Fischerhuder Wurfscheibenschießstand in Sanierung

Abtrag des bleiverseuchten Bodens beginnt

Wurfscheibenschießgelände
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Auf dem Wurfscheibenschießgelände haben die Erdarbeiten zum Abtrag des bleiverseuchten Bodens begonnen.

Fischerhude – Acht Jahre lang hat der Schützenverein Fischerhude an der Erfüllung der technischen, rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für die Sanierung und Reaktivierung seines Wurfscheibenschießstandes in den Wümmewiesen gearbeitet – ein Indiz für die Komplexität des Vorhabens vor allem unter Umweltaspekten. Nach Vorliegen aller Genehmigungen und Bewilligungen rollt jetzt der Bagger auf dem Gelände – die Erdarbeiten haben begonnen. Die Kostenschätzung für die Sanierung des mit Bleimunition kontaminierten Bodens und für die geplanten Neubauten beläuft sich nach Vereinsangaben auf rund 530.000 Euro. Nach Abzug der bewilligten Fördergelder bleibt für die Schützen ein Eigenanteil von 105.000 Euro zu finanzieren.

Spätestens im Oktober soll die neue alte Freiluft-Schießanlage in den Wiesen fertig sein. Das enge Zeitfenster erklärt Reinhard Wischhusen mit den von Fördergeldgebern gesetzten Fristen. Wischhusen hat mit seiner Expertise als früherer Verwaltungsbeamter den Schützenvereinsvorstand im langjährigen Genehmigungsprozess für das Projekt unterstützt.

Den aktuellen Sachstand hatte Vereinsvorsitzender Ralf Kommnick vor mehreren Wochen in einer Mitgliederversammlung vorgestellt, die trotz Kostensteigerungen und laufendem Rechtsstreit grünes Licht für den Baubeginn gab. Bekanntlich hat der Naturschutzbund vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen den Landkreis Verden erhoben: Die von der Behörde erteilten Bau- und Betriebsgenehmigungen für den Wurfscheibenschießstand erachten die Naturschützer ebenso wie eine örtliche Bürgerinitiative als rechtswidrig.

Die eingereichten Klagen haben aber keine aufschiebende Wirkung – „das heißt, wir können gemäß den erteilten Genehmigungen mit dem Projekt beginnen“, so Kommnick. Der Verein habe alle Pläne und Gutachten geliefert, die für die Genehmigungen gefordert worden seien, und halte sich „jetzt genau an den Inhalt dieser vorliegenden Genehmigungen“.

Im Spätherbst soll der sanierte Wurfscheibenschießstand, der 1969 gebaut wurde und seit 2013 wegen der festgestellten massiven Bleiverseuchung des Bodens brachliegt, wieder in Betrieb gehen. Laut Genehmigung dürfen die Trapschützen ab dann sieben Mal im Monat unter freiem Himmel auf fliegende Ziele schießen – davon je drei Mal samstagnachmittags und sonntagvormittags sowie ein Mal mittwochnachmittags. Pro Termin dürfen, so Wischhusen, maximal 900 Schuss abgegeben werden. Künftig wird auf die Wurfscheiben allerdings nicht mehr mit Blei-, sondern mit Weicheisenschroten geschossen.

Der genehmigten Planung zufolge wird jetzt zunächst das kontaminierte Erdreich abgeschoben, in einer als sondermülltauglich deklarierten Folie verpackt und als Wallanlage auf dem Gelände eingelagert. Nach Wiederauffüllung der abgetragenen Fläche soll diese mit einem Vlies abgedeckt werden, von dem die Schrote und Wurfscheibenreste künftig abgesammelt werden können. Allein die Bodensanierung schlägt laut Kommnick mit 358.000 Euro zu Buche. 275.000 Euro erhält der Schützenverein als Zuschuss – größtenteils aus EU-Fördermitteln der NBank, aber auch aus Mitteln des Landes Niedersachsen. 83.000 Euro zahlt der Verein selbst.

Mit 170.000 Euro ist die Erneuerung von Betriebsgebäuden und -areal kalkuliert. Das Maßnahmenpaket beinhaltet die Neuverschalung des Wetterschutz-/Clubhauses, den Anbau einer WC-Anlage mit Schmutzwasser-Sammelgrube, den Austausch des Containers für die Schießsportleitung, die die Wurfscheiben freigibt, sowie die Pflasterung der Anlagen und eine Sicherheitsumzäunung. Knapp 90 Prozent dieser Kosten, insgesamt 150.000 Euro, bezahlen zu jeweils etwa einem Drittel der Flecken Ottersberg, der Landkreis Verden und der Landessportbund im Rahmen der Sportstättenförderung. Der Eigenanteil des Schützenvereins liegt bei rund 20.000 Euro.

Alles in allem erhält der Verein bei einem kalkulierten Gesamtaufwand von rund 530.000 Euro Zuschüsse in Höhe von 425.000 Euro. Zur Finanzierung ihres Eigenanteils in Höhe von 105.000 Euro nehmen die Schützen nach Worten von Wischhusen ein Darlehen auf.

Das Interesse am Wurfscheibenschießen und die Nachfrage seien groß. Neben der Angebotsattraktivierung für seine mehr als 200 Mitglieder erwarte der Verein deshalb nach Fertigstellung der Anlage auch „viele neue Mitglieder“. Und bei 50 Neueintritten sei die Kredittilgungsleistung sichergestellt, so Wischhusen.

Die durchzuführenden Arbeiten wurden Kommnick zufolge von Fachingenieuren ausgeschrieben und die Aufträge gemäß den Ausschreibungsergebnissen erteilt. Mit den Erdarbeiten wurde das Fischerhuder Bauunternehmen Wunderlich beauftragt, mit den Holzbauarbeiten die Tüchtener Firma Temp.

Die Arbeiten zur ordnungsgemäßen Beseitigung des bleibelasteten Bodens laut der vom Landkreis erteilten Genehmigung „werden laufend von Vertretern der Fachbehörden, vom Büro für Umweltberatung Dr. Pirwitz und von dem Sachverständigen nach § 18 Bodenschutzgesetz, Dr. Erpenbeck, begleitet und dokumentiert“, erklärt Kommnick. Nach Fertigstellung werde die Fläche ökologisch aufgewertet. „Der Schützenverein Fischerhude stellt sich mit diesem Projekt seiner gesellschaftlichen Verantwortung und nimmt umfangreiche ehrenamtliche Arbeiten und ein hohes finanzielles Engagement auf sich“, betont der Vorsitzende. Diese Bereitschaft werde von den öffentlichen Stellen anerkannt, „indem umfangreiche finanzielle Unterstützungen gewährt wurden“.

Von Petra Holthusen

Auf der Fläche oberhalb der Wurfscheibenanlage erhält die Schießsportleitung, die die fliegenden Ziele freigibt, einen neuen Container. Für das Wetterschutzhaus im Hintergrund planen die Schützen eine neue Holzverschalung und den Anbau einer WC-Anlage.

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