Ihno Folkerts gewinnt auch „Erlkönig“ Neues ab

Geistesblitze im spärlichen Licht

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Ihno Folkerts bewies beim Solo-Gastspiel im Buthmanns Hof nicht nur seine bekannten musikalischen Qualitäten, sondern überzeugte auch mit der Rezitation weltbekannter Lyrik von Goethe und Schiller bis Heine. 

Fischerhude - Ihno Tjark Folkerts konzertierte schon an ungewöhnlichen Orten. Dazu zählte eine Autowerkstatt, wo sich der temporär leichte Bogenstrich auf seiner Geige gemeinsam mit anderen Instrumentalisten gegen die Präsenz schwerer Geräte behauptete. Oder er gewichtet bei Auftritten mit dem befreundeten Schauspieler Benedikt Vermeer die Wirkung des Klangs zum Wort. Im „Duo Folanie“ hat er regelmäßig den Cellisten Suren Anisonyan an seiner Seite.

Jetzt gastierte Folkerts als Solist in Fischerhude. Im Buthmanns Hof brachte er Balladen von Heine, Schiller, Goethe, Fontane und Droste-Hülshoff zu Gehör und ließ diese einen musikalisch-literarischen Dialog führen mit acht Fantasien für Solovioline von Georg Philipp Telemann.

In einem Begleittext zum Konzert hieß es, dass Telemann zu Lebzeiten ebenso berühmt gewesen sei wie seine Komponistenkollegen Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Von den 3500 Werken, die er geschrieben habe, seien leider nur noch 800 erhalten.

Bekannt wurde Telemann nicht nur wegen seiner kompositorischen Qualität, sondern auch wegen seines Humors – er fand für den Börsenkrach von 1720 ebenso treffliche Töne wie für das quakende Liebesspiel eines Froschpaares.

Die virtuosen Fähigkeiten Ihno Folkerts, der in Sinfonieorchestern spielte, mit dem Kammerorchester Köln Konzertreisen unternahm und als Konzertmeister der Berliner Kammeroper fungierte, sind weit über den Landkreis Verden hinaus bekannt. Viel mehr als seine rezitatorischen Talente.

Doch gerade mit dem Vortrag klassischer deutscher Lyrik gewann der Abend in Buthmanns Hof an Tiefe. Wer glaubt, Goethes „Erlkönig“ ganz genau zu kennen, hätte nur den Stimmfärbungen Folkerts lauschen müssen, um einige neue Facetten zu entdecken.

Und „Die Brück' am Tay“ von Theodor Fontane? Berührend mit menschlicher Vorfreude, desillusionierend in der Erkenntnis, dass alles von Menschenhand Geschaffene klein ist gegen die Kraft der Natur.

Ihno Tjark Folkerts rezitierte außerdem „Der Taucher“ von Schiller, „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff oder „Belsazar“ vom Heinrich Heine, dem vermutlich Größten unter den genialen Wortfindern.

Der Künstler erhielt viel Beifall vom Publikum in Buthmanns Hof. Das spärliche Raumlicht war immer wieder von Geistesblitzen erhellt worden. 

häg

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