David Schraven berichtet in Ottersberg über seine Recherchen in rechter Terrorszene

Harte Kost

David Schraven berichtete von seinem Recherche-Projekt „Weisse Wölfe“. - Foto: Hägermann

Ottersberg - Von Bernd Hägermann. „Hunde, jetzt bleibt mal locker!“, klang es aus dem Publikum. Bevor der Journalist David Schraven am Mittwochabend im Autonomen Zentrum Ottersberg (AZO) am Fährwisch von seinem Recherche-Projekt „Weisse Wölfe“, in dem er sich mit rechtem Terror beschäftigt, erzählen konnte, mussten erst einmal die bellenden Vierbeiner im Raum beruhigt werden. Als das gelungen war, gab es für die wenigen Zuhörer harte Kost.

Schraven hat für die Publizierung seiner Recherche die Form der Graphic Novel gewählt. Ursprünglich sollte das Werk im Carlsen-Verlag veröffentlicht werden, aber: „Die Verlagsleute haben irgendwann kalte Füße bekommen“, sagte Schraven. Gezeichnet wurde der Comic von Jan Feindt.

David Schravens journalistisches Interesse für den rechten Terror war geweckt nach einem Mord an einem Türken in Dortmund. Schon davor hatte es Morde in der Dortmunder Nordstadt, einem Viertel mit „rechtsradikaler Grundstruktur“, gegeben. Unter den Opfern waren auch drei Polizisten gewesen. Schraven knüpfte erste Kontakte und reiste dann nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort entdeckte er „ein von Nazis übernommenes Dorf“: „In der örtlichen Feuerwehr waren nur Nazis.“ Und der Gemeinderat? Hatte kapituliert, nachdem die Nazis in geballter Stärke aufmarschiert waren und die Mitglieder des Rates unter Druck gesetzt hatten.

David Schraven beschreibt und zeigt in „Weisse Wölfe“ seine Treffen mit Informanten und spricht von emotionalen Ebenen, die dafür aufgebaut werden mussten („Kein Mensch ist ein Monster“): „Ich habe einen Typen kennengelernt, der mir sein ganzes Leben erzählt hat. Er war Punker, wurde Straßen-Nazi, schließlich Terrorist. Eigentlich war er ein sozialer Mensch, dem irgendwann die Perspektiven verrutscht sind. Das Opfer war immer er, nie waren es andere. Total irre.“

Schraven dokumentiert in „Weisse Wölfe“ die Bedeutung von „Blood & Honour“, einem rechtsradikalen Netzwerk mit seinem bewaffnetem Arm „Combat 18“, das sich von England aus über das europäische Festland legte, auch über die USA; er schildert, wie mit den Erlösen aus rechtsradikaler Musik Anschläge finanziert werden, und wundert sich über einige Maßnahmen deutscher Geheimdienste. Optimistisch, dass sich die rechte Gewalt wirkungsvoll eindämmen lässt, ist er nicht. Im Gegenteil: „Die Zahl der Brandanschläge explodiert. Die rechten Terrorgruppen warten nur auf den richtigen Zeitpunkt für den Aufstand.“

Und Dortmund? David Schraven hat herausgefunden, dass dort jahrzehntelang „SA-Opas“ ihr Unwesen trieben und rassistische Gewalt beförderten. Diese Tatsache sei „konsequent verschwiegen“ worden. Laut Schraven habe sogar ein Dortmunder Oberbürgermeister eine Verbindung zwischen der guten Verkehrsanbindung Dortmunds und den Gewaltausbrüchen konstruieren wollen. Mehr Ignoranz und Dummheit geht wohl nicht.

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