Investor Arnd Brüning spricht über seine Bauvorhaben und die Unternehmenszukunft

„Mir macht es Spaß, etwas zu entwickeln“

Der Firmensitz der Brüning Group
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Der Firmensitz der Brüning Group an der Landstraße in Fischerhude soll nach dem Umzug des Unternehmens in die Bremer Überseestadt ein Gesundheitszentrum werden. Dafür hat Arnd Brüning erste Mietinteressenten und konkrete Pläne.

Fischerhude – Fix und fertige Häuser interessieren Investor Arnd Brüning nicht: „Das ist langweilig.“ Ein Anlageobjekt in Hastedt hat er deshalb gleich wieder verkauft. „Mir macht es Spaß, etwas zu entwickeln“, sagt der Fischerhuder Unternehmer. Seine Brüning Family Holding GmbH hat einige Entwicklungsprojekte in der Mache – darunter das Otterstedter „Haus am See“ mit Lokal und Ferienwohnungen, den Neubau von 16 Seniorenwohnungen neben der alten Fischerhuder Wassermühle und einen aufgekauften alten Bauernhof als neue Bio-Gemüse-Anbaustätte, die Brünings Scheune im Dorf bald mit Eigenproduktion beliefern soll.

Einige Nummern größer ist Brünings Engagement in Bremen. Als Mit-Investor auf dem alten Kellogg-Gelände in der Überseestadt ist er an der Entwicklung von Bürogebäude und Markthalle samt Gastronomie und Einzelhandel beteiligt. „Das wird der Treffpunkt in Bremen“, ist Brüning überzeugt, „in zehn Jahren ist das hier die neue Innenstadt.“ In etwa anderthalb Jahren schon wird es der neue Firmensitz der Brüning Group sein, die nationaler Marktführer mit internationalen Ambitionen im Handel mit energieliefernden Schüttgutrohstoffen ist. Gegen Ende 2022 sollen die rund 70 Beschäftigten, die jetzt noch am Standort Fischerhude tätig sind, in das Bürogebäude auf dem Kellogg-Areal umziehen.

Ebenso die 30 Mitarbeiter, die Brüning schon vor drei Jahren aus Platznot in gemietete Büroräume ans Weserufer ausgesiedelt hatte. Zuvor war sein Plan, zu Hause in Fischerhude groß neu zu bauen, an politischen und dörflichen Querelen gescheitert.

„Alle wieder unter einem Dach zu haben, das ist total wichtig für die Zusammenarbeit“, freut sich der Geschäftsführer auf die Wiedervereinigung seines Fischerhuder Teams und die unternehmerische Zukunft in Bremen. Zumal die Brüning Group mit insgesamt rund 200 Beschäftigten an mehreren Standorten im In- und Ausland und einem Umsatz, der auf einen hohen zweistelligen Millionenbereich beziffert wird, europaweit expandiert: „Da ist der Anschluss an den Flughafen wichtig.“

Das Wachstum sei programmiert: „Die nächsten 30 Jahre haben wir gut zu tun“, so Brüning. Holzige Rohstoffe und Biomasse zur thermischen Verwertung seien wichtig für das Gelingen der Energiewende und spielten im internationalen Warenaustausch eine immer bedeutendere Rolle.

Für die Nachnutzung des markanten Firmengebäudes an der Landstraße in Fischerhude hat Brüning erste Mietinteressenten und konkrete Pläne: „Ein Gesundheitszentrum mit Ärzten und Physiotherapeuten aus dem Ort.“ Die aber füllen die 1000 Quadratmeter noch nicht aus: „Wir würden gerne einen Gynäkologen und einen Kinderarzt dazuholen.“ Dahinter steht die Überlegung: „Wir haben in Fischerhude alles, was wir brauchen. Aber wir müssen aufpassen, dass die Infrastruktur attraktiv bleibt. Dafür muss man etwas tun.“

In die Zukunft gedacht hat der 51-Jährige auch für sein Unternehmen. Das entwickelte er in 30 Jahren von der Ein-Mann-Biogärtnerei zum millionenschweren Biomasse-Marktführer. Vor zwei Jahren verkaufte der Selfmademan 40 Prozent seiner Brüning-Gruppe an zwei ausgesuchte Mitgesellschafter: die Kapitalgesellschaft einer französischen Genossenschaftsbank und ein bayerisches Unternehmen, das in Beteiligungen an wachsenden mittelständischen Firmen investiert. Arnd Brüning blieb Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer, aber für die Zukunft „ist alles so aufgebaut, dass es auch ohne mich auskommen kann“.

Mit dem Kapital aus dem Verkauf gründete Brüning seine Family Holding GmbH. Die Gesellschaft gehört ihm zu 100 Prozent, sichert das Vermögen für seine sechs Kinder und investiert in Immobilien. Sie ist mit der Bremen Buildings GmbH verflochten, die mit drei Ingenieuren und dem Fischerhuder Architekten Peter Bischoff plant und baut. Bei seinen Projekten gehe es ihm nicht um maximalen Profit, sagt Brüning. Sondern darum, „ökonomische mit gesellschaftlichen Bedürfnissen in Einklang zu bringen“.

So wie bei dem am Dieker Ort anstelle des abgerissenen alten Bauernhauses geplanten Mietshaus mit 16 altersgerechten Wohnungen plus Gemeinschaftsräumen. Den Nachbarn im historischen Fischerhuder Kern ist das Vorhaben zu groß und zu neu. Für Brüning soll es ein Paradebeispiel gelungener Nachnutzung aufgegebener Höfe werden; eine drängende Aufgabe, der sich der Ort stellen müsse. Er habe eine lange Liste von Mietinteressenten vorwiegend aus Fischerhude, die ihre zu groß gewordenen Häuser gern gegen altersgerechte Wohnungen tauschen wollen. Soweit das gesellschaftliche Bedürfnis. Rechnen müsse sich das millionenschwere Vorhaben aber auch, „und 8 statt 16 Wohnungen sind in dem Fall nicht ökonomisch“.

Eine besondere Herausforderung ist die Lage des Hauses im Gebiet der fast rechtskräftigen Baugestaltungssatzung zum Erhalt des historischen Ortsbilds. „Als Investor will ich an diesem Objekt demonstrieren, dass wir die verschiedenen Interessen gemeinsam unter einen Hut bringen können“, betont Brüning. Der architektonische Entwurf sei bereits angepasst worden und im steten Fluss.

Eine neue Immobilie sucht der Fischerhuder zurzeit für seinen Bioladen Brünings Scheune. Die habe räumlichen Erweiterungsbedarf für eine breitere Produktpalette und ein größeres gastronomisches Angebot. Ein Anbau am Standort Marktplatz sei nicht möglich, ein Umzug deshalb vonnöten: „Eine alte Hofstelle in der Ortsmitte wäre dafür ideal.“ Die Suche läuft. Brünings „Spaß am Entwickeln“ bleibt.

Von Petra Holthusen

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