Hospizhilfe Ottersberg

„In Frieden sterben können – aber auch bis zuletzt leben“

Seit 15 Jahren begleiten Ehrenamtliche der Hospizhilfe Ottersberg sterbende Menschen und ihre Angehörigen. Das Bild zeigt Ehrenvorsitzende Rose-Marie Dzubiella (ganz vorne links), Angelika Pohlmann, Renate Rosenthal, Rita Kamprad-Strothoff und Marianne Uphues (2. Reihe von links), Sieglinde Martin (nicht mehr aktiv), Sabine Bartram und Marlies Frerks (nicht mehr aktiv; 3. Reihe von links), Silke Hinze und Monika Wagener-Rieger (4. Reihe von links) sowie Hermann Baass (ganz oben). Auf dem Foto fehlen Tanja Güßmann und Ulrike Haltermann.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. „Zieht euch das nicht runter?“ Diese Frage kennen Hospizhelferinnen zur Genüge. Nein, sagen sie, der Kontakt mit Sterbenden ist kein Grund, schwermütig zu werden oder nicht mehr fröhlich zu sein – im Gegenteil: „Der Kontakt mit Sterbenden hilft, die eigene Lebenszeit wertzuschätzen“, so Marianne Uphues, Vorsitzende der Hospizhilfe Ottersberg.

Ihre (Vorstands-)Kolleginnen Renate Rosenthal, Tanja Güßmann und Angelika Pohlmann nicken bestätigend. Und sich im Rahmen der Hospizarbeit auch mit dem eigenen Sterben zu befassen, „macht das Leben nochmal kostbarer“, sind sich die ehrenamtlich tätigen Frauen einig. „Es ist eine schöne Arbeit“, sagt Marianne Uphues, „ein Gewinn.“

Die Vorstandsfrauen des ambulanten Hospizdienstes für Ottersberg und Umgebung managen nicht nur den rein spendenfinanzierten Trägerverein, sondern sind selbst ausgebildete Sterbe- und Trauerbegleiterinnen. Von diesen Aktiven hat der Hospizhilfe-Verein insgesamt zehn – acht mit abgeschlossener Hospizausbildung, zwei mit beginnender Ausbildung. Eigentlich noch zu wenig, meint Marianne Uphues. Personelle Verstärkung wäre hoch erwünscht. Denn weil sich Anfragen nach Begleitung und deren Dauer und Intensität nicht planen lassen, sind die Einsätze der ehrenamtlichen Hospizlerinnen oft schwer zu koordinieren.

Obwohl das Thema Sterben und Tod immer noch gerne aus dem Leben verdrängt wird, wie die Hospiz-Aktiven wissen, ist es doch Tatsache, dass durch den Ausbau der ambulanten Palliativversorgung mehr Menschen zu Hause sterben dürfen und die Nachfrage nach Begleitung entsprechend steigt. Auch bei der Hospizhilfe Ottersberg, die Kooperationspartner im Palliativnetz im Landkreis Verden und im Palliativstützpunkt Rotenburg ist und auch über die Grenzen Ottersbergs hinaus im Einsatz.

Neue Engagierte sind hoch willkommen

Da sind neue Engagierte wie Tanja Güßmann ein Glücksfall für die Hospizhilfe: Die 32-Jährige war im ersten Berufsleben Informatikerin und entschied sich dann, lieber „etwas für Menschen“ zu machen. Sie studierte an der Ottersberger Hochschule Kunsttherapie und hat gerade ihre Masterarbeit mit dem Schwerpunkt kunsttherapeutische Trauerbegleitung geschrieben. Ehrenamtlich ist sie in der Hospizhilfe engagiert.

Weitere knapp 30 Mitglieder unterstützen den Verein ideell, der sich 2002 auf Initiative der heutigen Ehrenvorsitzenden Rose-Marie Dzubiella gründete und im Oktober sein 15-jähriges Bestehen feiert. 2003 erhielten die ersten sechs Mitglieder ihr Zertifikat als ausgebildete ehrenamtliche Hospizhelferinnen.

Die Sterbe- und Trauerbegleiterinnen gehen den letzten Weg mit sterbenden Menschen und ihren Angehörigen gemeinsam und arbeiten nach dem Leitspruch der Ärztin Cicely Saunders, die vor 50 Jahren in London das erste Hospiz für sterbende Menschen gründete: „...und wir werden alles tun, damit sie in Frieden sterben, aber auch bis zuletzt leben können.“

Hilfe für zu Hause und im Heim

Die Ottersberger Hospizhelferinnen begleiten vor allem Menschen zu Hause und in Alten- und Pflegeheimen. Die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse des sterbenden Menschen haben für sie Priorität. Der Beistand der ehrenamtlichen Hospizler ist kostenlos und absolute Schweigepflicht ist oberstes Gebot.

Ihr Einsatz für sterbende Menschen und für trauernde Angehörige hält sich in etwa die Waage. Das monatliche Trauercafé im Rektorhaus wird gut angenommen, und die Begleiterinnen werben nach außen um mehr Akzeptanz und Verständnis für Trauernde: „Trauernde fühlen sich von ihrer Umwelt oft gedrängt, endlich ,fertig zu werden‘ mit dem Trauern“, schildert Tanja Güßmann, „aber Trauer braucht Zeit.“ Manchmal Jahre. Dass Trauernde von Nachbarn oder früheren Freunden oft aus Unverständnis oder auch Hilflosigkeit heraus gemieden würden, verstärke das Leiden noch zusätzlich.

Sterben, Tod und Trauer in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und für Aufklärung und Akzeptanz zu sorgen, liegt der Hospizhilfe spürbar am Herzen. Oder wie Marianne Uphues sagt: „Dass Sterben wieder mehr ins Leben eingebaut wird.“ Das gilt auch für das Zulassen von Sterben, wenn jemand bereit ist zu gehen.

Arbeit an Konzept für ein „Sterbehaus“

Aktuell befasst sich die Hospizhilfe intensiv mit dem Thema „Sterbehaus“, in dem – anders als in einem Hospiz – Menschen mit einer todbringenden Krankheit und deren Angehörige und Freunde längerfristig begleitet werden können. Nicht alle todgeweihten Menschen können oder wollen zu Hause bis zum Ende gepflegt werden. 

„Da ist eine Lücke im System“, sagt Renate Rosenthal. Angelika Pohlmann sieht ein Sterbehaus als familiäre Einrichtung mit sechs Plätzen, „aber das ist noch ganz unausgegoren – eine Vision“. Allein die Projektfinanzierung durch Spenden ist ein ambitioniertes Vorhaben, „aber wir arbeiten an einem Konzept“.

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