Heiße Luft macht holzzerstörenden Insekten in Posthausener Kirche den Garaus

Schluss mit Knuspern

Luftschläuche führen in die Kirche.
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60 bis 70 Grad heiß ist die Luft, die zur Abtötung holzzerstörender Insekten in die Lukas-Kirche geblasen wird.

Posthausen – Der Bunte Nagekäfer und einige Artverwandte haben sich im Gebälk der Posthausener Lukas-Kirche „in den letzten Jahren sehr wohl gefühlt“. Nicht, dass Pastorin Constanze Ulbrich den Tierchen das nicht gegönnt hätte. Aber mit der Wellness-Oase im Gotteshaus ist jetzt trotzdem Schluss – denn leider handelt es sich bei den gefräßigen Untermietern um holzzerstörende Insekten, die im schlimmsten Fall die Statik eines Gebäudes gefährden können. Deshalb rückt die Kirchengemeinde Nagekäfer & Co. nun mit heißer Luft zu Leibe: „Wir hyperthermieren die Insekten“, erklärt die Pastorin. Auf 60 bis 70 Grad erhitzte Luft wird in die Lukas-Kirche geblasen und tötet die Tiere ab.

Zwei Wochen lang ist die damit beauftragte Firma IRT (Innovative Restaurierungs-Technik) aus Lippstadt in Posthausen beschäftigt und bringt ihr spezielles Heißluftverfahren zum Einsatz: Mobile Ölbrenner vor der Kirche erzeugen die Wärme, die über dicke Schläuche durch ein Rosettenfenster ins Gebäude gepustet und gezielt zu den befallenen Stellen geleitet wird – zu den Holzbauteilen in Glockenturm, Dachstuhl und Treppenaufgängen. Rauchgas wird zuvor herausgefiltert, sodass reine Luft in die Kirche geblasen und über eine zweite Leitung wieder abgesaugt wird.

Dass die Treppenaufgänge zu den Emporen nachzugeben begannen, war den Verantwortlichen in der Lukas-Kirchengemeinde vor zwei, drei Jahren aufgefallen. In der berechtigten Annahme von Schäden am Holz informierten sie das landeskirchliche Amt für Bau- und Kunstpflege, das zur näheren Untersuchung einen Analysten schickte. Der Experte horchte jede einzelne Holzlatte mit seinem Richtmikrofon ab – und es war zu hören, „dass da jemand knuspert“, schildert Constanze Ulbrich. Der Fachmann konnte anhand der spezifischen Fraßgeräuschmuster sogar analysieren, „wer genau da knuspert“. Im Kirchturm beispielsweise der Bunte Nagekäfer.

Errichtet wurde die Posthausener Kirche 1852 als klassizistischer Ziegelbau. „Damals wurden im Inneren noch Baumstämme mit Borke eingebaut“, weiß die Pastorin. Weshalb anzunehmen ist, „dass schon immer irgendwas im Holz war“. Dass im Laufe der Jahrzehnte auch immer mal wieder Schädlingsbekämpfung betrieben wurde, davon zeugen Spuren an verschiedenen Bauteilen.

Nun war angesichts spürbarer Schäden durch holzzerstörende Insekten erneutes Handeln angesagt – „eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr“, so Constanze Ulbrich. Ein Sanierungsplan wurde erstellt, das Kostenvolumen ermittelt. Rund 60 000 Euro kostet die Schädlingsbekämpfung per Heißluftverfahren. 80 Prozent davon bezahlt der Kirchenkreis, etwa 12 000 Euro muss die Lukas-Kirchengemeinde selber aufbringen. Das gelingt unter anderem durch Spendenaktionen. „Die Finanzierung steht auf sicheren Füßen“, sagt Pastorin Ulbrich. Im zweiten Schritt würden die Holzbauteile in der Kirche weiter beobachtet und beispielsweise schadhafte Ständer möglicherweise für die Statik verstärkt. Kein Bereich sei einsturzgefährdet oder ähnliches – „weil wir rechtzeitig interveniert haben“, betont Constanze Ulbrich. Für die Umsetzung sei extra das Frühjahr gewählt worden, „weil jetzt die Larven schlüpfen“. Die natürlich gleich mit vernichtet werden sollen.

Das Hyperthermie-Verfahren, das ohne chemische Keule auskommt, ist ausgeklügelt. Die heiße Luft darf nur gezielt an den befallenen Holzstellen wirken. Darüber hinaus soll das Kircheninnere unversehrt bleiben: „Es soll ja kein Lack abplatzen oder etwas in Brand geraten“, erläutert die Pastorin. Während es unter den Dachsparren richtig heiß ist, „sind im Kirchenraum selbst nur 25 Grad“. Die wertvolle Bethmann-Orgel von 1832 wurde mit einer speziellen Folie besonders gegen übermäßige Wärme abgedichtet und geschützt.

Dass die Kirche während der Sanierung nicht nutzbar ist, versteht sich von selbst. Da passt es ausnahmsweise mal, dass wegen der Corona-Pandemie die meisten Gottesdienste, wenn es eben geht, ohnehin unter freiem Himmel gefeiert werden...

Von Petra Holthusen

Mobile Ölbrenner erzeugen die heiße Luft, die über Schläuche eingeblasen und gezielt zu den befallenen Stellen in Glockenturm und Dachstuhl geleitet wird.

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