Höhere Netzentgelte und staatliche Abgaben: E-Werk Ottersberg kalkuliert neu

Strompreis steigt um 10 %

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Helge Dannat, Chef des gemeindeeigenen Elektrizitäts-Werks Ottersberg (li.), und die beiden Vertriebsmitarbeiter Julika Ernst und Hajo Buthmann erläuterten gestern die Strompreiserhöhung zum 1. Januar.

Ottersberg - Erstmals nach drei Jahren erhöht das Elektrizitäts-Werk Ottersberg (EWO) zum 1. Januar 2016 den Strompreis für seine rund 4700 Kunden im Gemeindegebiet. Der Strompreis steigt um 10% – für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das 60 bis 80 Euro Mehrkosten pro Jahr. Darüber informierten gestern Nachmittag in einem Pressegespräch EWO-Betriebsleiter Helge Dannat und die beiden Vertriebsmitarbeiter des gemeindeeigenen E-Werks, Hajo Buthmann und Julika Ernst.

Im Grundversorgungstarif des EWO kostet der Strom pro Kilowattstunde (kWh) ab dem neuen Jahr 2,27 Cent mehr: 28,97 Cent statt 26,70 Cent. Allein 1,71 Cent der Erhöhung machen laut Dannat die neu kalkulierten Netzentgelte aus, 0,54 Cent die gestiegenen staatlichen Abgaben und Steuern. „Dafür kaufen wir den Strom um 0,3 Cent günstiger ein, was wir auch weitergeben an die Kunden“, erklärte Dannat die Anpassung um 2,27 Cent pro kWh. „Mit der Erhöhung bewegen wir uns auf dem Niveau anderer Anbieter in der Region und sind immer noch preiswert“, betonte Buthmann.

„Staatliche Steuern, Abgaben und Umlagen machen inzwischen über die Hälfte des Strompreises aus“, erläuterte der EWO-Chef. Neben Abgaben nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, der Industrie-Umlage und der Off-Shore-Haftungsumlage, die der Stromversorger abführen muss, ist laut Dannat allein die Abgabe nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz für das EWO um 49% gestiegen.

Korrigiert und neu kalkuliert hat das EWO nach dem Betriebsleiterwechsel Mitte 2014 und dem immer noch in der Aufarbeitung befindlichen buchhalterischen Desaster der Jahre davor die Netzentgelte. „Die waren für einen Flächenversorger wie uns fehlerhaft und hoch defizitär“, so Dannat. Das habe bei seinen Verhandlungen auch die Bundesnetzagentur verstanden und neue Netzentgelte ab 2016 genehmigt. Das bringe dem EWO 200000 Euro mehr im Jahr und statt eines Defizits dann „eine kleine Eigenkapitalverzinsung“.

40 Mio. kWh fließen jährlich durchs Netz des EWO; 25 Mio. kWh davon vertreibt der kommunale Stromversorger selbst.

Der lange defizitäre Netzbereich schlägt ebenso wie das technisch und betriebswirtschaftlich lange falsch geführte Blockheizkraftwerk auch im jetzt aufgearbeiteten und in der Wirtschaftsprüfung befindlichen Jahresabschluss 2012 des EWO zu Buche, der laut Dannat ein Minus von 600000 Euro ausweist. Die Verluste der Vergangenheit würden aber von der Gemeinde getragen und seien nicht Grund für die jetzige Strompreiserhöhung, stellte Dannat klar. 2016 will das E-Werk weiter in den Netzausbau investieren und damit laut Buthmann „Versorgungssicherheit schaffen“. Geplant ist unter anderem eine neue Mittelspannungs-Trasse von der Friedhofs- bis zur Großen Straße. Außerdem geht das Werk mit einem Online-Produkt an den Start, das bei Vertragsabschlüssen via Internet mit einem günstigeren Tarif lockt.

pee

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