Zu Hause bei den Luthers

Förderverein der Christophorus-Gemeinde lädt zu Kammerspiel ein: „Die Tischreden der Katharina Luther“

Während er die berühmten Thesen an die Kirchentür schlug, kümmerte sich seine Frau um Haus und Hof. Die Tischreden der Katharina Luther sind, anlässlich des Reformationsjubiläums, Gegenstand einer szenischen Lesung am 20. Oktober in Ottersberg.

Ottersberg - Zu einem besonderen kulturellen Highlight lädt der Förderverein der Christophorus-Kirchengemeinde Ottersberg ein: Mit dem Kammerspiel „Die Tischreden der Katharina Luther“ erwartet die Zuschauer am Freitag, 20. Oktober um 19 Uhr eine außergewöhnliche literarische Darbietung in dem Ottersberger Gotteshaus. Das teilt Friedrich Bartels vom Förderverein der Kirchengemeinde mit.

Die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug schlüpft in die Rolle der ehemaligen Nonne Katharina von Bora. Als gebildete und des Lateins mächtige Ehefrau von Martin Luther stellt sie selbstbewusst und feinsinnig ihre weibliche Sicht auf das Zeitgeschehen dar. Dabei zeigt die lebenskluge Partnerin des großen Reformators eine natürliche Geistigkeit und tiefe weibliche Urteilskraft, wenn sie gleichsam beim Suppe-Rühren über Armut, Gehorsam oder das Werk ihres Mannes sinniert.

Das besondere Kammerspiel ‘Die Tischreden der Katharina Luther’ basiert auf dem Buch „Wenn Du geredet hättest, Desdemona – ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ von Christine Brückner. Der Gitarrist Jacob David Pampuch umrahmt die Aufführung mit Gitarrenklängen. Der Eintritt beträgt 6 Euro.

„Die Tischreden der Katharina Luther“ sind ein kleines, feines Kammerspiel mit anspruchsvollem Charakter. „Die 'ungehaltenen' Reden der ehemaligen Nonne Katharina von Bora an ihren angetrauten Mann Doktor Martinus Luther werden durch die szenische Aufführung tatsächlich wiederbelebt“, findet Bartels. Die heiter-ernste und tiefgründige Atmosphäre des Lutherhaushalts werde im aktuellen Heute direkt spürbar und hinterlasse beim

Katharina Luther „schmiss den Laden“

Publikum einen nachhaltigen Eindruck, der zum Nachdenken und humorvollen Weitersinnieren anregt.

Martin Luther hämmerte die 95 Thesen an die Kirchentür zu Wittenberg, Katharina Luther „schmiss den Laden“ und ertrug ein Leben lang den feinen Unterschied zwischen gesprochenem Wort und gelebter Wirklichkeit.

Die nur wenigen schriftlichen Zeugnisse aus ihrer Hand bezeugen, dass sie eine Frau der Tat war, dass sie dort aktiv wurde, wo die Studiosi nur andächtig zuhörten, dass sie verzieh, wo Luther urteilte …

In dieser szenischen Darbietung mit Elisabeth Haug tritt eine besondere Frau aus dem Schatten ihres berühmten Ehegatten in das Licht der weiblichen Urteilskraft.

Sie erfüllt den Raum mit Worten voller Gefühl und geistigem Verständnis, und berührt auch unsere Seelen wenn sie handfest fragt: „Martinus, du hast heute bei Tisch gesagt, wenn du noch mal freien würdest, dann wolltest du dir ein Weib aus Stein hauen, sonst müsstest du am Gehorsam aller Weiber verzweifeln. Hatte es denn mit den Gelübden nicht ein Ende, als ich das Kloster verließ?“

Lebenskluge und praktische Frau

Als lebenskluge und praktische Frau, die einen großen Haushalt zu führen hatte, gestattet sie dem Publikum einen Blick in das auch amüsante Alltagsgeschehen bei Luthers: „Ich habe euch einen Tee zubereitet, der ist gut gegen die Unlust. Achillea Millefolium, die gemeine Schafgarbe… trink, solange der Trunk warm ist, damit deine Unlust uns nicht alle ansteckt. Die schlimmste Krankheit ist die Unlust, und ich dulde sie nicht unter unserem Dach… Trink! Freu' dich! Spring fröhlich! Du wirst dick, du frisst zuviel in dich hinein, alle deine Plagen schiebst du auf den Teufel, aber heute Mittag hast du einfach zuviel vom Kohl gegessen!“ Katharinas tiefes Gottvertrauen und verwirklichte Geistigkeit wird in ihrem Schmerz um das verlorene Kind aufgezeigt, wenn sie kritisch anmerkt: „Lass mich doch weinen, Martinus! Weinen ist besser als hadern. Gott hat uns dieses Kindlein gegeben und hat es uns auch wieder genommen. Du betest mehrmals täglich ’Herr, Dein Wille geschehe!’ Nun lass ihn auch geschehen!“

„Auf einzigartige Weise gelingt in diesem Kammerspiel die Wiederbelebung eines tief verstandenen, christlichen Ethos, eingebettet in Humor und Gottvertrauen“, verspricht Friedrich Bartels. Nicht zuletzt werde dieser Eindruck durch den einfühlsamen musikalischen Rahmen unterstrichen. Der Gitarrist Jacob David Pampuch versteht es mit seinen virtuosen Gitarren-improvisationen der „Katharinen-Musiken“, die spätmittelalterliche Stimmung zu erwecken.

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