Gedenkfeier für Dietrich Bonhoeffer in Kirche

Berührende Briefe

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Friedrich Bartels

Ottersberg - Bis zuletzt hoffte er auf seine Freilassung und machte im eigenen Leiden anderen Menschen in Briefen und Schriften Mut und Hoffnung auf ein gutes Ende. Am 9. April jährte sich zum 70. Mal der Todestag des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, der nach langer Haft 1945 von den Nazis im KZ Flossenbürg ermordet wurde.

Aus Briefen Bonhoeffers lasen Mitglieder der ev.-luth. Kirchengemeinde Ottersberg am Mittwochabend in einer berührenden Gedenkfeier in der Christophorus-Kirche, die Bettina Schmidt an der Harfe und der Kleine Chor Ottersberg, dirigiert von Gisela Seeger, umrahmten.

Zahlreiche Besucher lauschten den Auszügen aus Briefen Bonhoeffers, die er aus der Haft an seinen Freund Eberhard Bethge, seine Eltern und seine Verlobte Maria von Wedemeyer schrieb. Pastorin Wiebke Ridderskamp zeichnete zunächst das Leben von Dietrich Bonhoeffer nach, der 1906 in Breslau geboren wurde, und erinnerte auch an seinen älteren Bruder: Der Jurist Klaus Bonhoeffer wurde wegen seiner Beteiligung am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 inhaftiert und kurz vor Kriegsende von der Gestapo in Berlin erschossen.

Friedrich Bartels und Margret Mehlhop vom Kirchenvorstand und weitere Gemeindemitglieder lasen aus den Briefen, die Dietrich Bonhoeffer täglich aus dem Gefängnis schrieb. Er berichtete seinen Eltern aus dem Haftalltag und beteuerte immer wieder, dass ihm die Bedingungen nichts ausmachten: „Das Körperliche tritt zurück und wird unwirklich. Ich habe nicht einmal mehr Verlangen nach Zigaretten.“ Er bat seine Eltern um Verzeihung für die Sorgen, die er ihnen bereitete, und bangte sich um deren Wohlergehen. Er erfreute sich an Kleinigkeiten, beschrieb den Genuss von mitgebrachten Keksen und Marmelade und die Nähe bei den Besuchen. In vielen Dingen sah er die göttliche Schöpfung, die ihn immer wieder in seinem tiefen Glauben bestätigte.

Auch in Briefen an seine Verlobte Maria von Wedemeyer äußerte Bonhoeffer immer wieder die Überzeugung, dass er bald in Freiheit sein würde. Maria von Wedemeyer träumte sich in Worten zu ihm, sorgte sich um ihn und sprach ihm Mut zu. Sie freute sich auf eine baldige Hochzeit. Beide kosteten die Besuchszeiten aus und ihre Sehnsuchtsgedanken wanderten in den Briefen hin und her.

In Briefen an seinen Freund und Kollegen Eberhard Bethge fand Bonhoeffer bittere Worte wegen seines gelegentlich aufkommenden Zorns und wegen des ständigen Ringens um Haltung vor sich selbst und den Angehörigen. Die Eindringlichkeit und der tiefe Glaube, der aus seinen Briefen sprach, beeindruckten die Zuhörer nachhaltig – ebenso wie die menschliche Größe und Würde im Leid und angesichts des herannahenden Todes.

kr

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