Musiker will Haus der Musik, Kunst und Stille errichten

Gebaute Harmonie

Helge Burggrabe mit dem vorläufigen Modell seiner architektonischen Idee „Quintessenz“, die er gerne in Fischerhude verwirklichen würde. - Foto: Duncan

Fischerhude - Von Lisa Duncan. Kann man ein Haus aus Musik entstehen lassen? Das wirkt erstmal wie ein Widerspruch, denn während ein Klang vergänglich zu sein scheint, derfiniert sich ein Gebäude doch eher über seinen festen, statischen Charakter. Helge Burggrabe sieht das anders. Der Flötist, Komponist und Seminarleiter möchte ein Haus erschaffen, das er mit den Worten „gebaute Harmonie“ umschreibt. Am liebsten in Fischerhude. Dort soll es dann zum Forum werden für Kunst, Musik und – Stille. Am Montag, 8. August, um 20 Uhr in Buthmanns Hof möchte er der Öffentlichkeit seine Idee vorstellen.

Auch wenn das Projekt noch quasi in den Kinderschuhen steckt, steht der Name bereits fest: „Quintessenz“ – die fünfte Essenz. Philosophisch gesehen steht sie für den Geist, der die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Wind durch ein fünftes ergänzt.

„Mir gefällt die Vorstellung, dass die Natur um uns herum nach bestimmten Prinzipien funktioniert“, sagt Helge Burggrabe. Und genauso wie die Menschen in der Natur leichter zur Ruhe finden, soll dieses Gebäude eine entspannende Wirkung auf die Besucher entfalten.

„Es gibt Bedarf für solche Räume in unserer Gesellschaft, und zwar in allen Altersschichten“, begründet Burggrabe sein Ansinnen – und nennt Stichpunkte wie „Auszeit“, „Regeneration“ und „Burn-Out“. Aus der Ruhe schöpften die Menschen wieder Kraft. Auch Komponieren sei ohne die Erfahrung der Stille undenkbar, sagt Burggrabe.

Dem Künstler schwebt vor, in der „Quintessenz“ Konzert- und Vortragsreihen, Ausstellungen, sowie Yoga- und Meditationskurse anzubieten. „Es soll keine Konkurrenz zur Kirche sein, sondern überkonfessionell und interreligiös“, betont Burggrabe, der selbst Protestant ist.

Bis die Idee zu dem Bauwerk reifte, verging viel Zeit: Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der Fischerhuder Komponist intensiv mit der Verbindung von Architektur, Stille und Musik. Zudem versucht er mit seinen Kulturprojekten in sakralen Räumen die positive Wirkung von sogenannter „harmonikaler Architektur“ auf den Menschen erfahrbar zu machen. Zur Erklärung: Diese Form der Architektur findet sich in vielen romanischen und gotischen Kirchenbauten wieder, etwa in der Kathedrale von Chartres, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

„Kirche der Stille“ in Hamburg als Vorbild

Bei Gesprächen mit dem Architekten Peter Busmann, der unter anderem die Kölner Philharmonie erbaute, entstand die Frage, wie ein heutiges Bauwerk aussehen könnte, das nach harmonikalen Prinzipien entworfen wird.

Das vorläufige Modell, das sie gemeinsam entwarfen, zeigt ein fünfeckiges Gebäude mit geschwungenem Dach. Auf der Kuppel steht, fast freischwebend, eine Schale, die das Regenwasser auffangen soll. Wenn es vollgelaufen ist, soll es über die Giebel hinabfließen – ein Symbol für den überfließenden menschlichen Geist, so Burggrabe. Die Außenwände sollen gleichzeitig schützend und durchlässig wirken. Diesen Effekt möchte Burggrabe erreichen, indem er die Fassade nach Art der farbigen Glaskunst von Udo Zembok verkleidet. Zembok gehört neben Helge Burggrabe, Peter Busmann und dem Fischerhuder Architekten Peter Bischoff auch bereits zum Planungsteam. Zum Unterstützerkreis zählen zudem der Benedektinerpater Anselm Grün, Schauspielerin Martina Gedeck und Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf.

Als reales Vorbild für seine Idee nennt Burggrabe die „Kirche der Stille“ in Hamburg, die nicht mehr im engeren Sinne für Gottesdienste genutzt wird, sondern als Raum für Konzerte, Meditation und anderes. Auch Kooperationen könnte er sich vorstellen.

Für Montag wünscht sich Burggrabe, „dass alle Interessierten, Neugierigen und Skeptischen einfach vorbeikommen und sich das anschauen“. Eine lebhafte Diksussion sei erwünscht. Burggrabe tritt als Referent auf, für Fragen ist auch der Architekt Peter Bischoff anwesend. Der Eintritt ist frei.

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