„Geht über unsere Grenzen“ / Familienbetrieb mit Steinmetzfirma ausgelastet

Spieler gibt Ottersberger Bestattungsinstitut auf

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Jens (li.) und Henner Spieler sind mit ihrem Steinmetz-Betrieb mehr als ausgelastet und geben das angeschlossene Bestattungsinstitut zum Monatsende auf.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Die Verstorbenen aus dem Ort zu bestatten, hat eine jahrzehntelange Tradition im Familienunternehmen von Jens und Henner Spieler. Entsprechend schwer fiel den beiden Steinmetzen und Geschäftsführern der J.Spieler GmbH, Stein- und Bildhauerei und Bestattungsinstitut Ottersberg, sich von letzterem Unternehmenszweig zu trennen: Zum Monatsende geben sie das Bestattungsinstitut auf. „Schweren Herzens“, wie die Brüder sagen.

Aber eine Veränderung im Unternehmen sei unumgänglich geworden: Denn mit den Anforderungen und dem Arbeitsaufkommen in ihrem stetig gewachsenen Steinmetzbetrieb „sind wir mehr als ausgelastet“, erklärt Steinmetz- und Steinbildhauermeister Jens Spieler. Dazu die 24-Stunden-Rufbereitschaft als Bestatter und die zeitliche und emotionale Intensität der Vorbereitung und Begleitung von Beerdigungen und Trauerfeiern – das sei zuletzt über die Grenzen der Spieler-Brüder und ihrer in den Betrieb eingebundenen Familien gegangen. Zumal im Grunde jeder Trauerfall im Ort mit persönlicher Bekanntschaft verbunden sei und unter die eigene Haut gehe. Dazu der eigene Anspruch einer „Null-Fehler-Quote“ und von „hundertfünfzigprozentigem Einsatz“ – das ist „seelischer Dauerstress“, sagt Jens Spieler.

Schon Großvater Hinrich Busch organisierte als Tischlermeister und Sargmacher zusammen mit Ehefrau Elise traditionsgemäß die Beerdigungen in Ottersberg, und als sein Schwiegersohn Jochen Spieler mit Ehefrau Heicke 1963 den Steinmetzbetrieb gründete, wurde ein Bestattungsinstitut angeschlossen und wurden mit Hilfe der Schwiegereltern alle Aufgaben für die Beerdigungen im Ort parallel zum Steinmetzbetrieb gemeistert. So war es und so blieb es, als die Söhne Jens und Henner Spieler 1989 beziehungsweise 1997 nach ihrer Handwerksausbildung ins Familienunternehmen einstiegen und später die Geschäftsführung der J.Spieler GmbH, Stein- und Bildhauerei und Bestattungsinstitut, übernahmen.

Weiter Ansprechpartner

für Grabstellenvergabe

Jetzt ist Zeit für Veränderungen. Neben den Belastungen, die die Aufgaben des Bestatters mit sich bringen – auch wenn im Ort im Schnitt „nur“ 40 Bestattungen im Jahr anfallen –, standen die Spielers auch vor der Frage von Investitionen und baulichen Erweiterungen. Zum einen, „um unseren eigenen Ansprüchen an ein zeitgemäß geführtes Institut gerecht zu werden“, und zum anderen, um der sich verändernden Bestattungskultur Rechnung zu tragen. „200000 Euro müsste man in die Hand nehmen, um eigene Aufbahrungsräume zu schaffen und eine eigene Trauerhalle für immer kleiner werdende Trauerfeiern bei den immer mehr werdenden Urnenbeisetzungen“, schildert Henner Spieler. Aber diese Investition „lohnt sich für uns als quasi nebenberufliche Bestatter nicht“.

Wer ab 1. Februar in Ottersberg einen Trauerfall hat, muss sich an eines der Bestattungsunternehmen in den umliegenden Orten wie Quelkhorn, Sottrum, Lilienthal, Achim und Oyten wenden. Weiterhin Ansprechpartner bleibt das Unternehmen Spieler in Kooperation mit der Gemeindeverwaltung für die Beratung, Organisation und Planung bei der Vergabe und Veränderung von Grabstellen auf dem kommunalen Friedhof in Ottersberg: „In Abstimmung mit den Bestattern und den Nutzungsberechtigten werden bei einem Termin vor Ort die notwendigen Maßnahmen bei einem Trauerfall besprochen“, betont Jens Spieler.

Ansonsten konzentriert sich das Unternehmen ganz auf den Steinmetzbetrieb, der auf individuell gestaltete und gefertigte Grabmale spezialisiert ist und in einem Umkreis von 50 Kilometern tätig ist. „Wir haben aber auch schon Grabsteine nach Hannover und Hamburg gebracht“, sagt Henner Spieler. Zumal das Unternehmen auch eine Verkaufsausstellung in Tostedt hat. 2012 und 2013 übernahm die stark expandierte Ottersberger Firma Steinmetzbetriebe in Achim und Worpswede, 2014 wurde eine Verkaufsausstellung in Lilienthal neu gestaltet. Mit den beiden Chefs beschäftigt das Unternehmen elf Mitarbeiter, davon sind sechs Steinmetze.

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