberger Tischler Ludolf Lemmermann nach Amerika aus. Die zweimonatige Schiffsüberfahrt war die Hölle, der Neuanfang hart. „Wer hier etwas verdienen will, der muß noch schwerer arbeiten als in Deutschland, denn bei einem Englisch Man heißt es quick, auf deutsch geschwind“, schrieb Lemmermann 1847 aus New Orleans nach Hause. Auch die Lebenswege von Gerhard Danker, Martha und Henry Blome, Johann Otterstedt, Ida Schloh und Annemarte Jipp zeichnet Autorin Ute Fetkenhauer in dem Geschichtsheft nach.

Kleine Abschnitte sind Hollandgängern und Zuckerbäckern in England sowie türkischen Einwanderern in Ottersberg und Neubürgern aus Syrien gewidmet, ein größeres Kapitel dem Ottersberger Verein in New York – gegründet 1876 von 17 Einwanderern, die im Verein heimatliches Kulturgut und die plattdeutsche Sprache pflegten und die sich in ihren Berufen so viel erarbeiten, dass sie die Menschen in der alten Heimat unterstützen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg schickte der Ottersberger Verein Bohnenkaffee und Medikamente aus New York. 1991 löste sich der Verein auf: Die Nachkommen, längst waschechte Amerikaner, hatten den Bezug zur Heimat ihrer Vorfahren verloren.

Hefte kosten 2 Euro

Das druckfrische „Ottersberger Geschichtsheft No. 5“ ist ab sofort zum Preis von 2 Euro bei Ute Fetkenhauer (Telefon 04205-7347) und bei Jochen Mahnke (Telefon 04205-779998) erhältlich. Am kommenden Samstag, 10. Dezember, verkauft der Kulturverein das Büchlein von 10 bis 12 Uhr an einem eigens eingerichteten Stand im Rewe-Markt in Ottersberg.

Das „Ottersberger Geschichtsheft No. 6“ wird sich mit alten Geschäften und Gasthäusern im Ort befassen. Wer dazu alte Fotos, Schriftstücke oder andere Dokumente beitragen kann, wird gebeten, sich an den Leiter der Geschichtswerkstatt, Friedrich Bartels, zu wenden (Telefon 04205-1836).

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Mehr zum Thema

Ottersberger Geschichtsheft No. 1: Die Ottersberger Mediziner Dr. Bruno Komes und Dr. Fritz Reuscher

Ottersberger Geschichtsheft No. 3: 100 Jahre Schule am Brink

Ottersberger Geschichtsheft No. 4: Wie der Bahnhof einen neuen Ortsteil schuf

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