100 Kilometer unterwegs

Marathon-Mann Marlon wirbt erfolgreich fürs „Bergwerk“

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Quelkhorn – Bei gut 97 Kilometern auf dem Zähler Schluss zu machen – das „fühlte sich einfach nicht richtig an“. Also drehte Ultra-Marathonläufer Marlon Bertzbach noch eine Extra-Runde über den Losberg, bevor er den Zieleinlauf am „Bergwerk“ ansteuerte. 100 Kilometer rund um Fischerhude und Quelkhorn hatte er angekündigt zu laufen – und 100 Kilometer ist er am Sonntag als Benefizaktion gelaufen, um zum Spenden für die Musikkneipe „Bergwerk“ aufzurufen. Seine Laufzeit auf dem Rundkurs: 9   Stunden und 45 Minuten.

Das „Bergwerk“ an der Quelkhorner Landstraße, das mangels Veranstaltungen in der Corona-Krise ums Überleben kämpft, empfing seinen laufenden Unterstützer mit einiger Rührung und einer selbst gebastelten Wimpelkette als Zielband. „Der war noch nicht mal aus der Puste“, staunt Carsten Henke, der das „Bergwerk“ zusammen mit Ralf Eberhardt betreibt, über Fitness und Ausdauer von Marlon Bertzbach.

Der 27-Jährige ist dem Ort und der Kneipe eng verbunden. Der Profi-Musiker ist in Quelkhorn aufgewachsen, machte vor zehn Jahren als Teilnehmer der Castingshow „X Factor“ Furore im Fernsehen und lebt heute als Singer/Songwriter mit dem Künstlernamen Finn in Berlin. Zwei- bis dreimal im Jahr tritt er im heimatlichen „Bergwerk“ auf – solo oder mit der durchweg musikbegabten Bertzbach-Family. Um der existenziell bedrohten Kulturkneipe zu helfen, nutzte Marlon seine zweite große Leidenschaft: das Ultra-Marathonlaufen. Voriges Jahr lief er für die Hilfsorganisation „Viva con Agua“ 166 Kilometer am Stück durch Berlin, und im September will er am 550-Kilometer-Staffellauf von Las Vegas nach Los Angeles teilnehmen – da boten sich 100 Kilometer rund um sein Heimatdorf sozusagen fürs sonntägliche Training an ...

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Bertzbach bewarb seinen Benefizlauf in den sozialen Netzwerken und rief zum Spenden fürs „Bergwerk“ auf. Das sammelt unter https://www.betterplace.me/kein-schicht-im-schacht online kleine und größere Beträge von Unterstützern, um wirtschaftlich durch die Corona-Krise zu kommen. 25 000 Euro sind als Spendenziel deklariert. Bis Ende voriger Woche stand die Spendenuhr bei 12 500 Euro – seitdem hat sie sich rund um Marlons Ultra-Lauf weitergedreht auf 14 330 Euro. Carsten Henke strahlt Zuversicht aus: „So wie es jetzt aussieht, können wir auf jeden Fall bis zum Herbst durchhalten.“ Und für danach besteht Hoffnung auf erste Kulturveranstaltungen im Saal des „Bergwerks“.

„Das hat Spaß gemacht“, sagt Marathon-Mann Marlon über seinen Benefizlauf und freut sich, dass er „so gut angekommen ist“. Unterwegs hatten sich ihm immer mal wieder Menschen für eine Weile angeschlossen: Seine Eltern liefen ein Stück mit, ein Freund seines Bruders, aber auch „andere, die ich gar nicht kannte“. Manche begleiteten ihn auf dem Fahrrad, viele schickten online aufmunternde Botschaften.

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Zwei längere Kaffeepausen gönnte sich Marlon zwischendurch bei Vater und Mutter: „Wir hatten uns lange nicht gesehen.“ Mental auftanken, Beine ausklopfen, dann ging"s weiter. Alles in allem war er „von acht bis acht“ unterwegs, bevor er im „Bergwerk“ einlief. Hier bedankte sich das Team mit Pizza und Malzbier. „Aber ich hatte gar nicht so einen Riesenhunger“, sagt Marlon. Sehr gefreut habe er sich auf Dusche und Bett. Auch die Busfahrt am Montag zurück nach Berlin nutzte er vor allem zum Schlafen: „Ich bin schon müde nach so einem Lauf, aber ich fühl" mich gut!“ 8000 Kalorien hat er auf den schweißtreibenden 100 Kilometern am Sonntag verbrannt und unterwegs mehr als sieben Liter Flüssigkeit zu sich genommen. Ende der Woche will Marlon wieder laufen gehen – locker testen, was die Beine so „sagen“.

Von Petra Holthusen

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