Hans-Joachim Reich wirbt um Akteure für „La Strada“ in Rotenburg

Masken suchen Mitspieler

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Susanne Löning von der Kulturinitiative Rotenburg (KIR), Hans-Joachim Reich und Christiane Reich-Ludwig (von rechts) werben um weitere Mitmacher beim Masken-Walkact.

Ottersberg - Noch stehen sie friedlich auf drei Regalen im Atelier von Hans-Joachim Reich in der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen. Aber die Masken mit den vielen Gesichtern scheinen hellwach, richten ihre Augen auf Betrachter, als würden sie jemanden suchen, der zu einem ihrer Gesichter passt.

Manche fletschen eine gewaltige Zahnreihe, andere erinnern an Vögel oder andere Tiere. Einige sind freundlich im Ausdruck, andere nicht. Die Köpfe bestehen aus Pappmaché. Sie sind kleine Kunstwerke und ihre Herstellung beruht auf einem uralten Verfahren, das Spezialisten für die berühmte Basler Fasnacht anwendeten und bis heute anwenden.

Der Ottersberger Hochschuldozent für Theaterpädagogik, Hans-Joachim Reich, hat die künstlerische Anfertigung übernommen, hinterfragt, verfeinert und ist dabei zu einem Meister des Ausdrucks geworden. Maskenarbeit ist ein Schwerpunkt seiner Dozenten- und Lehrtätigkeit. Denn: Theaterpädagogik mit Masken setzt künstlerische Talente frei. Vor den Regalen mit den fertigen Masken zu stehen, lässt Fragen und Wünsche aufkommen: Welche Maske könnte zu mir passen? Wer möchte ich einmal sein? Gut oder böse? Verschlagen oder naiv? Wer hineinschlüpfen möchte in eine Persönlichkeit, die vielleicht sein bisher geheimes Inneres verkörpert, ist herzlich willkommen, denn der Künstler sucht noch Mitmacher für den großen Straßenzirkus „La Strada“ in Rotenburg vom 28. bis 30. August. Reichs Thema sind „Wümmepiraten“. Sie werden in Rotenburg stranden und auf der Geranienbrücke Quartier beziehen, um von dort ihr Unwesen zu treiben. Maskenträger werden sich mit improvisierten Darstellungen ins Geschehen einbringen und beim Masken-Walkact einen absoluten Hingucker bieten.

Das Ambiente der Brücke, das Wasser darunter, eingebettet in die einzigartige Kulisse der urtümlichen Wümme, verspricht viel Publikum. Texte müssen nicht gelernt werden. Wer sich sprachlich einbringen möchte, kann das in Absprache mit Hans-Joachim Reich tun. In der Regel bleiben die Maskenspieler aber stumm. Ihr Gesichtsausdruck spricht ohnehin Bände. Oft steht ein Maskenspieler einfach nur da. Schaut die Menschen an, macht ein paar sparsame Gesten, schaut wieder, das ist alles. In dieses Gebaren interpretieren Zuschauer hinein, was geht, und stets verselbständigen sich nach Reichs Erfahrung solche Auftritte zu einer Theaterinszenierung mit vorher unbekanntem, später aber faszinierendem Ausgang. Wer nicht möchte, muss danach sein wahres Gesicht nicht lüften, er kann unerkannt bleiben.

Dabei bleiben die „Wümmepiraten“ nicht unter sich. 13 Künstlergruppen aus neun Nationen werden in diesem Jahr mit ihren absurden Ideen, ihrem grandiosen Können und ausufernden Einfällen die Rotenburger Innenstadt in eine bildreiche Bühne unter freiem Himmel verwandeln. Hans-Joachim Reich wird mit seinen Masken zum vierten Mal dabei sein und viele Zuschauer freuen sich bereits auf sein mystisches Spiel. Er selbst schlüpft natürlich auch in ein anderes Gesicht, ist aber in der Regel an der spektakulärsten Maske zu erkennen, denn für sich selbst denkt er sich immer etwas ganz Besonderes für das Maskentheater aus. Derzeit arbeitet er noch an einem Großprojekt, das eine Figur mit mehreren Personen als Spieler darstellen soll. „Ich hatte, passend zum Thema Piraten, an eine Riesenkrake oder etwas ähnliches gedacht. Die könnte dann über die Geranienbrücke wandeln und mit ihren Armen nach dem Publikum greifen. Dazu braucht man aber Spieler, die ihren Auftritt vorher proben und gut zusammen agieren. Ich überlege noch. Es ist auch eine handwerkliche Herausforderung, aber für die gilt, die La Strada jedes Jahr zu toppen“, sagt Hans-Joachim Reich, der sich viele interessierte Mitmacher wünscht. Unter der E-MailAdresse: hans-joachim-reich@t-online.de können Interessierte Kontakt aufnehmen.

kr

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