Mehrfach auf der Spiegel-Bestseller-Liste

Buchautorin Mina Teichert ist in vielen Genres erfolgreich

+
Wahrheit und Fiktion: Das drei Wochen alte Pony-Fohlen Jasper ist eines von drei Ponys, das Mina Teichert auf dem Hof in Eckstever hält. Ihre jüngste Neuerscheinung ist das Kinder- und Jugendbuch „Ein Sommer zum Pferdestehlen“.

Eckstever - Von Lisa Duncan. Fantasy, Kinder- und Jugendbücher, romantische Romane für junge Frauen und mittendrin ein Ratgeber für Erwachsene mit der Wahrnehmungsfilterschwäche ADS – etliche Bücher hat die Ottersberger Autorin Mina Teichert schon veröffentlicht. Dabei arbeitete sie bereits mit namhaften Verlagen zusammen und schaffte es mehrfach auf die Spiegel-Bestseller-Liste. Trotz ihrer „chaotischen Arbeitsweise“, wie sie selbst sagt, legt sie offenbar eine beachtliche Produktivität an den Tag: Allein im Laufe des vergangenen Jahres waren es sechs Buchveröffentlichungen.

Im März erschien das Kinder- und Jugendbuch „Ein Sommer zum Pferdestehlen“. Darin muss die 13-jährige Klara erfahren, dass der alte Schrotthändler im Dorf die kerngesunde Irish-Cob-Stute Gypsy zum Schlachter bringen will. Kurzerhand entschließt sie sich mit ihrer Freundin Marei, das Tier zu retten: Sie spannen es vor einen alten Karren und fahren los. Ziel ist ein Resthof in den Niederlanden.

„Ich will natürlich niemanden zum Stehlen animieren“, sagt Teichert. „Es geht eher darum, etwas zu riskieren, um das Richtige zu tun. Diesen Funken Idealismus sollte man sich bewahren.“ In der Realität sieht Teichert Parallelen für diesen zivilen Ungehorsam, etwa in der „Fridays for Future“-Bewegung. Angeregt durch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, demonstrieren Kinder und Jugendliche freitags für eine bessere Klimapolitik, statt zur Schule zu gehen. „Ein anderes Beispiel wäre Zivilcourage. Da muss man aus seiner Komfortzone raus und bewusst entscheiden, vom Smartphone aufzublicken.“

Zu Hause auf einem Bauernhof in Eckstever

Teichert, die mit ihrem Mann und ihrer 16-jährigen Tochter auf einem Bauernhof in Eckstever wohnt, hat, wie bei fast allen ihren Büchern, persönliche Erfahrungen verarbeitet. Aktuell hält sie auf dem Hof die Ponys Lotta und Oskar und deren drei Wochen altes Fohlen Jasper. Viele Jahre lang hatte sie selbst eine Irish-Cob-Stute – eine Ponyart, die in Irland früher bei den fahrenden Kesselflickern, genannt „Tinker“, verbreitet war, erzählt Teichert.

Selbst nach Irland gereist ist Mina Teichert bisher nicht, da sie auf Reisen schnell das Heimweh packt. Schon der Medienrummel, der sie seit Jahren aufgrund der Buchveröffentlichungen heimsuchte, sei ihr etwas zu viel gewesen, verrät die 41-Jährige. „Buten un Binnen“, das ZDF, Pro Sieben, Sat.1 und der ORF hatten, primär wegen des auf eigenen Erfahrungen basierenden ADS-Buches „Neben der Spur, aber auf dem Weg“, bei ihr angefragt. „Interessant war für die wohl die Konstellation, dass es nicht das Kind, sondern die Mutter ist, die ADS hat.“ Ihre 16-jährige Tochter hat, wie Tests ergaben, kein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

„Guter Startschuss zum richtigen Zeitpunkt“

„Das Buch war jedenfalls ein guter Startschuss zum richtigen Zeitpunkt“, glaubt Mina Teichert. Danach hätten die Lektoren in den Verlagen ihr mehr Beachtung geschenkt. Mittlerweile brachte sie Titel bei Tienemann, Überreuter, Pieper und Eden Books heraus. Bei einem weiteren Verlag kommt demnächst noch ein Buch über ADS („Bruchlandung auf Wolke 7“) heraus.

Vom Online-Verlag Amazon Publishing will sie aber künftig weg. „Ich habe den Ehrgeiz, mehr in den Läden zu landen“, erklärt sie. „Ich habe Autorenkollegen, die können davon leben. Da möchte ich auch gerne hin.“

An die Realität angelehnt ist auch die Geschichte von „Ich wollt’ ich wär’ ein Kaktus“ (Januar 2019). Darin geht es um das Scheidungskind Lu, das mit der Mama in die Einliegerwohnung bei Oma Käthe ziehen muss. „Da ist viel von meiner Tochter drin.“ Denn ihre Tochter Luna stammt aus einer früheren Beziehung. Die habe sich beim Lesen an der Parallele nicht gestört. „Pechsträhnen färbt man pink“ (September 2018) heißt ein weiterer Roman für die junge Leserschaft, eine Art Inselkrimi.

Zittern bei jeder Veröffentlichung

Obwohl sie schon eine routinierte Autorin ist, zittert Teichert noch bei jeder Veröffentlichung, verrät sie. Eine Reaktion, die sie auf das ADS zurückführt. Vier bis sechs Monate lang schreibt sie meist an einem Buch, immer an einem Thema zur Zeit.

Teichert hat eine Agentin, die bei der Ideenfindung hilft und auch beim „Finish“ in Sachen Rechtschreibung. Dafür ist Teichert, die eine leichte Lese-Rechtschreibschwäche hat, besonders dankbar.

Privat hat die Ecksteverin ihre Mutter als Kritikerin. Tochter Luna interessiere sich derzeit „mehr für Netflix als für Bücher“ und ihr Mann sei mit dem Milchviehbetrieb komplett ausgelastet. Sie selbst hilft nur im Notfall auf dem Hof mit, das hatte das Ehepaar von Anfang an so geklärt.

Täglich schreibt Mina Teichert durchschnittlich fünf bis sechs Seiten – auch, wenn es ihr schwer fällt, geregelte Arbeitszeiten einzuhalten. „Ich rechne mein Pensum täglich von Neuem aus. Denn ich habe panische Angst davor, meine Deadlines für die Verlage nicht zu schaffen.“ Ihr Happy End im wahren Leben: Bisher sei das immer gut gegangen.

Weitere Infos auf der Homepage der Autorin

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Drama im Lama-Büro: Tagträume

Drama im Lama-Büro: Tagträume

Iran setzt ausländischen Tanker fest und verhaftet Crew

Iran setzt ausländischen Tanker fest und verhaftet Crew

EU-Treffen zur Seenotrettung im Mittelmeer endet ergebnislos

EU-Treffen zur Seenotrettung im Mittelmeer endet ergebnislos

Gesunder Schlaf: So finden Sie das ideale Kopfkissen

Gesunder Schlaf: So finden Sie das ideale Kopfkissen

Meistgelesene Artikel

Projekt zum Schutz der Bodenbrüter: Fallen in Heins schnappen zu

Projekt zum Schutz der Bodenbrüter: Fallen in Heins schnappen zu

Dreimal Hagen und zweimal Mindermann

Dreimal Hagen und zweimal Mindermann

Trauer um Hermann Behrmann

Trauer um Hermann Behrmann

Lebensgefahr: Ein Bauhof-Mitarbeiter ist zur Stelle, als Peter B. stürzt

Lebensgefahr: Ein Bauhof-Mitarbeiter ist zur Stelle, als Peter B. stürzt

Kommentare