Ex-Minister setzt sich in Petitionsausschuss für Bürgerinitiative ein

Fischerhuder Tontaubenschießstand: Grüne Rückenstärkung für Gegner

Anlagengegner am Fischerhuder Tontaubenschießstand
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Kämpfen zusammen für eine Stilllegung und nachhaltige Sanierung des Wurfscheibenschießstandes in den geschützten Fischerhuder Wümmewiesen: (v.li.) Bundestagskandidatin Lena Gumnior, Landtagsabgeordneter Christian Meyer und Kreistagspolitiker Erich von Hofe von Bündnis 90/Die Grünen sowie Annette Dresselhaus (Bürgerinitiative) und Anja Gätjen (Naturschutzbund).

Fischerhude – Im niedersächsischen Umweltministerium ist die Petition der Fischerhuder Bürgerinitiative gegen den Wurfscheibenschießstand in den geschützten Wümmewiesen auf taube Ohren gestoßen. Viel Mühe scheint man sich in Hannover nicht gemacht zu haben: Die Stellungnahme aus dem Hause von Minister Lies (SPD) rezitiere nur die Argumentation der Genehmigungsbehörde Landkreis Verden und sehe das Sanierungs- und Reaktivierungsvorhaben der Fischerhuder Schützen demzufolge positiv. Das berichtete Christian Meyer, Vize-Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, am Montagnachmittag bei einem Vor-Ort-Gespräch in den Wiesen.

Zwecks Informationsaustausch spazierten lokale Grünen-Politiker sowie Abordnungen von Bürgerinitiative und Naturschutzbund (Nabu) mit dem Landtagsabgeordneten zu dem umstrittenen Freiluftschießstand. Meyer wollte sich selbst ein Bild machen, denn als Berichterstatter der Opposition im Petitionsausschuss des Landtages will er sich dort nach seinen Worten für die Eingabe der Fischerhuder Bürger unter dem Titel „Keine Umweltgifte im Naturschutzgebiet“ und für eine gründliche Überprüfung der ganzen Sache stark machen. Er sei „entsetzt“, wie unkritisch das Umweltministerium das Vorhaben in seiner Stellungnahme beurteile, sagte der frühere Landwirtschaftsminister. Somit schätzt Meyer auch die Chance, dass die Regierungsparteien von SPD und CDU Forderungen aus der Petition der Bürger unterstützen, zurzeit als eher gering ein.

Die Bürgerinitiative um Sprecherin Annette Dresselhaus kämpft seit gut einem Jahr für eine nachhaltige Sanierung des Schießgeländes, in dessen Boden hochgerechnet 40 Tonnen Bleimunition liegen sollen, und für das Ende der Betriebserlaubnis für den Wurfscheibenschießstand im heutigen Landschafts- und EU-Vogelschutzgebiet. Wie mehrfach berichtet, will der Fischerhuder Schützenverein seinen 1969 gebauten und seit 2013 aufgrund des bleiverseuchten Bodens ruhenden Tontaubenschießstand sanieren und das Freiluftschießen dort wieder aufnehmen. Das vom Landkreis genehmigte Sanierungskonzept sieht vor, vergiftetes Erdreich in Kunststofffolie einzupacken und als riesigen Wall auf dem Gelände des Schießstandes zu lagern. Unzureichend und umweltgefährdend findet das die Bürgerinitiative. Sie fordert eine Sanierung durch vollständigen Abtrag und Abtransport des mit Blei und Arsen kontaminierten Bodens, eine Renaturierung des Geländes als Biotop im Sinne des Naturschutzes sowie die endgültige Schließung des Schießstandes und die Rücknahme der Genehmigung von 1969. Das haben die Aktivisten in der Petition an den Landtag ausführlich dargelegt und begründet. Sie kritisieren zudem, dass mehr als 400 000 Euro an öffentlichen Fördergeldern in das Vorhaben der Schützen fließen sollen, und weisen auf die drohende Lärmbelästigung von Umwelt und Anwohnern durch den Schießbetrieb hin.

Während der Schützenverein nach Informationen der Anlagengegner Mitte Juli mit den Bauarbeiten beginnen will, läuft beim Verwaltungsgericht Stade die Klage des Naturschutzbundes gegen den Landkreis Verden als Genehmigungsbehörde. Mit einem Urteil sei gegen Ende des Jahres zu rechnen, sagte Anja Gätjen vom Nabu-Kreisvorstand. Den Naturschützern zufolge duldet die Behörde auf der Anlage seit 2013 einen „Scheinbetrieb mit einem Schuss alle drei Jahre“, um den Bestandsschutz zu sichern. Tatsächlich hätte die Betriebsgenehmigung mangels Regelbetrieb längst erlöschen müssen – und eine Neugenehmigung in einem Schutzgebiet sei heutzutage immissionsschutzrechtlich undenkbar.

Auch Lena Gumnior, Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Osterholz/Verden, unterstützt die Forderungen der Anlagengegner. Im Schutzgebiet müsse besondere Vorsicht walten, sagte sie. Und es wäre doch ziemlich traurig, wenn Fischerhude Berühmtheit erlangte, weil es hier den europaweit einzigen Tontaubenschießstand in einem ausgewiesenen EU-Vogelschutzgebiet gebe.

Von Petra Holthusen

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