Bentophos-Einsatz hilft nicht

Massenwachstum von Blaualgen: Grün ruht der Badesee

Luftbild Otterstedter See
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Trübes Grün lässt für den ökologischen Zustand des Otterstedter Sees schon nichts Gutes ahnen.

Otterstedt – Der von einem grünen Blaualgenteppich überzogene Otterstedter See sorgt für Ratlosigkeit. „Wir wissen im Moment nicht, was wir tun sollen“, sagt Ralf Schack, Bauamtsleiter der Gemeinde Ottersberg. Fest steht nur: Die vor knapp anderthalb Jahren erfolgte Behandlung des nährstoffüberfrachteten Badegewässers mit dem Phosphatbindemittel Bentophos, das den Algen die Nahrungsgrundlage entziehen sollte, „hat diesmal nichts gebracht“, so Schack.

Im Gegenteil: Im Juli haben sich die Blaualgen, die korrekt Cyanobakterien heißen, derart vermehrt, dass der Fachdienst Gesundheit des Landkreises Verden vorige Woche bis auf Weiteres ein Badeverbot für den See ausgesprochen hat (wir berichteten). Die weitere Entwicklung kann niemand vorhersagen. Bei anhaltend sommerlichen Temperaturen rechnet das Gesundheitsamt nach eigenen Angaben eher noch mit einer weiteren Vermehrung der giftigen Algen, die Hautirritationen und beim Verschlucken Schwindel und Erbrechen auslösen können. Als besonders gefährdet gelten Kinder.

Der Algenteppich, der die Sichttiefe extrem verringert, erschwert zudem die Wasserrettung und gefährdet auch auf diese Weise die Sicherheit von Badegästen.

Das Blaualgen-Problem im Otterstedter See beschäftigt die Gemeinde seit vielen Jahren und sorgte schon in zahlreichen Sommern für Warnhinweise am Badestrand. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre ist die Konzentration der Cyanobakterien jetzt so hoch, dass die Gesundheitsbehörde ein Badeverbot aussprechen musste. Die Mitarbeiter in Verden überprüfen nun in kurzen Abständen die Wasserqualität und bewerten die Entwicklung. Die Gemeindeverwaltung lässt zudem für die engmaschige Kontrolle eigene Messungen durchführen.

Dass das Badeverbot schon bald wieder aufgehoben werden kann, daran hat Amtsleiter Ralf Schack arge Zweifel: „Die Blaualgen haben einfach zu viel Futter.“ Der Nährstoffgehalt begünstigt Massenentwicklungen an Blaualgen. Diese Nährstoffe zu binden und damit den Algen den Wachstumsbeschleuniger zu entziehen, war Ziel der zweiten See-Behandlung mit Bentophos Ende Februar 2020.

Nach der ersten Gabe von von elf Tonnen des Phosphatbindemittels 2006 „hatten wir jahrelang Ruhe vor Blaualgen“, erinnert sich Schack. Dass das diesmal nicht funktioniert hat, „macht nervös“. Zumal andere Seen das Problem trotz der wachstumsförderlichen Sommertemperaturen aktuell nicht hätten: „Das ist eigenartig“, rätselt Schack.

Sauerstofffreie Zonen gibt es schon heute in dem eiszeitlichen See, dessen „ökologisch bedenklichen Zustand“ auch die Gesundheits- und Naturschutzbehörden des Landkreises seit Jahren beobachten. Auf Dauer droht das Gewässer zu ersticken. Eine nachhaltige Lösung für die notwendige Senkung des dramatisch hohen Phosphatgehalts, der die Algen explodieren lässt und am Ende dem Leben im See allen Sauerstoff entzieht, ist noch nicht gefunden – aber bald in Arbeit:

Für eine zielführende Seesanierung plant die Gemeinde seit Längerem ein umfangreiches Projekt unter dem Titel „Vorhaben der Seeentwicklung“. Zwei Fachbüros aus Oldenburg und Bremen haben sich Schack zufolge um die kürzlich ausgeschriebene Projektsteuerung beworben. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fördert das Hilfsprogramm für den See mit mehr als 300.000 Euro. Ursachenforschung sowie die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts in dem Gewässer werden nach Worten von Schack allerdings noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Soforthilfe ist aktuell nicht in Sicht, an sommerliche Badefreuden in Otterstedt fürs Erste nicht zu denken. Dennoch haben Vertreter von Gemeinde und Landkreis für Mittwoch ein „Abstimmungsgespräch“ vereinbart.

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